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iPhone X: Warum nur Apple sich ein Smartphone für 1319 Euro leisten kann

Mit dem iPhone X hat Apple gerade das teuerste Mainstream-Smartphone aller Zeiten vorgestellt. Den meisten Kunden sind mittlerweile aber selbst 300 Euro zu teuer. Ein Problem ist das aber nur für die anderen Hersteller.

Als Apple gestern das iPhone X vorstellte, waren viele Menschen begeistert. Eine solche Menge grundlegender Neuerungen hat lange kein iPhone mehr mitgebracht. Beim Preis fiel vielen dann aber die Kinnlade nach unten: Mindestens 1149 Euro kostet Apples neues Spitzenmodell. Eine solche Ansage kann sich nur Apple leisten.

Der Smartphone-Markt entwickelt sich nämlich längst in die gegenteilige Richtung: Die Preise purzeln immer weiter. Lange galten Smartphones um 300 Euro als die mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, dem Durchschnittsnutzer dürften aber längst auch Geräte um 200 Euro problemlos ausreichen, etwa das von uns getestete Moto G5. Für die Premium-Hersteller wird das immer mehr zum Problem - mit Ausnahme von Apple.


Leise purzelt der Preis

 Natürlich sind Tim Cook und sein Team nicht die einzigen, die exorbitante Preise verlangen. aktuelles Spitzenmodell Galaxy Note 8 etwa hat ebenfalls einen UVP von 999 Euro. Der Unterschied: Beim iPhone sind wirklich reihenweise Kunden bereit, diesen Preis auch zu zahlen.

Bei allen anderen hat der Preisverfall dagegen ein erschreckendes Tempo angenommen. Das Galaxy S8 etwa ist eines der besten Smartphones des Jahres, mit schickem Design, schneller Hardware und einer Spitzenkamera. Kein Wunder, dass Samsung zum Marktstart im April 799 Euro dafür verlangte. Keine drei Monate später gab es das Gerät zu Amazons Schnäppchentag Prime Day aber schon für die Hälfte. Aktuell ist es für etwa 540 Euro zu bekommen. Das iPhone 7 kostet dagegen ein Jahr nach Vorstellung immer noch 40 Euro mehr - obwohl es zum Marktstart mit 759 Euro sogar günstiger war als das S8. 

Nur das iPhone ist preisstabil

Bei anderen Herstellern sieht das Preisgefälle noch drastischer aus. Premium-Geräte aus dem letzten Jahr gehen in Aktionen auch schon mal für 200 Euro über die Ladentheke, so geschehen etwa beim Huawei Mate S. Die Preiskluft zu den aktuellen Premium-Geräten wird so immer größer. Weil die Vorjahresmodelle oft aber kaum schlechter sind als die aktuellen, wird es für die Kunden immer schwieriger, den Aufpreis zu rechtfertigen - und sie greifen zum älteren Modell. Die sinkende Nachfrage drückt dann wieder die Preise der aktuellen Spitzengeräte. Eine Preisspirale nach unten.

Die iPhone-Kunden sind dagegen scheinbar deutlich länger bereit, höhere Preise für Apples Smartphones zu bezahlen. Ob das wegen Apples stimmigen Konzepts von Soft- und Hardware aus einer Hand, aus Markentreue oder Prestige-Gründen geschieht, ist letztlich egal. Fakt ist: Apple kann sich die hohen Preise schlicht leisten - weil die Kunden sie zu zahlen bereit sind. Selbst für Gebrauchtgeräte kann man noch gutes Geld bekommen.

Direkt aus Cupertino: Der Apple-Abend in Bildern: So schick sind iPhone X und Co.
iPhone X Apple

Das 5,8 Zoll große Display nimmt fast die gesamte Vorderseite des iPhone X ein.

Apple sahnt ab

Ganz kann sich aber auch Apple nicht dem Preisdruck entziehen. Die Einstiegs-iPads kosten heute deutlich weniger als früher, auch beim iPhone ist der Einstieg so günstig wie nie. Mit dem iPhone SE gibt es erstmals ein aktuelles Modell zum Marktpreis um 300 Euro.

Weil immer noch genug Kunden zum Premium-Modell greifen, geht die Rechnung für Apple trotzdem auf: Mehr als 79 Prozent der Gewinne im Smartphone-Markt gingen 2016 in die Taschen des iPhone-Konzerns. Die übrigen Hersteller dürfen sich nur noch um die Krümmel des Kuchens streiten. Ob diese Entwicklung auf Dauer im Interesse der Kunden ist, wird sich zeigen müssen.