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Produktionsstopp in Japan: Ende einer Ära: Der Videorecorder ist jetzt offiziell tot

Viele Menschen sind mit VHS-Kassetten aufgewachsen, mittlerweile stapeln sie sich in Grabbelkisten auf dem Flohmarkt. Nun zieht der letzte VHS-Riese in Japan die Reissleine und stoppt die Produktion.

Die VHS-Kassette versinkt in der Bedeutungslosigkeit

Die VHS-Kassette versinkt in der Bedeutungslosigkeit

Tausende Filme auf Abruf, und das in bester Qualität: Im Zeitalter von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon Prime Instant Video oder Maxdome wirkt schon das Einlegen einer DVD antiquiert. VHS-Videokassetten dagegen erscheinen wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Sie sind klobig und schwer, mit jeder Wiedergabe wurde das Bild schlechter und wollte man ans Ende der Kassette spulen, musste man sich schon einmal ein paar Minuten gedulden.

Doch allen Nachteilen zum Trotz verkaufte das japanische Unternehmen Funai Electric, der letzte verbliebene VHS-Riese, im vergangenen Jahr 2015 weltweit noch immer 750.000 Videorecorder. Viele Geräte wurden in Nordamerika verkauft, dem Heimatland der meisten Streaming-Dienste. Doch wie der Informationsdienst "Nikkei" berichtet, soll die Produktion noch im Juli eingestellt werden. Es wäre das Ende einer Ära, die fast 40 Jahre andauerte.

VHS gewann den Formatkrieg

Die ersten Videotape-Recorder präsentierten Philips und Sony in den 60ern, die ersten Heimgeräte kamen in den 70ern auf den Markt. Der populärste Standard war VHS (Video Home System) von JVC, der sich im "Formatkrieg" gegen Sonys Betamax und Grundigs Video 2000 durchsetzte. Je nach Videokassette konnten VHS-Rekorder zwischen 30 Minuten und fünf Stunden aufzeichnen. Sony warf bereits Ende 2015 das Handtuch und stoppte den Verkauf von Betamax-Kassetten. Der Nachfolger der VHS-Kassette war die DVD (1996), ihr folgte 2002 die Blu-ray.

Dass die VHS-Kassette noch einmal ein Comeback feiern wird, darf bezweifelt werden. Ganz im Gegensatz zur Vinyl: Aller Digitalisierung zum Trotz nehmen die Schallplatten-Verkäufe wieder zu. 2015 wurden in Deutschland etwa 1,8 Millionen Platten im Wert von 38 Millionen Euro verkauft. Zuletzt gingen so viele Platten im Jahr 1992 über die Ladentheke, als man von Youtube und Co. noch nicht einmal zu träumen wagte.