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Hoher Energieverbrauch Nach stundenlangen Stromausfällen: Iran verbietet Mining von Kryptowährung

Vergoldete Bitcoin-Souvenir-Münzen
Hunderte Millionen US-Dollar soll der von Sanktionen hart getroffene Iran mit Kryptowährung verdient haben
© Justin Tallis / AFP
Das Abbauen – "Mining" – von Kryptowährung wie Bitcoin ist ein Millionengeschäft, auch und vor allem im Iran. Weil die Prozedur jedoch enorm viel Strom benötigt, soll sie mitverantwortlich für die zuletzt stundenlangen Stromausfälle sein. Die Konsequenz: ein viermonatiges Verbot.

Die iranische Regierung verbietet für vier Monate das Mining von Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Grund hierfür seien zahlreiche Stromausfälle, für die Regierungsbeamte vor allem illegale Miner verantwortlich machen.  

Miner verwenden speziell angefertigte Computer, um komplexe mathematische Gleichungen zu lösen, wofür sie letztlich mit Kryptowährung belohnt werden. Dieser Prozess kostet allerdings enorm viel Strom.

Bitcoin- statt Hauskauf

Medienberichten zufolge sind sich Experten uneinig, ob das Mining digitaler Währungen wirklich die Hauptursache für Stromausfälle in Irans Großstädten war. Laut "BBC" beteuerte Präsident Hassan Rohani bei einer Kabinettssitzung zwar, dass die andauernde Dürre die Stromerzeugung durch Wasserkraft beeinträchtigt habe. Mitschuld sei aber auch Kyrpto-Mining, das täglich mehr als zwei Gigawatt Strom verbrauche. Die meisten dieser Einrichtungen seien illegal oder nicht wie vorgeschrieben staatlich lizenziert.

Für den Iran hat das Geschäft mit Kryptowährungen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die iranische Wirtschaft hat unter dem einseitigen Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen, harten Sanktionen und sinkenden Ölexporten enorm gelitten. Der "Financial Times" zufolge investierten viele Iraner in den vergangenen Monaten in Kryptowährung. Damit hätten sie ihre Ersparnisse angesichts hoher Inflation und stagnierender Immobilienpreise absichern wollen. Schätzungsweise 4,5 Prozent des weltweiten Minings finde mittlerweile im Iran statt.

Bitcoins

Mining-Einrichtungen wehrten sich mit Waffengewalt

Das Verbot soll bis zum 22. September gelten. Laut "BBC" erklärte die nationale Elektrizitätsgesellschaft am Samstag, dass staatlich lizenzierte Mining-Einrichtungen ihren Betrieb bereits freiwillig eingestellt hatten. Das gilt offenbar nicht für alle Betriebe. Einem Bericht der "Financial Times" nach hatte das Energieministerium letzte Woche einen Mining-Betrieb abschalten wollen – die Beamten seien mit Schüssen empfangen worden.

Ohnehin seien die nicht lizenzierten Einrichtungen das eigentliche Problem. Rohani erklärte, dass 85 Prozent der Mining-Betriebe im Land nicht wie vorgeschrieben lizenziert seien, jedoch bis zu siebenmal mehr Strom verbrauchten. "CNBC" zufolge beschlagnahmte die iranische Polizei im Januar fast 50.000 Mining-Maschinen, die den für die lizenzierte Mining-Industrie subventionierten Strom illegal anzapfte.

Kryptowährungen als Staats-Geschäft

Laut dem Analyseunternehmen "Elliptic" hat die Regierung Mining 2019 offiziell anerkannt und ein Lizenzierungssystem eingeführt: Miner hätten sich identifizieren, einen höheren Stromtarif zahlen und ihre gesammelte Kryptowährung an die iranische Zentralbank verkaufen müssen. Dadurch wollte der wirtschaftlich isolierte Staat die harten Sanktionen umgehen – die digitale Währung könne theoretisch zum Kauf von Importgütern verwendet werden.

Dieser Plan ging laut "Financial Times" jedoch nicht auf: Denn auch bei der Bezahlung mit Kryptowährung würden Transaktionsdetails aufgezeichnet. 2018 habe das US-Finanzministerium zwei digitale Währungsadressen identifiziert und sie mit zwei iranischen Geschäftsmännern in Verbindung gebracht. Diese hätten versucht, Bitcoin in iranische Rial umzutauschen.

Trotzdem hätten ausländische Geldgeber in Irans Mining-Industrie investiert – allen voran China. Aber auch polnische, indische und türkische Unternehmen seien berechtigt worden, Bitcoin im Iran "abzubauen", habe Majid-Reza Hariri, Leiter der iranisch-chinesischen Handelskammer, am Dienstag gegenüber lokalen Nachrichtenagenturen erklärt.

Quellen: "Financial Times"; "BBC"; "Elliptic"; "CNBC"


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