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Neue Produkte bei der CES Warum Alexas Übermacht Apple vor echte Probleme stellt

Auf der CES zeigten Dutzende Hersteller neue Geräte mit Amazons Assistentin Alexa. Für Apple ist das ein Problem.

Es gab eine Zeit, da war Apple der heimliche Star der Technik-Messe CES. Der iPhone-Konzern stellte dort zwar nie selbst aus. Doch die Hersteller übertrumpften sich damit, wie gut ihre Produkte mit dem Apple-System kompatibel waren. Dieses Jahr hatte die CES gleich zwei neue Stars - Amazons Alexa und Google Home. Für Apple ist das kein gutes Zeichen.

Bereits letztes Jahr stellten viele Hersteller Alexa-kompatible Geräte vor. Dieses Jahr stecken die Amazon-Assistentin und ihr Äquivalent Google Assistant aber in nahezu jedem Gerät, von der Spülmaschine bis zur Dusche. Dass fast alle Geräte auch Apples eigene Smarthome-Plattform Homekit unterstützen, ging da fast unter.

Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung des Homepods
Apple-Chef Tim Cook bei der Vorstellung des Homepods
© Christoph Dernbach/ / Picture Alliance

Apple verpasst den Anschluss

Obwohl der Konzern mit Siri die Sprachsteuerung erst in den Massenmarkt gebracht hat, droht er nun den Anschluss zu verlieren. Gegenüber Alexa und Google Assistant hat Homekit nämlich einen gewaltigen Nachteil: Während die beiden Sprachassistenten oft direkt im Gerät verbaut sind, braucht man für Homekit immer ein zusätzliches Gerät, etwa ein iPhone oder den kommenden Lautsprecher Homepod. Das mag nach einer kleinen Unannehmlichkeit klingen, ist aber bei der Sprachsteuerung ein grundlegendes Problem.

Deren Ideal ist es, dass das Gerät praktisch verschwindet. Die direkt verbauten Sprachassistenten sorgen nämlich nicht nur dafür, dass man das entsprechende Gerät steuern kann - sondern bieten auch noch alle sonstigen Features eines Amazon Echo oder Google Home. Kauft man sich also einen Kühlschrank mit eingebauter Alexa, geht es in erster Linie gar nicht darum, den Kühlschrank damit zu steuern (etwa "Senke die Temperatur um zwei Grad"). Viel praktischer ist, dass man nur noch in die Küche rufen muss, um sich Musik oder eine höhere Raumtemperatur zu wünschen - und ein beliebiges Gerät den Wunsch dann umsetzt, egal ob es der Wasserhahn oder ein Echo-Lautsprecher ist.

Das kann eine Firma wie Apple, die auf den Verkauf von Geräten angewiesen ist, nicht gut finden. Amazon und Google ist es dagegen egal. Sie wollen mit ihren Sprachassistenten einfach in so viele Haushalte wie möglich. Aus verschiedenen Gründen: Google will mit den gesammelten Nutzerdaten Werbung verkaufen. Amazon will Kunden per Sprachsteuerung im eigenen Internetkaufhaus shoppen lassen. Tatsächlich zeigt eine aktuelle Studie, dass 22 Prozent der Kunden über ihren Echo oder Home einkaufen. Je mehr Nutzer, desto besser. Ganz egal, mit welchem Gerät.

Hardware-Falle

Apple dagegen verdient sein Geld ganz klassisch mit Hardware-Verkäufen. Wenn bald der Apple-Lautsprecher Homepod erscheint, will man den auch unters Volk bringen - mit einem Preis deutlich über den Konkurrenten. Apple steht sich hier also gleich doppelt selbst im Weg.

Eines von Apples wichtigsten Feature ist das hervorragend funktionierende Ökosystem. Speichert man einen Kontakt auf dem iPhone, landet er auch auf dem Mac. Der angefangene Film wird auf einem anderen Gerät ohne Verzögerung fortgesetzt, kopiert man einen Satz auf dem iPad, kann man ihn sofort auf dem Mac einfügen. Die Kunden wissen diese geschlossene Erfahrung zu schätzen. Bei der Sprachsteuerung erweist sie sich aber als Achillessehne. Eine Siri, deren Geräte im Hintergrund verschwinden, ist bei Apples aktueller Hardware schlicht nicht vorstellbar. Um echte, geräteunabhängige Sprachsteuerung zu nutzen, müssen die Kunden Apples System verlassen.

Siri hat einen klaren Vorteil

Der Markt der sprachgesteuerten Geräte wird in den nächsten Jahren vermutlich stark wachsen. Jeder zehnte US-Bürger hat bereits eines der Geräte zuhause, zwei Drittel der Nutzer wollen nicht mehr darauf verzichten, zeigt eine Studie. Wie sich das auf Dauer auf Apples Verkäufe auswirkt, muss sich zeigen.

Ein Ass hat Apple allerdings noch im Ärmel. Alexa unterstützt aktuell nur zwei Sprachen, bei Googles Assistant sind es immerhin acht. Siri beherrscht aber ganze 21. In vielen Ländern der Welt dürfte dann also die Wahl lauten: Apples Sprachsteuerung - oder gar keine. Um die Chance zu nutzen, müsste Apple nur noch über seinen Schatten springen und Siri für Drittanbieter freigeben. Das klingt einfacher, als es ist.


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