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Technikmesse CES Abgedreht – Drohnen für jedermann


Wer etwas Verrücktes sehen will, muss sich auf der CES in die Halle mit den Drohnen begeben. Dort lernt man außerdem, dass es auch in China eine Startup-Kultur gibt.
Von Jan Boris Wintzenburg

Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas lebt von verrückten Ideen. Ihr Reiz ist, dass kleine Firmen dort immer wieder mit ungewöhnlichen Produkten auftauchen, von denen noch niemand vorher gehört hatte. Blöd nur, dass man inzwischen auf den meisten, technologisch spannenden Gebieten Startups vergeblich sucht: Das Fernsehen der Zukunft wird von Unternehmensriesen wie Samsung, Sony und Philips beherrscht. Ums autonome Auto kümmern sich Giganten wie Google, Volkswagen oder Mercedes.

Und selbst das junge Thema "Virtual Reality" wird von den Branchengrößen der Spiele- und TV-Welt beherrscht. Und natürlich von der Facebook-Tochter Oculus. Bleibt die Welt der Drohnen, um sich auf die Suche nach dem Ungewöhnlichen der CES zu machen.

Die autonomen Drohnen kommen

Gut zwei Dutzend Firmen bieten inzwischen automatisierte Fluggeräte an. Sie werden meist mit dem Samrtphone gesteuert, oft allerdings in Verbindung mit Controllern. Denn schließlich ist Fliegen eine dreidimensionale Art der Fortbewegung und mit Wischen auf dem Bildschirm kommt man da nicht sehr weit.

Es sei denn natürlich, die Drohnen sind autonom unterwegs: In netzverhängten Käfigen fliegen auf einigen Ständen bis zu zehn kleine Quadrocopter durcheinander, ohne miteinander zu kollidieren. Das ist eindrucksvoll - aber natürlich vorher in mühevoller Programmierarbeit geplant.

Ein großer Spaß

Putzig ist das Kickstarter-Projekt "Fleye", das die Form und das Gewicht eines Fußballs hat, aber in der Lage ist, autonom mit einer HD-Kamera zehn Minuten lang Bilder zu machen. Da die Propeller komplett eingekapselt sind, besteht keine Verletzungsgefahr.

Auch bei der Größe gibt es Unterschiede: Der etablierte Hersteller Parrot bietet kleine Drohnen fürs Kinderzimmer an, die mit Legosteinen zu Ufos und anderen Fluggeräten (samt schneidigen Piloten) hochgerüstet werden können. Eine kleine Kamera nimmt im Flug dann sogar noch Fotos auf. Ein großer Spaß.

Die "Byrobot"-Drohne von der Firma Petrone wird als Real-Live-Videospiel vermarktet: Sie hat Infrarotlaser und entsprechende Empfänger. Hat man zwei oder mehr Freunde mit der selben Drohne, kann man sich damit beschießen. Bei Treffern vibriert das Smartphone, mit dem gesteuert wird und die Lebensenergie nimmt ab. Bei zu vielen Treffern geht das Fluggerät zu Boden. Wer will kann die Drohnen sogar zu kleinen Fahrzeugen umrüsten und am Boden weiter kämpfen.

Erste Transportdrohne für Menschen

Andere, etwas größere Exemplare, richten sich eher an Profis: Sie kartieren Gebäude und Landschaften, tragen professionelle Fernsehkameras oder sollen sogar für Sicherheit sorgen. US-Hersteller Stampede bietet seine mit einem Sternenbanner verzierten Exemplare explizit für die Grenzüberwachung und Katastropheneinsätze an. Zielgruppe sind Polizei, Feuerwehr und auch das Militär. Ihre Tragkraft von bis zu 20 Kilo macht einige der auf der Messe gezeigten unbemannten Flugobjekte durchaus bewaffnungsfähig.

Doch die eigentliche Überraschung kommt aus China: Das erst zweieinhalb Jahre alte Startup "ehang" hat die erste Transportdrohne für Menschen auf die CES gestellt. Das fliegende Ei hat acht Propeller an vier Armen und fliegt elektrisch bis zu 23 Minuten lang und bis zu 500 Meter hoch. 100 Kilo Tragkraft reichten für den Transport eines Menschen über rund 20 Kilometer Strecke, so heißt es.

Steuerknüppel sucht man vergeblich. Gelenkt wird nur über einen iPad: Einfach das Ziel auf der Karte markieren, schon kann es losgehen. Eindrucksvolle Videos der ersten Testflüge sollen das belegen.

Allerdings hat das Gerät bisher keine Zulassung und ist nach Angaben der Erbauer auch erst 20 Mal bemannt abgehoben. Trotzdem bewerben sie es als "Safe by design" und behaupten, Ende des Jahres könne man den "ehang 184" bereits in den USA kaufen. Kostenpunkt: rund 200.000 Dollar.

Auch wenn der Enthusiasmus der chinesischen Gründer mitreißend ist – angesichts der angepeilten Flughöhe sollte man hier vielleicht darauf verzichten, "early adaptor" zu sein. In jedem Fall aber wirken die vor der Messe noch gehypten Paketdrohnen vom Lieferdienst Amazon dagegen ziemlich altbacken.

Drohnen Test: Hier geht es zum Drohnen Vergleich. 


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