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Netz-Trend 16.000 Dollar in einer Nacht: Warum Menschen dafür bezahlen, andere beim Schlafen zu beobachten

Eine Frau im Bett hält sich die Ohren zu
Mit dem Kampf gegen die Schlaflosigkeit lässt sich viel Geld verdienen. (Symbolbild)
© dragana991 / Getty Images
Stellen Sie sich vor: Sie wachen auf – und sind um Tausende Euro reicher. Klingt toll? Das geht! Aber nur, wenn Sie sich dabei filmen und von fremden Menschen um den Schlaf bringen lassen.

Auf Streaming-Plattformen wie Twitch oder Youtube jagt ein Trend den nächsten. Galt es vor etwa einem Jahr als neuester Schrei, sich im eigenen Wohnzimmer in einen Pool zu setzen und sich Namen der Zuschauer auf die Haut zu schreiben, hat sich das Geschehen inzwischen in die Schlafzimmer der Streamerinnen und Streamer verlagert. Allerdings nicht, weil Matratzensport auf den Plattformen angekommen ist, sondern weil sich Personen beim Schlafen filmen – oder zumindest beim Versuch.

16.000 pro Nacht – und sehr viel Radau

Um welche Unsummen es dabei geht, verrät ein "Wired"-Report. So habe der australische Streamer Jakey Boehm 34.000 US-Dollar in nur einem Monat verdient, sein Kollege namens "Asian Andy" gibt an, 16.000 US-Dollar in nur einer Nacht einzunehmen. 

Das Geld verdienen die Darsteller:innen aber nicht nur durch eine Kamera, die sie beim entspannten Schläfchen filmt, sondern durch Interaktion mit den Zuschauenden – und die kostet. Denn während die Personen vor der Kamera versuchen, angeblich in den Schlaf zu finden, können die Beobachtenden Aktionen auslösen, um das zu verhindern.

Die Störungen reichen von einfachen Textnachrichten, die eine Roboterstimme laut vorliest, über Elektroschocks durch ein smartes Armband bis hin zum klassischen Wasserkübel, der sich über dem Bett ausgießen lässt – alles bequem von daheim. Die bekannteren Streamer:innen lassen sich diese Gemeinheiten gut bezahlen. Nachrichten kosten etwa ab einem US-Dollar, ausgeklügelte Wachmacher wie so ein Eimer Wasser kosten schnell dreistellig.

Vieles gespielt – und eher was für Profis

Die Zuschauenden lieben es – und bezahlen fleißig. Dafür werden sie mit entsprechenden Reaktionen belohnt, deren Authentizität allerdings bezweifelt werden darf. Denn eigentlich wissen die Menschen vor der Kamera, dass das keine geruhsame Nacht wird – sondern es ihr Job ist, sich quälen zu lassen. So ist zum Beispiel Schreihals "Ishowspeed" dafür bekannt, seine Matratze vor "Wut" zu vermöbeln, besagter "Asian Andy" zerpflückt vor lauter Schlaflosigkeit gerne sein Oberteil.

Die Aussicht auf hohe Einnahmen ruft zahllose Nachahmer auf den Plan, die die Schlafsendungen auch zu ihrer Haupteinnahmequelle machen wollen. Nebenberuflich dürfte das auch zum Problem werden, denn die meisten Streamer:innen berichten, nach einer solchen Tortur erst einmal wirklich ins Bett zu gehen, ohne Kamera.

Gegenüber "Wired" erklärte Cornell-Professorin Brooke Erin Duffy, dass man beim Versuch, auf diesen Zug aufzuspringen, viel Lebensqualität opfern müsse, um vergleichsweise wenig damit zu verdienen. Die erfolgreichen Streamer:innen, so Duffy, hätten bereits eine Zuschauerschaft aufgebaut, bevor sie mit diesen stressigen Liveübertragungen starten. Das garantiere die entsprechenden Einnahmen und erlaube einen Ausgleich.

Quelle: Wired


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