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Computerspiel "Die Sims 4": Spiel des Lebens

Von wegen Friede, Freude, Eierkuchen: "Die Sims 4" steht schon Wochen vor seiner Veröffentlichung in der Schusslinie. Zu Recht? Wir haben die Lebenssimulation ausführlich angespielt.

Von Benedikt Plass-Fleßenkämper und Olaf Bleich

Die Sims gehören zu den erfolgreichsten Computerspielfiguren aller Zeiten. Seit ihrem ersten Auftritt im Jahr 2000 verkaufte sich die Serie inzwischen mehr als 150 Millionen Mal – Tendenz weiter steigend. Doch am rosaroten "Sims"-Himmel zogen in den vergangenen Jahren düstere Wolken auf. Erst verscherzte es sich Entwickler Maxis bei der Spielergemeinde – aufgrund des gnadenlosen Online-Zwangs bei "Sim City". Dann starteten Fans sogar eine Online-Petition, weil Kleinkinder und Swimming-Pools in "Die Sims 4" – im Gegensatz zu "Die Sims 3" – fehlen. Dazu gesellen sich weitere 89 Funktionen, die ebenfalls den Sprung ins Spiel nicht geschafft haben. Ein denkbar schlechter Start für den vierten Ableger der Lebenssimulation, der am 4. September erscheint.

Eine Frage des Charakters

Dabei könnte das Leben der Computer-Menschen doch so schön und einfach sein. Maxis schraubt nämlich spürbar an der Zugänglichkeit, umständliche Schieberegler und Zahlenkolonnen gibt es bei der Erstellung eines Sims nicht mehr. Stattdessen greift der Spieler entweder direkt auf vorgefertigte Modelle zurück oder zupft seine Charaktere mit dem Mauszeiger zurecht. Ein wenig Ziehen hier, ein bisschen Drücken da – fertig ist der digitale Mensch mit langer Nase, hohen Wangenknochen und Schmollmund. Wie verrückt die eigenen Figuren letztlich aussehen, entscheidet jeder Spieler selbst. Vom Rockstar bis zum Alien mit Glubschaugen und grüner Haut ist alles möglich.

Viel spielentscheidender als das Aussehen sind für die Sims allerdings die Charaktereigenschaften. Sie bestimmen das Verhalten der simulierten Persönlichkeiten – und damit, wie diese in ihrer virtuellen Umwelt aufgenommen werden. Zu Beginn des Spiels wählt man aus 30 Merkmalen in den vier Kategorien "Emotional", "Hobby", "Lifestyle" und "Sozial". So erstellt man kurzentschlossen wahlweise wahnsinnige Geeks oder romantische Kreativköpfe. Diese Funktionen ersetzen die Lebenswünsche der Vorgänger und entscheiden, wie der Sim seinen Weg zum Glück findet. Natürlich kann man in "Die Sims 4" auch ganze Familien oder Geschwisterpärchen kreieren. Praktisch: Mithilfe der sogenannten Galerie tauschen Spieler ihre Bewohner miteinander aus und bringen frischen Wind in die Nachbarschaft.

Komm bau ein Haus

In "Die Sims 4" gibt es mit Willow Creek und Oasis Spring gleich zwei Ortschaften, in denen sich die Spielfiguren niederlassen. Ähnlich wie bei der Charaktererstellung haben Neuankömmlinge die Wahl, ob sie ein vorgefertigtes Haus kaufen oder selbst Zimmermann spielen. Der Hausbau funktioniert fast genauso simpel und intuitiv wie der Sims-Editor. Mit einfachen Instrumenten zieht man Wände auf dem zuvor gekauften Grundstück. Bereits fertig eingerichtete Räume platziert man einfach mit dem Mauszeiger und entfernt sie bei Nichtgefallen mit nur einem Tastendruck. Speziell das Setzen eines Dachs wurde nun vereinfacht. Hier zieht man ein paar Pfeile zurecht und erschafft so ein Flachdach oder gar ein Zwiebeltürmchen.

Trotzdem ist der Baumodus nicht über jeden Zweifel erhaben: So gibt es nur wenige freie Grundstücke. Vielspieler und Baumeister werden sich daher künstlich Platz schaffen und bestehende Gebäude abreißen müssen. Zudem entsteht bei "Die Sims 4" nicht das Gefühl einer großen, lebendigen Spielwelt: Innerhalb der Viertel gibt es zwar keinerlei Ladezeiten, macht man mit seinem Sim allerdings einen Ausflug in den Park oder in einen anderen Bereich der Stadt, stört eine kurze Ladepause den Spielfluss.

Arbeit, Partys – und kleine Dramen

"Die Sims 4" ist erneut das große Spiel der Emotionen. Und so verbringt man dann auch die meiste Zeit damit, seine Schützlinge bei Laune zu halten. Glücklicherweise sind die Sims inzwischen Multitasking-fähig, sodass man gleich mehrere Bedürfnisse auf einmal befriedigen kann.

Ein Sportler beispielsweise bekommt einen Energieschub, wenn er im Fitnessstudio trainiert und freut sich zugleich über nette Gespräche, während er auf dem Laufband schwitzt. Das Smartphone ist essenzieller Bestandteil der Kommunikation im Spiel: Mit Kurznachrichten überbrückt man Wartezeiten, mit Live-Events lädt man Bekannte und Freunde zu Partys ein. Letztere laufen in "Die Sims 4" als Minispiel ab. So erfreut man sich nicht nur an dem emsigen Treiben seiner Sims, sondern erledigt auch kleine Aufgaben wie "Teile an alle Gäste Drinks aus". Nur, wenn diese erfüllt wurden, gilt die Feier als Erfolg.

Generell ist die Interaktion der Sims untereinander ungeheuer unterhaltsam. Da wird gescherzt, geblödelt und geflirtet. Allzu holprige Anmachversuche enden nicht selten in einer Abfuhr, die einen emotional zerschmetterten Sim zurücklässt. Dieser versteckt sich dann unter seiner Bettdecke und will von der gesamten Welt nichts mehr wissen. Fast wie im realen Leben!

Fazit: Ein Herz für Sims

Auch wenn die ganz großen "Sims"-Fans Funktionen der Vorgänger vermissen: "Die Sims 4" ist ein großer Spaß! Durch den serientypischen Humor und die vielen versteckten Witze ist selbst der biedere Alltag in der Lebenssimulation pure Unterhaltung. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob "Die Sims 4" den enormen Erwartungen seiner Community standhalten kann und ob es auch langfristig motiviert. Die ersten Stunden im "Sims"-Getümmel waren jedenfalls ziemlich vielversprechend.

Die Sims 4

Termin:04. September 2014
Hersteller/Vertrieb:Maxis / Electronic Arts
Genre:Lebenssimulation
Plattform:PC
Preis:55 Euro
Altersfreigabe:Ab 6 Jahren
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