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Neue Kampagne Facebook will uns überzeugen, seine Überwachung zu lieben

Neue Kampagne: Daumen hoch für Werbe-Überwachung - das ist der Kern der neuen Facebook-Kampagne
Daumen hoch für Werbe-Überwachung - das ist der Kern der neuen Facebook-Kampagne
Mit einer neuen Kampagne will uns Facebook überzeugen, dass es zu unserem Besten ist, sich von dem Konzern überall tracken zu lassen. Dahinter steckt eine kaum verhohlene Angst.

Menschen, die Produkte zeigen, die sie wirklich sehen wollen - das ist Facebooks Versprechen an seine Nutzer und an die Werbekunden. Doch dieses Geschäftsmodell ist in Gefahr: Apple will die Überwachung in seinem Betriebssystem iOS deutlich schwerer machen. Eine neue Kampagne soll die Facebook-Nutzer nun überzeugen, dass das nicht in ihrem Interesse ist. Und sie sich lieber tracken lassen sollten.

"Lasst uns darüber sprechen, warum personalisierte Werbung wichtig ist", das ist der Titel eines Blogposts, mit dem Facebook seine neue Kampagne inklusive Ohrwurm-Song anstößt. Jeden Tag würden Nutzer von Instagram und Facebook neue Dinge entdecken, von spaßigen bis zu lebensverändernden, heißt es da. Möglich sei das, weil die Werbung personalisiert ist. Das sei die "nicht so geheime Formel", die es ermögliche, immer neue Produkte und Dienste zu finden, die genau den eigenen Bedürfnissen entsprächen. Was Facebook nicht sagt, ist, was dahinter steckt:Die Beobachtung des Kunden bei jedem seiner Schritte.

Ohrwürmer für die Überwachung

Stattdessen konzentriert man sich lieber auf die Vorteile. Erst durch die Personalisierung sei es möglich, die vielen tollen Ideen entdecken zu können, die sich kleine Unternehmen ausdenken, so der Konzern. Es gebe "tiefgreifende Verbindungen" zwischen Firmen und Nutzern. "Ideen verdienen es, gefunden zu werden", tüdelt der Song im schick gemachten Werbeclip zur Kampagne vor sich hin. Im Post stößt Facebook in dasselbe Horn. Eine fehlende Personalisierung würde vor allem kleinen Firmen schaden. Und die seien doch gerade ohnehin besonders schwer getroffen, drückt Facebook auf die Tränendrüse. Die klare Nachricht: Wer keine personalisierte Werbung möchte, schadet nicht nur sich selbst, sondern auch den schwerarbeitenden Kleinstunternehmen.

Das, worum es dem Konzern letztlich geht, kommt weder in dem Post noch in dem Song vor. Die viel gepriesene personalisierte Werbung ist nur möglich, wenn der Konzern genau vorhersagen kann, was die Kunden wollen. Dafür muss er sie besser kennen als sie sich selbst. Das geht nur, wenn alle Daten gesammelt werden, die zu bekommen sind. Überwachungs-Kapitalismus nennt das die Facebook-Kritikerin Shoshana Zuboff.

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Apple will weniger Tracking

Genau dagegen will Apple nun vorgehen. Mit seinem kommenden iOS-Update müssen Nutzer explizit zustimmen, einzelnen Apps Zugriff auf Apples Werbeschnittstelle zu geben. Zudem müssen Apps ausführlich darstellen, welche Daten sie genau über die Nutzer abrufen wollen. Bei Facebooks Apps ist diese Liste lang. Kein Wunder, dass die Werbebranche und Facebook fürchten, dass die Nutzer die Zustimmung lieber nicht geben. 

Wie groß die Angst ist, ließ sich bei der Vorstellung des aktuellen Quartalsberichts von Facebook beobachten. Gründer Mark Zuckerberg erklärte dort quasi offiziell Apple zum Feind. Obwohl der Konzern anders als Facebook keine Werbung, sondern in erster Linie Hardware verkauft, sehe man den Konzern "zunehmend als einen der wichtigsten Konkurrenten", erklärte Zuckerberg in einem Call mit den Investoren. Weil Apple angeblich seine Marktmacht ausnutze, um seine eigenen Apps zu bevorzugen, will Facebook sogar gegen den Konkurrenten klagen, heißt es aus Berichten.

Tatsächlich dürfte es Facebook vor allem um eines gehen: Die iPhone-Nutzer gelten als eine der wertvollsten Zielgruppen, in den USA beträgt der Apple-Anteil bei den Smartphone-Nutzern über 60 Prozent. Fast 7 Prozent seiner Einnahmen könnte der Konzern durch Apples Änderung verlieren, berechnete Experte Eric Seufert. Nimmt man den gerade angegebenen Umsatz von 28 Milliarden Dollar aus dem letzten Quartal als Grundlage, wäre das ein Verlust von zwei Milliarden Dollar – für nur ein Quartal.

Quellen:Facebook, Mobile Dev Memo


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