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BDXL-Standard: Blu-ray braucht schon einen Nachfolger

Bevor sich der Standard, der die DVD ablösen sollte, überhaupt durchgesetzt hat, tüftelt die Industrie schon einen Neuen aus. Die Entwickler hegen allerdings kaum Hoffnung auf Privatkunden - sie zielen stattdessen auf Firmen.

Von Nikolaus Hammerschmidt

Noch bevor sich Blu-ray-Discs überhaupt etabliert haben, drängen Hersteller bereits mit einem möglichen Nachfolge-Format auf den Markt: BDXL. Nach Panasonic und Sharp hat auch Sony damit begonnen, entsprechende Rohlinge zu verkaufen. Bisher beschränkt sich der Vertrieb allerdings auf Japan. In absehbarer Zeit könnten die Hersteller auch auf den europäischen Markt drängen. "Wir wollen nach Europa, einen genauen Termin haben wir aber noch nicht", sagte Sony-Manager Akira Shimazu am Freitag auf der Ifa in Berlin.

Die frühe Einführung des BDXL-Formats birgt hohe Risiken. Der Verkauf könnte ähnlich wie nach der Premiere der Blu-ray nur schleppend anlaufen. Nach Angaben des Bundesverbands für audiovisuelle Medien wurden 2009 in Deutschland 106 Millionen DVDs verkauft - aber nur sechs Millionen Blu-rays. Immerhin vervierfachte sich der Verkauf der Blu-rays damit im Vergleich zu 2008.

BDXL ist eine Erweiterung der Blu-ray und wurde im vergangenen April von der Blu-ray-Disc-Association vorgestellt. Mit einer Kapazität bis zu 128 Gigabyte können die neuen Scheiben mehr als doppelt so viel digitale Inhalte speichern wie herkömmliche Blu-rays. Privatkunden werden sich wohl eher wenig für BDXL interessieren, denn die Rohlinge sind teuer und nur einmal beschreibbar.

Der Preis liegt bei ungefähr 45 Euro pro Scheibe. Zudem müssen sich Nutzer Abspielgeräte, Brenner und Laufwerke kaufen, die das neue Format unterstützen - in herkömmlichen Blu-ray-Geräten funktionieren BDXL-Rohlinge nicht. Einziger Trost: BDXL-Player sind abwärts kompatibel und spielen daher auch die herkömmlichen Blu-rays ab.

Bei Firmenkunden hingegen könnte das neue Format besser ankommen. "Dank der großen Speicherkapazität eignet sich BDXL besonders gut für B2B-Lösungen", sagte Sony-Manager Shimazu. Das Format biete sich vor allem für Unternehmen an, die große Datenmengen archivieren müssten, zum Beispiel Rundfunkanstalten und medizinische Einrichtungen.

Laut einer Studie des weltweit führenden Herstellers von DVD- und Blu-ray-Systemen, Primera Technology, wählte ein Drittel der befragten IT-Fachleuten die Blu-ray zum bevorzugten Speichermedium für langfristige Archivierung - noch vor der Festplatte mit 26 Prozent, der DVD mit 18 Prozent und der Online-Datensicherung mit 16 Prozent.

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FTD