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Nokia-"Backstein" Norwegerin bleibt ihrem ersten Handy treu – und das seit 18 Jahren

Alte Handys stehen in einem Schaufenster eines Geschäfts
Auslaufmodelle: Alte Handys stehen in einem Schaufenster eines Geschäfts
© Jaap Arriens/ / Picture Alliance
18 Jahre lang ein und dasselbe Handy benutzen? Das geht. Beate Palmesen aus Norwegen nutzt ihr altes Nokia-Handy seit 2002. Und es funktioniert bis heute. Eine Psychologin erklärt, warum ein so ein alter "Backstein" auch gut für uns sein kann.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Handy? Bei vielen konnte man damit wahrscheinlich nur zwei Dinge tun: Telefonieren und SMS versenden. Kein Internet oder Touchscreen, bei älteren Modellen nicht mal ein Farbdisplay. Und der einzige Ton, den die Geräte von sich geben konnten, war ein Piepsen. Klingeltöne im "Sparabo" kamen erst später.

Viele von diesen "Relikten" des mobilen Telefonierens sind inzwischen entsorgt. Elektroschrott. Nicht so bei Beate Palmesen aus Norwegen! Die 30-Jährige besitzt tatsächlich ein Handy aus den 2000ern – und benutzt es noch.

Vor 18 Jahren fand die damals zwölf Jahre alte Beate das Handy unter dem Weihnachtsbaum: ein nigelnagelneues Nokia 3510. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das noch zu den neuesten Handys, die man auf dem Markt bekommen konnte. Zur Erinnerung: In diesem Jahr herrschte in Deutschland das "Jahrhunderthochwasser", Gerhard Schröder war Kanzler und die Nationalelf verlor bei der Fußball-WM im Finale gegen Brasilien. 

Ein Handy als Lebensbegleiter

"Seitdem ist es mein Handy und es hat mich durch das Leben begleitet. Fast zwei Drittel meines Lebens, und es ist total krass zu denken, dass es so lange gehalten hat", zitiert sie der norwegische Rundfunk NRK.

Auf dem bei vielen als "Knochen" oder "Backstein" verschrienen alten Handy hat sie keine der Annehmlichkeiten (oder Nachteile, das liegt im Auge des Betrachters), die ein heutiges Smartphone hat: Straßenkarten, Internet, soziale Netzwerke, Kamera und die schiere Endlosigkeit an Apps zum Herunterladen.

Beate Palmesen selbst hat ihr Retro-Handy immer auf lautlos – aber erst seitdem es moderne Mobiltelefone gibt: "Ich habe mein Handy seit dem Erscheinen des Smartphones ständig stumm geschaltet." Die polyphonen Klingeltöne seien nicht mehr so beliebt.

Ganz ohne neue Technik geht es doch nicht

Auf Instagram teilt die Norwegerin Fotos und Erinnerungen an ihr geliebtes Nokia-Handy. "Jetzt hat es in drei verschiedenen Jahrzehnten gelebt, sowohl Schweinegrippe als auch Vogelgrippe und jetzt Corona erlebt!" Mehr als 737 Stunden hat sie damit telefoniert – das ist ungefähr ein ganzer Monat. Die älteste Nachricht stammt aus dem Jahr 2003. Dass sie das Handy nicht gegen ein neueres Modell getauscht hat, liege daran, dass es für sie einen sehr großen emotionalen Wert habe.

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Doch, Moment! Wie kann Beate auf Instagram unterwegs sein, wenn sie kein Smartphone hat? Ganz ohne neumodische Technik geht es dann doch nicht. Vor drei Jahren kaufte sie sich einen iPod, um Instagram zu nutzen und Musik zu hören – und das funktioniert auch nur über WLAN, wie sie NRK gesteht. "Ich musste ein wenig schummeln." Wenn ihr altes Nokia dann eines "natürlichen Todes" sterbe, sei ein Smartphone eine verlockende Alternative.

Ein altes Handy ist gut für die Psyche – und als Partygag

Beate ist glücklich mit ihrem alten "Backstein". Und auch Psychologin Carina Carl ist der Meinung, dass ein Handy ohne technischen Schnickschnack gut für uns sein kann. "Wenn Sie keinen Zugriff auf Soziale Medien und Internet auf Mobilgeräten haben, werden die Auswahlmöglichkeiten geringer. Viele erleben dann ein höheres Maß an Präsenz, wo sie sich befinden, und sind weniger in Kontakt mit dem, was 'alle anderen' tun", sagt sie NRK. Ein altes Handy könne zu mehr Ruhe und Frieden im Leben führen.

Das hänge auch mit dem sozialen Phänomen "FOMO" zusammen – fear of missing out, also die Angst, etwas zu verpassen. Carl erklärt: "Man ist weniger dem ausgesetzt, was man verpasst, womit man sich selbst evaluieren und von außen betrachten kann."

Beate Palmesens Handy hat aber auch noch etwas, was sie anderen Smartphonebesitzern voraushat: "Mein Partytrick in den letzten Jahren war es, das Handy herauszuholen, was die Leute nostalgisch werden lässt und an ihre Jugend zurückerinnert." Noch ein Vorteil: Sie müsse ihr Handy nur zwei Mal in der Woche aufladen. Aber: "Wir werden sehen, ob es 19 Jahre alt wird oder ob 2021 das Jahr sein wird, in dem es tatsächlich ersetzt werden muss", so die stolze Handybesitzerin.

rw

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