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Klimafreundliche Luftfahrt Britische Forscher stellen Wasserstoff-Flugzeug vor – es soll das Fliegen CO2-frei machen

Ein Flugzeug fliegt über den Wolken
Das entwickelte Wasserstoff-Flugzeug des Aerospace Technology Institute
© Aerospace Technology Institute
Wasserstoff gilt wegen seiner Klimafreundlichkeit als der Energieträger der Zukunft. Britische Forscher haben ein Wasserstoff-Flugzeug vorgestellt, das das Fliegen künftig tatsächlich CO2-frei machen soll. Das Projekt klingt vielversprechend, doch es gibt Hürden.

Je nach Wasserstoffart reduzieren derartige Motoren den CO2-Ausstoß oder stoßen sogar gar kein CO2 aus und sind somit klimafreundlich. Die Technologie ist aber noch nicht bereit für einen massenhaften Einsatz. Besonders in der Luftfahrt steht sie noch am Anfang. Das britische Aerospace Technology Institute (ATI) ist dem Thema nach eigenen Angaben nun allerdings einen bedeutenden Schritt nähergekommen. Es hat im Rahmen des Forschungsprojekts "Fly Zero" das Konzept eines Passagierflugzeugs mit Wasserstoffantrieb vorgestellt. Den Entwicklern zufolge stößt es keinerlei klimaschädliche CO2-Emissionen aus. 

Das 54 Meter lange Flugzeug bietet Platz für bis zu 279 Passagiere und verfügt über zwei wasserstoffbetriebene Turbofan-Triebwerke. Es "zeigt das enorme Potenzial von grünem Flüssigwasserstoff für den Flugverkehr." Schließlich soll es nicht nur für Kurzstrecken sondern auch für Langstrecken geeignet sein. So seien Flüge von London Flugziele wie Peking, Vancouver oder Rio De Janeiro möglich. Mit einem Zwischenstopp seien auch noch weitere Flugziele, etwa San Francisco (USA) oder Auckland (Neuseeland) erreichbar. Dabei soll das Wasserstoff-Flugzeug die gleiche Geschwindigkeit und den gleichen Komfort wie heutige Flugzeuge haben. 

Entwickler hoffen auf Revolutionierung der Luftfahrt

"Fly Zero", welches von der britischen Regierung gefördert wird, könne den Aufbau eines globalen Netzes von kohlenstofffreien Flügen beschleunigen und die Emissionen von Langstreckenflügen verringern, heißt es. Außerdem "dürfte die steigende Nachfrage zu niedrigeren Versorgungskosten führen".

Fly Zero-Projektleiter Chris Gear sagt: "In einer Zeit, in der die Bekämpfung des Klimawandels weltweit im Mittelpunkt steht, stellt unser mittelgroßes Konzept eine wahrhaft revolutionäre Vision für die Zukunft des weltweiten Luftverkehrs dar, die Familien, Unternehmen und Nationen miteinander verbindet, ohne einen Kohlenstoff-Fußabdruck zu hinterlassen."

Das neue Konzept-Flugzeug bringe für die britische Luft- und Raumfahrtindustrie echte Chancen mit sich, Marktanteile, hochqualifizierte Arbeitsplätze und ausländische Investitionen zu sichern. Gleichzeitig könne es dazu beitragen, die britischen Verpflichtungen im Kampf gegen den Klimawandel zu erfüllen. Großbritannien soll dadurch in den nächsten Jahren "an die Spitze der nachhaltigen Luftfahrt" gelangen.

Noch "große technologische Herausforderungen"

Allerdings heißt es auch, es gebe noch "große technologische Herausforderungen bei der Verwirklichung eines umweltfreundlichen, mit flüssigem Wasserstoff betriebenen Fluges". Martin Wietschel vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung sagte im "Handelsblatt": "Im nationalen oder europäischen Kontext kann man noch über Wasserstoff nachdenken." Aber die Energiedichte von Wasserstoff reiche nicht für Langstreckenflüge aus. "Da sind diesen Lösungen einfach Grenzen gesetzt. Ich wüsste nicht, wie man darüber hinwegkommen sollte." 

Gerald Wissel vom Beratungsunternehmen Airborne Consulting äußerte gegenüber dem Blatt sogar Zweifel darüber, dass Wasserstoff-Flugzeugen bis 2035 auf Mittelstrecken eingesetzt werden können. "Nach all dem, was wir an Kenntnissen haben, sind synthetische Kraftstoffe das einzige Mittel, um schnell etwas in der Luftfahrt für Klimaschutz zu tun." Der tatsächliche Beitrag zum Klimaschutz werde gering sein, selbst wenn in 15 Jahren erste Airlines ihre Passagiere mit Wasserstoffflugzeugen transportieren werden. Denn wahrscheinlich sei die Technologie zunächst nur bei Kurzstreckenflügen mit kleinen Maschinen einsetzbar. Hier entstehe aber nur ein sehr kleiner Teil der Emissionen im Flugverkehr. Mehr als die Hälfte des CO2-Ausstoßes werde von Langstreckenflügen verursacht.

Verkehrsminister Grant Shapps sprach indes von einem "bahnbrechenden Entwurf eines mit Flüssigwasserstoff betriebenen Flugzeugs". Bis das Wasserstoff-Flugzeug in den Betrieb gehen wird, dauert es also noch einige Jahre – sofern es tatsächlich auf den Markt kommen wird. Anfang des kommenden Jahres wollen die Forscher detaillierte Ergebnisse des Forschungsprojekts veröffentlichen, darunter drei endgültige Flugzeugkonzepte (Regional-, Schmalrumpf- und mittelgroße Flugzeuge), Technologiepläne, Markt- und Wirtschaftsberichte sowie eine Nachhaltigkeitsbewertung. 

Airbus will bis 2035 Wasserstoff-Flugzeug rausbringen

Auch Airbus, einer der größten Flugzeughersteller der Welt, hat bereits Pläne für ein wasserstoffbetriebenes Flugzeug öffentlich gemacht. Bis 2035 will der europäische Flugzeugbauer ein marktreifes Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen. Um das Ziel des CO2-freien Fliegens auf diesem Weg tatsächlich zu erreichen, müssten alle Beteiligten "gemeinsam schnell sein", sagte Airbus-Chef Guillaume Faury im September. So müsse flüssiger Wasserstoff rechtzeitig in ausreichender Menge und zu einem passenden Preis an den richtigen Stellen zur Verfügung stehen. Und die Staaten müssten Regeln aufstellen, wie mit dem neuen Treibstoff in der Luftfahrt umzugehen sei.

Derzeit arbeitet Airbus Faury zufolge noch an den technischen Grundlagen. Dabei gehe es um viel Kopfarbeit und noch nicht so hohe Kosten. Die teure Entwicklung des neuen Flugzeugs selbst müsse 2027 oder 2028 beginnen, damit der Einsatz im Passagierverkehr ab 2035 gelingen könne.

Quellen:Pressemitteilung Aerospace Technology Institute, Handelsblatt, mit Material von dpa

nk

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