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4,5 Milliarden US-Dollar Putins geheimer Milliardenschatz: Villen, Jachten und Firmen in geleakten Daten entdeckt

Wladimir Putin
Der russische Präsident Wladimir Putin soll offiziell rund 114.000 Euro im Jahr verdienen, drei Autos, einen Anhänger und eine kleine Wohnung besitzen – sagt der Kreml.
© Evgeny Biyatov/Pool Sputnik Kremlin / DPA
Offiziell ist der russische Präsident Wladimir Putin ein bescheidener Mann. Journalisten wollen nun einen Knotenpunkt entdeckt haben, an dem Vermögenswerte in Milliardenhöhe zusammenlaufen – und Putin als Begünstigten nahelegen. Der Kreml dementiert.

Das wahre Vermögen des russischen Präsidenten ist seit Jahren ein Rätsel. Während sich seine engsten Vertrauten wie Alexei Mordaschow oder Alischer Usmanow relativ offen mit ihrem angehäuften Luxus zeigen, hält sich Wladimir Putin bedeckt. Schon bei dem kleinstem Verdacht, etwas könne ihm gehören, melden sich oft Freunde, Verwandte und Bekannte, die Vermögenswerte öffentlich für sich beanspruchen. So stellt es sich als nahezu unmöglich heraus, Besitztümer wie die Mega-Jacht "Scheherazade" oder den gigantischen Palast am schwarzen Meer trotz aller Hinweise zweifelsfrei mit ihm in Verbindung zu bringen.

Ein seltener Erfolg

Es ist daher als seltener Erfolg zu verbuchen, dass es Journalisten des Recherchenetzwerks "Organized Crime and Corruption Reporting Project" ("OCCRP") gelungen ist, eine Gemeinsamkeit vieler verschiedener Luxusgüter aufzudecken, die zumindest nahelegt, dass es zwischen den Jachten, Villen, Konten und Fahrzeugen einen Zusammenhang gibt – die Internet-Domain "LLCInvest.ru" und deren Serverdaten.

Über diese (öffentlich nicht erreichbare) Internet-Adresse und deren Postfächer sollen demnach zahlreiche Objekte gesteuert werden. Beispielsweise auch der eingangs erwähnte Milliarden-Palast, für den sich Arkadi Rotenberg als Eigentümer identifiziert hat, nachdem Gerüchte aufkamen, es handele sich um den Palast von Putin höchstselbst. Insgesamt, meldet das "OCCRP", habe man 86 verschiedene Firmen und Organisationen gefunden, die Vermögenswerte mit einem Gesamtwert von mindestens 4,5 Milliarden US-Dollar verwalten.Stiftung Banner Aufruf UKRAINE Special

In einer umfangreichen Analyse geleakter Daten, die den Journalisten im vergangenen Jahr zugespielt worden ist, ergab sich das Bild einer verwaltungsähnlichen Struktur hinter der Firma, die als solche in Russland allerdings nicht offiziell angemeldet ist. Dennoch nutzten Geschäftsführer, Begünstigte und Oligarchen E-Mail-Postfächer dieser Domain, um sich über diverse Projekte auszutauschen, tatsächlich auch operative Entscheidungen zu treffen.

Zentrale Stelle für individuellen Besitz

Die Entdeckung dieser gemeinsamen Infrastruktur ist deshalb so kurios, da die dort gemanagten Objekte offiziell zahlreiche unterschiedliche Eigner haben, eigentlich also nichts miteinander zu tun haben. Darunter befinden sich zum Beispiel Konten von Non-Profit-Organisationen mit Hunderten Millionen US-Dollar, eine Villa in der Nähe von Sankt Petersburg, ein Wintersport-Ressort, die Fluggesellschaft Russair und ein Ferienhaus nahe der Grenze zu Finnland. Eine Art gemeinschaftliche Kasse macht eigentlich nur dann Sinn, wenn es einen gemeinsamen Eigentümer gibt.

Einige Namen der offiziell Begünstigten, Gründer:innen oder Nutzenden lassen ebenfalls darauf schließen, dass ein gemeinsamer Nenner wahrscheinlich ist. Genannt werden unter anderem Gennadi Timtschenko, Sergei Rudnow, Sergei Roldugin, Juri Kowaltschuk sowie eine frühere mutmaßliche Geliebte Putins und eine seine Töchter – allesamt Personen, die dem Kreml-Chef seit Jahrzehnten nahe sind, nachweislich mit ihm in Verbindung stehen. Ebenso das verwaltete Eigentum der "LLCInvest": Die erwähnten Häuser oder Schiffe werden Putin immer wieder zugerechnet, eindeutige Belege blieben immerzu auf der Strecke.

Eine Bank steht im Mittelpunkt

LLCInvest ist hingegen kein neuer Name, bislang konnte man damit aber nicht viel anfangen. So tauchte die Firma bereits in den Unterlagen zur Villa am Schwarzen Meer auf und auch im Zusammenhang mit einer Luxus-Jacht namens "Schellest 46Steel" soll er genannt worden sein.

Als weiteren Knotenpunkt identifizierten die Journalisten zudem die Bank Rossiya, deren Angestellte häufig als Geschäftsführer von Firmen im LLCInvest-Netzwerk agieren. Das oftmals als "Putin Bank" bezeichnete Geldhaus gehört unter anderem Juri Kowaltschuk, einem langjährigen Vertrauten Putins, und ist zudem Eigner der Firma, welche die besagte Domain "LLCInvest.ru" bereitstellt.

Ein ehemaliger Beamter der US-Finanzbehörde, der im Office of Foreign Assets Control, einer Kontrollbehörde des Finanzministeriums für ausländische Vermögenswerte, gearbeitet hat, erklärte gegenüber OCCRP: "Es ist schwer, eine unschuldige Erklärung für die Dinge zu finden, die Sie beschrieben haben. Angesichts der Tatsache, dass die Bank Rossiya öffentlich als der Ort genannt wird, an dem Putin und seine Kumpane ihr Vermögen halten, wirft dies eine Menge rechtlicher Fragen auf."

Weiter heißt es: "Ich würde nicht darüber spekulieren, wer der Endbegünstigte ist, aber es gibt klare Anzeichen für ein System zur Umgehung von Sanktionen."

Quelle: OCCRP


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