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Informationskrieg: Insiderin kritisiert: "Facebook verdient daran, Lügen zu verbreiten"

Sie war CIA-Agentin, Beraterin des Weißen Hauses und dann bei Facebook für politische Werbung zuständig. Nun rechnet Yaël Eisenstat mit Mark Zuckerbergs Sozialem Netzwerk ab.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

AFP

Gestartet als nettes Freunde-Netzwerk, gilt Facebook seinen Kritikern heute als zentrale Plattform zur Manipulation der öffentlichen Meinung. Bei einer Anhörung im US-Kongress musste sich Mark Zuckerberg sogar kürzlich vorwerfen lassen, er stelle Politikern eine "Lizenz zum Lügen" aus – weil politische Anzeigen unabhängig vom Wahrheitsgehalt auf Facebook geschaltet werden können.

Zu diesem Thema hat sich nun auch eine Frau zu Wort gemeldet, die sich im Krieg der Informationen bestens auskennt. Yaël Eisenstat arbeitete 18 Jahre lang als CIA-Agentin und war Berater von Ex-Vize-Präsident Joe Biden. Mitte 2018 heuerte sie als "Head of Global Elections Inegrity Ops" bei Facebook an, um das Geschäft mit Wahlwerbung in moralische Bahnen zu lenken. Ein halbes Jahr später warf sie entnervt das Handtuch. In einem Gastbeitrag in der "Washington Post" rechnet sie nun mit ihrem Ex-Arbeitgeber ab. Sie habe Facebook helfen wollen, seine Rolle im politischen Prozess zu durchdenken und verhindern wollen, dass das Netzwerk die Demokratie beschädigt. Dabei stieß sie innerhalb von Zuckerbergs Organisation aber offenbar auf taube Ohren.

"Das wahre Problem ist, dass Facebook teilweise daran verdient, Lügen zu verbreiten und gefährliche Targeting-Tools zu verkaufen, die es politischen Akteuren erlauben, den Krieg der Informationen auf ein neues Level zu heben", schreibt Eisenstat. "So lange, wie Facebook Profite über einen gesunden Diskurs stellt, kann es nicht vermeiden, die Demokratie zu beschädigen."

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Freibrief für politische Lügen

Konkret kritisiert Eisenstat, dass Facebook bei bezahlten Anzeigen wesentlich großzügiger mit Falschinformationen umgehe, als bei den Posts der User. Während für User-Posts ein Prozedere existiert, um gezielte Falschinformationen ausfindig zu machen, würden bezahlte Anzeigen – die genauso in den Newsfeeds auftauchten – ohne jegliche Wahrheitschecks veröffentlicht. An den Gegenmaßnahmen, die Eisenstats Team entwickelt habe, hätten die oberen Managementebenen bei Facebook wenig Interesse gezeigt. "Da ich den Job, für den ich angeheuert wurde, nicht tun konnte, bin ich nach sechs Monaten wieder gegangen", schreibt sie. Die Vorschläge seien bis heute nicht aufgegriffen worden, denn Facebook erlaube Politikern immer noch, in Anzeigen zu lügen.

Facebook versuche zwar, sich transparenter zu geben. Tatsächlich könne niemand nachvollziehen, welche technischen Hebel jemand nutzt, um bestimmte Gruppen bei Facebook gezielt anzusprechen beziehungsweise zu manipulieren. Hier müsse Facebook transparenter werden, um gegen den Missbrauch der Plattform für die Manipulation von Wahlen zu wirken.

Eisenstat Fazit lautet: Unternehmen wie Facebook sollten nicht daran verdienen, Politikern die Mittel zur Verfügung zu stellen, uns im Krieg der Informationen mit Falschinformationen zu beschießen.

bak