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Sammelkarten 375.000 Dollar für Pokémonkarten: Live-Deal endet in Katastrophe

Eine Hand streicht über einen von Pokémon-Karten bedeckten Boden.
Während der Corona-Pandemie sind die ohnehin schon teuren Sammelkarten weiter im Wert gestiegen.
© Brendan Smialowski / AFP
Es sollte das ganz große Geschäft werden: Umgerechnet 321.000 Euro will ein US-Unternehmer für eine Schachtel seltene Monster-Sammelkarten bezahlen. Wie der Deal in einer bösen Überraschung endete, konnten Zuschauer live auf Youtube mitansehen.

Der US-amerikanische Unternehmer Chris Camillo wollte für 370.000 Dollar seltene Pokémon-Sammelkarten erwerben – und das Geschäft live auf Youtube übertragen. Das Inspizieren der 20 Jahre alten Sammlerstücke entpuppte sich aber als Katastrophe: Der Inhalt der Schachtel war gefälscht. Das berichtet der britische "Guardian".

Eine seriöse Investition

Dass Fans für Tauschkarten der japanischen Taschenmonster bisweilen Unsummen ausgeben, ist nichts Neues. Doch der Betrag von umgerechnet 321.000 Euro, den Unternehmer Camillo für Karten der ersten Pokémon-Generation auf den Tisch legen wollte, war rekordverdächtig. Der Investor und Moderator des Youtube-Kanals "Dumb Money" habe den Inhalt der versiegelten Schachtel im kommenden Jahr selbst verkaufen und den Erlös an eine Wohltätigkeitsorganisation spenden wollen.

Camillo ist nicht der erste, der die Karten für einen unbezahlbaren Schatz hält: Auch Prominente, wie Social-Media-Star Logan Paul und Rapper Logic haben für die Sammlerstücke ordentlich in ihre Taschen gegriffen. Logic hatte Anfang des Monats fast 194.000 Euro für eine einzige Erstauflage einer "Glurak"-Karte ausgegeben. Laut "Guardian" hat Camillo den Markt für die Tauschkarten im letzten Jahr genauestens beobachtet. Er sei davon überzeugt, dass der Appetit auf die nostalgischen Sammlerstücke nicht nur ein kurzfristiger Hype, sondern eine ernstzunehmende Investition sein könnte.

"Das ist ein verdammt großes Problem"

Die Verkäufer um Unternehmer Jake Greenbaum, der als Logan Pauls "persönlicher Pokémon-Berater gilt", hatten die Schachtel mit 36 ungeöffneten "Booster"-Packungen selbst von einem unbekannten Dritten erstanden. In Dallas wollten sie die insgesamt 396 Karten in Erstauflage schließlich live an Camillo weiterverkaufen. Greenbaum und seine Partner hatten darum gebeten, in Bar ausgezahlt zu werden, erklärte Camillo. Deshalb lag ein silberner Aktenkoffer voller Einhundert-Dollarscheine während der Übertragung auf dem Tisch.

Als Camillo die Plastikfolie entfernte und die Box öffnete, schien zunächst alles in Ordnung. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die Männer feststellen, dass die einzelnen Päckchen verschiedenfarbig und teilweise sogar bereits geöffnet waren – mit anderen Worten: Die Karten waren wertlos. "Das ist ein Problem", sagte Greenbaum, bevor er sich mit dem ursprünglichen Verkäufer telefonisch in Verbindung setzt, um eine Rückerstattung zu fordern. "Ja, nein, das ist ein verdammt großes Problem."

Corona schürt den Sammel-Hype

Dem "Guardian" zufolge sehen Sammelexperten in dem Vorfall einen Beweis für die Risiken, die mit dem schwindelerregenden Preisanstieg der Pokémon-Karten verbunden sind. Trotzdem würden solche Deals als potenziell lukrative Gelegenheiten gesehen: Denn nur noch 40 bis 70 solcher Schachteln seien schätzungsweise noch im Umlauf.

Die Tauschkarten, die Millennials auf der ganzen Welt zurück in ihre Kindheit versetzen, bilden neben den bekannten Videospielen, Zeichentrickfilmen und -serien, sowie vielen weiteren Fanartikeln nur ein Standbein des 25 Jahre alten Pokémon-Imperiums. Zwar stiegen die Monsterkarten seit Jahren im Wert. Während der Corona-Pandemie haben die Preise aber neue Dimensionen erreicht, sagte Sasha Tamaddon, Anlageberater für Sammelprodukte, gegenüber dem "Guardian". "Seit dem Lockdown sind der Hype und der Boom einfach verrückt. Das Wachstum ist exponentiell," erklärte auch Barney Ludkins, Eigentümer einer Firma, die Sammlern dabei hilft, die Qualität ihrer Karten zu zertifizieren. Schachteln, die vor fünf Jahren noch für etwa 6.000 Pfund verkauft worden seien, würden heute einen sechsstelligen Preis erzielen, sagte er weiter.

Ist der Fake ein Fake?

Der "Guardian" habe kurz nach Ende der Live-Übertragung mit Camillo gesprochen: Es habe extreme Vorsichtsmaßnahmen gegeben, aber er stehe "immernoch unter Schock". Das Geld habe Camillo allerdings noch. Viele Zuschauer vermuten, dass der ganze Deal ein Fake war und weisen darauf hin, dass die horrende Bargeldsumme nie wirklich vor der Kamera gezeigt wurde. Beide Parteien wehrten sich gegen die Anschuldigungen: "Ich schätze, in der Youtube-Welt ist alles möglich, aber ich habe Filmmaterial von mir, wie ich zur Bank gehe und das Geld herausnehme", so Camillo, der später ein Foto des Geldkoffers auf Twitter veröffentlichte.

Quellen: The Guardian, GamesRadar+

yks

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