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Inkognito-Modus nützt nichts: Facebook und Google verfolgen uns überall: Man kann nicht einmal unbeobachtet Pornos schauen

Die Werbe-Industrie verfolgt uns durch das gesamte Internet. Forscher haben nun 22.000 Pornoseiten untersucht – und dort auch Google und Facebook gefunden. Sogar dann, wenn man den Browser auf anonym geschaltet hat.

Im Inkognito-Modus wähnt man sich sicher, doch auch hier trifft man auf Facebook und Google.

Im Inkognito-Modus wähnt man sich sicher, doch auch hier trifft man auf Facebook und Google.

Getty Images

Nur, weil es nichts kostet, ist es nicht umsonst. Das gilt vor allem im Internet: Einige Konzerne, ja ganze Branchen, leben gut davon, die Nutzer mit Gratis-Diensten anzulocken und im Gegenzug möglichst viel über sie zu erfahren. Das Anhäufen und systematische Auswerten von Daten ist das Geschäftsmodell von werbebasierten Konzernen wie Google und Facebook. Damit das Anzeigengeschäft brummt, wird jeder Klick, jeder Kauf und jeder Kommentar analysiert. Einer Untersuchung zufolge werten Google und Facebook jeweils ein Viertel des weltweiten Datenverkehrs im Internet aus.

Und wie nun bekannt wurde, ist man nicht einmal auf Pornoseiten vor ihnen sicher. Nein, nicht einmal wenn Sie den Inkognito- oder Privat-Modus starten.

9 von 10 Pornoseiten geben Daten weiter

Forscher der Carnegie Mellon University, der University of Pennsylvania und von Microsoft haben 22.484 Pornoseiten auf sogenannte Tracking-Tools untersucht, das sind kleine Programme, die jede ihrer Aktionen auswerten und diese Daten an Drittanbieter weiterreichen. Die überraschende Erkenntnis: 93 Prozent der Seiten hatten solche Tools installiert.

Der Studie zufolge habe Google in 74 Prozent der Fälle Tracker hinterlassen, Oracle in 24 Prozent. Facebook ist bei immerhin zehn Prozent der untersuchten Webseiten vertreten, dabei ist das Unternehmen eigentlich für seine prüde Unternehmenspolitik bekannt. Auf seinem eigenen Portal duldet Facebook nicht einmal das Bild einer stillenden Mutter.

Die Daten sind extrem sensibel

Das Einschalten des privaten Surfmodus, den viele Browser anbieten und der eine gewisse Anonymität verspricht, machte dabei kaum einen Unterschied. Denn die Tracker können die Nutzer anhand eindeutiger Merkmale wie der IP-Adresse oder der Identifikationsnummer des Geräts zuordnen.

Die Ergebnisse sind auch in anderer Hinsicht schockierend: Lediglich 17 Prozent der Pornoseiten waren verschlüsselt, zudem hatten nur 17 Prozent überhaupt eine Datenschutzerklärung. Das ist heikel, wenn man bedenkt, dass es sich hier um extrem sensible Nutzerdaten handelt. "Die Pornoseiten sollten mehr darüber nachdenken, wie sie mit den Daten umgehen, denn diese sind ähnlich sensibel wie Gesundheitsinformationen", sagte Hauptautorin Elena Maris der "New York Times", die zuerst über den Fall berichtete.

Das sagen Google und Facebook

Was die Unternehmen mit den auf Pornoportalen gesammelten Daten anstellen, ist nicht bekannt. Oracle, einer der größten Anbieter von personalisierten Nutzerprofilen, äußerte sich gegenüber der "New York Times" nicht. Google erklärte auf Nachfrage, die Daten nicht zu verwenden. Generell sei keine Google-Werbung auf Webseiten mit Inhalten für Erwachsene gestattet. "Personalisierte Werbung und Werbeprofile, die auf den sexuellen Interessen eines Nutzers oder damit verbundenen Aktivitäten im Internet basieren" seien verboten, erklärte das Unternehmen. Ähnlich äußerte sich Facebook.

Doch selbst wenn die Firmen die Daten wirklich nicht verwenden, kann über Umwege einiges preisgegeben werden. Der Untersuchung zufolge erkennt man bei 45 Prozent der untersuchten URLs, welche Inhalte auf der besuchten Webseite angeboten werden. Anhand der in der Webadresse verwendeten Schlagwörter erfährt man etwa aus Server-Logs mehr über die sexuellen Vorlieben der Nutzer, als denen wohl bewusst ist. Da Google mit Chrome den populärsten Browser der Welt anbietet, landen die Daten auch auf diesem Weg in Mountain View.

"Das ist viel persönlicher“

Ein grundsätzliches Problem sei die Tatsache, dass Pornoseiten ähnliche Tracking-Methoden nutzen wie etwa der Onlinehandel, erklärte eine der Forscherinnen der "New York Times“. "Da wählt man nicht nur einen Pullover aus und sieht dabei zu, wie er einen durch das gesamte Netz verfolgt. Das ist viel persönlicher."

"Daten ermöglichen sehr intime Einblicke in die Psyche von Menschen", erklärte die Netzaktivistin Katharina Nocun im Gespräch mit dem stern. "Bei einigen Bereichen würde ich mir wünschen, dass grundsätzlich nie Daten erhoben werden. Auf Seiten, die sich mit sensiblen Themen wie Krankheiten, Sexualität oder Religionen auseinandersetzen, sollte kein personalisiertes Werbe-Tracking erlaubt sein." Denn man könne sich niemals hundertprozentig sicher sein, dass die gesammelten Daten nur für den geplanten Zweck genutzt werden und da bleiben, wo sie sollten. Das gesamte Interview mit Katharina Nocun können Sie hier nachlesen.

Quellen: Die Studie zum Nachlesen, New York Times,

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