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SMARTER LIFE

Neue Apple-Tablets ausprobiert: Das iPad Air 2 und iPad Mini 3 im Check

Apple hat zwei neue iPads vorgestellt. Während das iPad Air 2 viele Neuerungen bietet, enttäuscht das iPad Mini 3. Wir haben beide Tablets ausprobiert.

Von Christoph Fröhlich

Apple hat neben dem neuen iMac mit ultrahochauflösendem 5K-Display am Donnerstag zwei neue iPads vorgestellt, das iPad Air 2 und das iPad Mini 3. Der stern konnte die beiden Flachmänner bereits ausprobieren und sagt, was sie können und wie sie sich anfühlen.

iPad Air 2: Flacher Muskelprotz

Äußerlich hat sich auf den ersten Blick nichts verändert. Legt man aber ein aktuelles iPad Air neben das neue Modell, erkennt man einen deutlichen Unterschied: das iPad Air 2 ist wesentlich dünner als der Vorgänger. Das Air 2 misst 6,1 Millimeter, die erste Generation war noch 7,5 Millimeter dick - und die galt im vergangenen Jahr bereits als eines der schlanksten Tablets überhaupt. Das iPad Air 2 ist laut Apple "das dünnste Tablet der Welt". Klar, spätestens in ein paar Wochen wird dieser Rekord wieder geknackt sein - doch vor dem lukrativen Weihnachtsgeschäft ist das ein mächtiger Marketing-Coup. Die Schlankheitskur wurde durch ein neues Fertigungsverfahren ermöglicht, bei dem das Retina-Display direkt mit dem Deckglas verschmolzen wird.

Das bietet auch noch einen weiteren Vorteil: Das dünnere Display spiegelt weniger. In unserer Testumgebung waren tatsächlich weniger störende Reflexionen auf dem Bildschirm zu sehen als bei einem iPad Air der aktuellen Generation.Ob dies einen wirklichen Kaufgrund darstellt und wie sich das Air 2 etwa im direkten Sonnenlicht schlägt, muss ein ausführlicher Test zeigen. Eine höhere Auflösung hat das iPad Air 2 nicht, nach wie vor werden auf dem 9,7-Zoll-Screen 2048 x 1536 Pixel dargestellt.

Die eingesparten Millimeter machen sich auch im Gewicht bemerkbar: Mit 437 Gramm ist das iPad Air 2 ein echtes Fliegengewicht und liegt toll in der Hand. Zum Vergleich: Das ähnliche große Samsung Galaxy Tab 10.1 bringt 565 Gramm auf die Waage. Dadurch kann man das Air 2 nun längere Zeit mühelos mit einer Hand halten.

Finger drauf, fertig

Im Inneren des iPad hat sich ebenfalls einiges getan: Der neue A8X-Prozessor (64 Bit) ist noch flinker als der A8-Chip im iPhone 6. Er besitzt mehr als drei Milliarden Transistoren, die Grafikleistung ist zweieinhalb Mal schneller als beim Vorgänger. Für Alltagsaufgaben wie Surfen, Lesen oder Musikhören ist der Geschwindigkeitszuwachs unerheblich. Wer mit dem iPad aber viel spielt, Fotos bearbeitet oder Musik komponiert, dürfte sich über die größere Rechenpower freuen. Der vom iPhone bekannte M8-Chip steht dem Hauptprozessor zur Seite, in dem er verschiedene Sensordaten zuliefert - etwa den Luftdruck oder die Bewegungsrichtung des Tablets.

Die wohl wichtigste Neuerung ist der Fingerabdrucksensor TouchID, der bereits im iPhone 5S und iPhone 6 steckt. Der Scanner ist im Home-Button integriert und entsperrt das iPad Air 2 mit einem Fingertipp. Was für die Nutzer bequem ist, hat für Apple noch einen weiteren Vorteil: Vor fünf Wochen stellte der Konzern den Bezahldienst Apple Pay vor. Mit einem Fingerabdruck kann der User in wenigen Sekunden Online-Einkäufe bezahlen - und Apple verdient bei jeder Transaktion mit. Sollte das System von den Kunden angenommen werden, ist es das nächste Milliardengeschäft für den iPhone-Hersteller.

stern-Redakteur hatte das neue IPad Air 2 für einen kurzen Test in der Hand

stern-Redakteur hatte das neue IPad Air 2 für einen kurzen Test in der Hand

Auch die beiden Kameras des iPad Air 2 wurden verbessert. Die Rückkamera knipst nun mit acht Megapixeln und ermöglicht Full-HD-Aufnahmen, Zeitraffer- und Zeitlupen-Videos. Die Frontkamera kann nun Burst-Aufnahmen machen. Dabei knipst das iPad mehrere Bilder pro Sekunde, anschließend wird das beste ausgewählt.

Das billigste iPad Air 2 (16 GB Speicher, Wlan) beginnt bei 489 Euro. Das teuerste Modell (128 GB, LTE) kostet 809 Euro. Es ist erhältlich in den Farben Silber, Grau und Gold.

iPad Mini 3: Beim Kleinen nicht viel Neues

Etwas lieblos ist das Upgrade des iPad Mini geraten: Die dritte Version des Zwergen-Tablets hat zwar auch einen Fingerscanner und unterstützt Apple Pay, ansonsten bietet es aber keinen echten Mehrwert. Optisch gleicht es dem Vorgänger - mal abgesehen vom goldenen Gehäuse - aufs Haar: Es hat ein 7,9-Zoll-Display, die Auflösung beträgt 2048 x 1536 Pixel, die Maße sind identisch. Nicht einmal der aus dem iPhone 6 bekannte A8-Prozessor hat es ins Mini geschafft, Apple verbaut weiterhin auf den A7-Chip aus dem vergangenen Jahr. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen.

Ist der Tablet-Hype zu Ende?

Neue Kameras, ein Fingerabdruckscanner - und das alles im dünnsten Tablet der Welt: Das klingt imposant, doch ob das reicht, um dem iPad-Geschäft genug Schwung bis zum nächsten Herbst zu verleihen, wird sich zeigen. Die Marktforschungsunternehmen Gartner und IDC sagen Tablets schwierige Zeiten voraus. Erreichte das Geschäft mit den Flachcomputern in den vergangenen Jahren schwindelerregende Wachstumszahlen, stagnierte es zuletzt vor allem in Westeuropa und Nordamerika. Der Markt scheint hierzulande allmählich gesättigt zu sein.

Ein möglicher Grund: Während viele Nutzer ihre Smartphones alle ein bis zwei Jahre in Rente schicken, ist der Lebenszyklus eines Tablets wesentlich länger. Kein Wunder, die wesentlichen Aufgaben - Surfen, Spielen, Lesen - erledigen die Flachcomputer noch wie am ersten Tag, eine Neuanschaffung ist deshalb oft nicht notwendig.

Mit den neuen iPads zielt Apple deshalb vor allem auf die Erstkäufer. Da steht der Konzern bislang noch gut da: Mehr als die Hälfte der Kunden greifen nach wie vor zum iPad, wenn es um die Anschaffung des ersten Tablets geht, sagte Apple-Chef Tim Cook vor einigen Wochen. Der Slogan "dünnstes Tablet der Welt" ist deshalb ein echter PR-Coup und dürfte bei vielen Käufern, die auf der Suche nach einem kompakten Gerät sind, die Entscheidung zu Apples Gunsten beeinflussen. Doch viele Android-Konkurrenten haben aufgeholt, Billig-Anbieter aus China verkaufen ihre Tablets deutlich günstiger.

Nicht zuletzt nagt die Konkurrenz aus dem eigenen Haus an den iPad-Verkäufen: Das XXL-Smartphone iPhone 6 Plus verkauft sich blendend, und immer mehr Kunden fragen sich: Braucht man überhaupt noch zwei getrennte Geräte, also ein Tablet und ein Smartphone? Marktforscher verneinen diese Frage und glauben, dass der Phablet-Anteil (große Handys, Mischung aus Phone und Tablet) in diesem Jahr extrem wachsen wird. Es wird deshalb spannend zu beobachten sein, ob das neue iPad Air 2 dem schwächelnden Tablet-Markt neues Leben einhauchen kann - oder ob die Tablets von den Phablets verdrängt werden so wie einst die Netbooks vom iPad.

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