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Rekordergebnis Wie Trump, Huawei und Apple für Samsungs bestes Quartal aller Zeiten sorgten

Rekordergebnis: Samsungs Erfolg hängt auch mit den Konkurrenten zusammen
Samsungs Erfolg hängt auch mit den Konkurrenten zusammen 
© Wang Gang / Costfoto/ / Picture Alliance
In der Corona-Krise lief es für Samsung zunächst nicht besonders gut, der Technik-Gigant verlor sogar erstmals den Smartphone-Thron an Huawei. Doch seit dem Sommer gelang ein gigantisches Comeback. Das liegt ausgerechnet an den wichtigsten Konkurrenten - und an Donald Trump.

Im Sommer sah es für Samsung nicht besonders rosig aus. Die wichtigsten Smartphones des Jahres, die Galaxy-S-Serie, waren ausgerechnet zu Beginn der Corona-Lockdowns in den Markt gekommen, verkauften sich entsprechend schlecht. Und obwohl Huawei durch den Konflikt mit der Trump-Regierung stark gehandicapt war, konnte der chinesische Konzern die Schwäche des Konkurrenten nutzen - und zog an Samsung vorbei. Doch nun hat sich der Wind gedreht. Samsung kann ausgerechnet wegen Huawei ein Rekordergebnis einfahren. Und auch Apple, Donald Trump und die Corona-Situation haben ihren Anteil daran.

Die Zahlen dürften bei Samsung für viel Jubel gesorgt haben. Mit einem Umsatz von 66,96 Billionen Südkoreanischen Won - das entspricht 50 Milliarden Euro - konnte Samsung seine Einnahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent anheben und damit seinen höchsten Umsatz aller Zeiten vorlegen. Der Gewinn stieg noch stärker: Er lag bei 9,36 Billionen Won, etwa 7 Milliarden Euro, und damit fast um die Hälfte höher als vor einem Jahr. Vom Rekordgewinn von fast 10 Milliarden Euro 2018 ist das zwar weit entfernt. Trotzdem hat der Konzern so viel Plus gemacht wie seit 18 Monaten nicht mehr.

Trumps Huawei-Bann als Rückenwind

Zu verdanken hat Samsung sein Comeback ausgerechnet der Konkurrenz - und Donald Trump. Dessen Handelskrieg mit China und das Handelsembargo gegen Huawei haben Samsung gleich in mehrerer Hinsicht geholfen. Zum einen dürfen Huaweis Smartphones durch den Bann nicht mehr mit Googles Diensten angeboten werden, das macht sie für viele Kunden in Europa weniger interessant. Samsung konnte so seine Delle im Frühjahr nicht nur ausgleichen, sondern steigerte seine Smartphone-Verkäufe deutlich. Den Rückstand zu Huawei hat Samsung den Markt-Analysten von Counterpoint Research zufolge wieder kräftig gedreht: Der Marktanteil der Koreaner liegt mit 22 Prozent deutlich über den 15 Prozent des Konkurrenten.

Noch stärker profitierte Samsung aber indirekt von Trumps Embargo. Denn das versetzte Huawei in einen regelrechten Hort-Modus: Weil der Hersteller seit September durch das Embargo auch keine Bauteile mehr kaufen darf, in denen US-Technik benutzt wird, deckte er sich vorher kräftig mit Teilen ein. Das sieht man deutlich am Ergebnis von Samsungs Prozessor-Sparte: Um mehr als ein Viertel sind die Chip-Verkäufe seit dem letzten Jahr langsam nach oben geklettert, besonders gefragt sind Speicherchips.

Mehr Geld für's Zuhause

Aber auch die Corona-Situation scheint Samsung in die Karten zu spielen. Zum einen ist da der Vorteil des verschobenen iPhones. Weil Apple sein iPhone 12 vom traditionellen September-Start in den Oktober und die Kleinst- und Größtvarianten iPhone 12 Mini und iPhone Pro Max sogar in den November schob, ändert sich auch die Dynamik für Samsung. Zum einen kam die große Konkurrenz für Samsungs Spitzenmodelle wie das Galaxy Note 20 erst später auf den Markt. Zum anderen hat sich sicher auch Apples Einkauf leicht nach hinten geschoben. Für die Produktion seiner Smartphones setzt auch Apple auf Samsung-Bauteile. 

Und auch die direkten Folgen der Corona-Situation auf das Alltagsleben bilden sich in Samsungs Zahlen ab. Weil die Menschen mehr zuhause sind und nicht reisen, ins Kino oder feiern gehen können, investieren sie wohl vermehrt das Geld ins eigene Zuhause. Die Consumerelektronik-Sparte und vor allem der TV-Bereich boomen: Die Einnahmen gingen um ein Drittel nach oben, die Kunden kauften deutlich mehr Haushaltsgeräte. Auch das Homeentertainment profitiert kräftig: Samsungs TV-Verkäufe stiegen gegenüber dem Vorjahr von 10 auf 15 Millionen verkaufte Geräte. 

Samsung bleibt vorsichtig

Dass Samsung sich dieser Effekte bewusst ist, zeigt die Prognose für das nächste Quartal. Obwohl Weihnachten noch ansteht, erwartet der Konzern in den nächsten drei Monaten ein Abflachen der Umsätze. Das liege auch daran, dass die Nachfrage nach Speicherchips wieder sinken werde, erklärt der Konzern. Dabei spiele auch eine Rolle, dass Huawei als Großkunde wegfallen könnte. Man warte noch auf eine Antwort der US-Behörden, ob man auf Dauer weiter mit Huawei handeln dürfte, erklärte Samsung in seinem Quartals-Telefonat.

Wie sich die Lage auf Dauer entwickelt, wird sich tatsächlich zeigen müssen. Sollte bei der Wahl nächste Woche Donald Trumps Herausforderer Joe Biden als Präsident hervorgehen, könnte das auch die Karten auf dem Smartphone-Markt neu mischen. Einen Verkaufsboom bei den Bauteilen dürfte Samsung dann wohl nicht erwarten. Schließlich hat Huawei seine Lager prall gefüllt. Sollte der Konkurrent wieder Zugriff auf die Google-Dienste bekommen, könnte auch der Smartphone-Vorteil schnell wieder verspielt sein.

Quelle:Samsung, Counterpoint Research


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