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Smartphone-Markt: Samsung versucht weiter Apples Erfolgsrezept zu kopieren - und ist mal wieder gescheitert

Alles aus einer Hand - das ist Apples Erfolgsrezept, das Samsung schon mehrfach zu kopieren versuchte. Immer wieder ist der Tech-Gigant daran gescheitert. Jüngstes Beispiel: Der leise Abschied von Assistent Bixby.

Eine Frau gibt mit dem Eingabe-Stift etwas auf dem Galaxy Note 10 ein

Mit dem Note 10 hat Samsung gerade sein neuestes Spitzenmodell vorgestellt. Zu Bixby verlor man dabei kein Wort

Picture Alliance

Fragt man Apple-Fans, was sie am iPhone-Konzern am meisten schätzen, nennen einige das Design - und noch mehr das sehr gut funktionierende Ökosystem. Ob Macbook, iPhone, AirPods oder Apple Watch: Apple Produke funktionieren in der Regel einfach und gefühlt nahtlos miteinander. Wie schwer das umzusetzen ist, zeigt in regelmäßigen Abständen Samsung. Auch dort will man einen solchen Grad der Integration erreichen. Doch die Kunden machen einfach nicht so recht mit. 

Dabei versucht Samsung es immer wieder. Wer ein Galaxy-Smartphone einrichtet, findet dort etliche passende Apps: SMS, Kalender, Browser, Bezahldienst - für alles hat Samsung ein eigenes Programm vorinstalliert. Die Idee dahinter ist klar: Wie auch beim iPhone sollen sich die Galaxy-Besitzer an Samsungs Dienste gewöhnen. Und beim nächsten Gerät wieder zu Samsung greifen. Sei es nun ein neues Smartphone, der Fernseher oder eine Smartwatch.

Kein Wort zu Bixby

Wie wenig diese Idee funktioniert, zeigt Samsungs persönlicher Assistent Bixby. Vor zwei Jahren als Gegenmodell zu Apples Siri und dem Googles Assistant vorgestellt, tat Samsung alles, um seinen Assistenten zu pushen. Seit dem Galaxy S8 haben die Smartphones einen eigenen Bixby-Button, im letzten Sommer folgte die Ankündigung eines eigenen Sprachlautsprechers. 

Doch Bixby will einfach nicht durchstarten. Zuerst hing das an Sprachproblemen: Den auch in allen anderen Ländern vorinstallierten Assistenten gab es zunächst nur auf Englisch und Koreanisch. Doch auch seit Bixby im letzten Herbst Deutsch lernte, zog die Begeisterung nicht an. Eine der häufigsten Suchanfragen bei Google zu dem Thema ist "Bixby deaktivieren". Die Galaxy-Besitzer wollen also lieber eine sinnlose Taste, als Bixby eine Chance zu geben. Kein Wunder: Mit dem Google Assistant ist schließlich einer der besten Sprachassistenten bereits ab Werk mitgeliefert.

Samsung scheint sich damit abgefunden zu haben. Bei der Vorstellung des Note 10 erwähnte man Bixby nicht ein einziges Mal, der eigene Bixby-Knopf wurde bei den neuen Smartphones gestrichen. Und auch der Bixby-Lautsprecher, im letzten August vorgestellt, ist nach mehrfachem Verschieben immer noch nicht im Handel. Ob er wie aktuell geplant im Herbst kommt, wird sich zeigen.

Nachteil Fremd-Betriebssystem

Dass Samsung seine Strategie nicht so recht umgesetzt bekommt, dürfte vor allem an einem grundsätzlichen Nachteil gegenüber Apple liegen. Anders als der iPhone-Konzern programmiert Samsung nicht sein eigenes Smartphone- und PC-Betriebssystem. Nur TV-Geräte und die Smartwatches laufen mit der Eigenentwicklung Tizen. Auf Smartphones und Tablets setzt der Konzern dagegen auf Googles System Android, bei Laptops meist auf Windows. Und auf beiden Systemen sind die Samsung-Apps nur eine Alternative von mehreren.

Bei iPhones und Macs stammen die SMS-App, der vorinstallierte Browser, die Mail- und Kalender-Apps alle von Apple. Wer eine Alternative will, muss diese erst aktiv installieren. Als Standard-App lässt die sich dann aber trotzdem nicht setzen. Die Folge: Die meisten Nutzer bleiben bei den vorinstallierten Apps, die zudem über den ohnehin erforderlichen Apple-Account miteinander synchronisiert werden.

Weniger Nutzer führen zu schlechteren Apps

Davon kann Samsung nur träumen. Warum sollte man sich mühsam einen Samsung-Account anlegen, wenn man die ebenfalls vorinstallierten Google-Dienste sofort nutzen kann? Schließlich braucht man für die Einrichtung des Geräts ohnehin schon ein Google-Konto.

In der Welt der über Nutzerdaten optimierten Apps ist das ein Todesurteil. Während Apple und Google genau wissen, wie ihre Nutzer die Apps nutzen, und sie entsprechend verbessern können, verlieren die Samsung-Dienste wegen der geringen Nutzeranzahl immer weiter an Boden. Bei Sprachassistenten wie Bixby ist das besonders ausgeprägt. Je weniger Menschen mit der Künstlichen Intelligenz sprechen, desto schlechter versteht die, was die Nutzer von ihr wollen. Und wird entsprechend noch weniger genutzt.

Das Jonglieren mit den drei Betriebssystemen Android, Tizen und Windows erschwert Samsung zudem die nahtlose Verknüpfung, die Apple-Nutzer gewohnt sind. Beim stern-Test von Samsungs Spitzen-TV Q9F (hier finden Sie den Artikel) scheiterte etwa die Verbindung des Tizen-TVs mit einem Android-Smartphone, obwohl es sich um das Galaxy S9 handelte, Samsungs damaliges Spitzenmodell. Am Ende klappte die Verbindung dann doch - nachdem zu einem iPhone gewechselt wurde.

Zusammenarbeit als Schlüssel

Eine Chance sieht Samsung wohl in der immer engeren Kooperation mit Microsoft. Wie Samsung kann auch der Windows-Konzern alleine keine übergreifende Strategie zwischen Desktop- und Mobil-Nutzung fahren. Das eigene Mobilsystem Windows Mobile wurde längst eingestellt, der von Windows dominierte PC verliert immer mehr an Bedeutung. Unter CEO Satya Nadella hat Microsoft daher längst begonnen, sich als Service-Dienstleister über alle Systeme hinweg zu positionieren. 

Mit Samsungs gerade vorgestelltem Galaxy Note 10 wird die Zusammenarbeit noch enger. Zunächst stellte Samsung den ersten Windows-Laptop seit Jahren vor. Und auch auf dem Smartphone werden fleißig Synergien geschaffen: Sämtliche Microsoft-Office-Apps sind beim Note 10 vorinstalliert, mit einer App lässt sich der gesamte Bildschirm des Smartphones unter Windows anzeigen und nutzen. Selbst Anrufe soll das Telefon demnächst direkt an den PC weitergeben können. Das konnte vorher nur ein Anbieter von Haus aus: Apple.