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Facebook-Seite "Gegen Rockmusik": "Jesus liebt dich, solange du keine Rockmusik hörst"

Ein Teil seiner Leser versteht's nicht, ein weiterer versucht ihm zu erklären, was Satire alles darf und was nicht: Mit seiner Facebook-Seite "Gegen Rockmusik" provoziert aktuell ein Düsseldorfer, der eigentlich nur will, "dass die Leute mal ein bisschen nachdenken". 

Selfie-Ausschnitt Daniel H. und Screenshot seine Facebook-Seite

Der 45-jährige Düsseldorfer Daniel H., Gründer der Facebook-Seite "Gegen Rockmusik", möchte im Moment noch anonym bleiben. Heile-Welt-Bilder und steile Thesen sind der Zündstoff, der seine Kommentatoren überkochen lässt.

Damit hat Daniel H. nicht gerechnet. Vor einer guten Woche hat er die Facebook-Seite "Gegen Rockmusik – zum Schutz unserer Kinder und Kultur" erstellt und inzwischen fast 10.000 Fans. Der 45-jährige Düsseldorfer hat keine Ahnung, wieso die User so durchdrehen. 300 private Nachrichten erhält er täglich über den Messenger, zwei Millionen Seitenaufrufe hat er inzwischen und zig Menschen haben kommentiert, geliked und vor allen Dingen abgekotzt. "Da komme ich gar nicht mehr hinterher, das alles zu lesen", sagt Daniel, der erstmal noch anonym bleiben möchte, dem stern

In der Beschreibung von "Gegen Rockmusik" heißt es: "Rockmusik ist Teufelswerk, führt zur Verrohung der Seele, zu Gewalt und Kriminalität. Lasst uns gemeinsam dagegen ankämpfen! In jugendgerechter Sprache". Doch handelt es sich dabei nicht um Propaganda für die AfD, sondern um ziemlich gut getarnte Satire. Zu gut getarnt für viele Leser, verrät ein Blick in die Kommentare, denn es wird sich richtig aufgeregt. Unter dem Posting "Jesus liebt dich ... solange du keine Rockmusik hörst!", echauffiert sich etwa ein User: "Ich finde es als Gläubiger Christ unglaublich asozial das sie für ihre lächerlichen Anti-Rock Parolen den Namen Jesu nutzen. Jesus liebt alle Menschen! Daher bitte ich sie inständig mal das neue Testament zu lesen..." [sic]. 867 User geben ihm bislang Recht. 

Auf die Frage, wie er auf die Idee für seine Seite gekommen ist, antwortet Daniel: "Das ist ja nicht die erste Satireseite, die es bei Facebook gibt. Der 'Postillon' ist da zum Beispiel sehr bekannt, aber es gibt auch Seiten wie 'Tattoofrei', 'Gegen Kinder' oder 'Gegen Hunde', die alle nach dem Prinzip funktionieren, dass die Leute sich sofort aufregen." Und tatsächlich sitzt im Moment noch der überwiegende Teil der Kommentatoren den Provokationen auf. Sie können kaum fassen, was da im Namen des Herrn für ein Unfug getrieben wird.

Die Reizthemen: Rock und Religion

Daniel wollte sich Themen vorknöpfen, bei denen er sich gut auskennt. Einerseits Punk- und Rockmusik-Fan, andererseits geprägt durch sein christlich-orthodoxes Elternhaus, dachte er, das ist eine Mischung, über die man was machen kann. Dabei ging es Daniel nicht darum, "das Christentum zu verballhornen, das hat sich einfach so von selbst ergeben". Er hat keine Rechnung offen in puncto Religion, er will einfach nur spielen – mit ziemlich heißen Eisen: "Ich will mich gar nicht persönlich darüber lustig machen. Ich mache das, um die Leute zum Nachdenken zu bringen, damit sie mal hinterfragen, was sie alles so von sich geben."

Was seine Rechte und Pflichten bei Facebook angeht, hofft er, alles richtig zu machen. "Ich weiß gar nicht, was ich darf und was nicht", bekennt er. "Was ich zum Beispiel an Bildern aus dem Netz nehmen darf, habe ich nachgelesen. Da hieß es, wenn man die Bilder satirisch verändert, darf man sie verwenden." Wenn das mal stimmt.

Alles noch geheim

Auch wenn der plötzlich ausgebrochene Stress ganz schön anstregend ist, macht Daniel die Seite Spaß. Er hat im Moment die Zeit, sich dort auszutoben und darauf einzulassen – schafft es aber trotzdem nicht, jeden einzelnen Kommentar zu lesen. Was sagen seine Freunde zu dem Satire-Hit, den er geschaffen hat? "Weiß noch gar keiner. Habe ich keinem erzählt", sagt Daniel. Mal sehen, wie lange er das noch durchhält.

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