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Brille, Ring, Kopfhörer: Amazon war bislang nur in unseren Wohnzimmern: Das will der Konzern jetzt ändern

Alexa, das war lange der leuchtende blaue Ring im Echo-Lautsprecher. Diese Zeiten sind endgültig vorbei: Der Konzern bringt nun eine Brille und einen Ring mit eingebautem Sprachassistenten auf den Markt. Der Konzern möchte raus aus den Wohnzimmern und den Alltag der Menschen erobern.

Eine Frau mit dem neuen Echo Loop - ein smarter Ring mit Alexa-Anbindung

Eine Frau mit dem neuen Echo Loop - ein smarter Ring mit Alexa-Anbindung

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Wie sich die Zeiten geändert haben: Als Amazon im Sommer 2015 seinen ersten Echo-Lautsprecher in die Wohnzimmer der Vereinigten Staaten brachte, wurde die Sprachassistentin Alexa noch als Wanze fürs Wohnzimmer verunglimpft. Nun, vier Jahre später, sind smarte Lautsprecher nicht nur salonfähig geworden – die wohlklingenden Frauenstimmen schallen uns nun aus beinahe allen Alltags-Produkten entgegen. Auf Wunsch auch bald die Stimme von US-Schauspieler Samuel L. Jackson, wie Amazon verriet.

Dass Amazon die Wohnzimmer der Welt nicht genug sind, wurde bereits im vergangenen Jahr deutlich, als der Konzern unter anderem eine Alexa-fähige Mikrowelle vorstellte. Deren Erfolg scheint überschaubar gewesen zu sein. Doch davon ließ sich der Konzern offensichtlich nicht entmutigen: Am Mittwochabend deutscher Zeit enthüllte der Konzern im Firmensitz in Seattle einen ganzen Reigen neuer Alexa-Produkte.

Lautsprecher-Flut von Amazon

Natürlich gab es wieder neue Lautsprecher zu sehen. Der Amazon Echo soll nun etwas besser klingen, mit dem Echo Flex gibt es nun ein Modell für die Steckdose und der Echo Dot hat eine eingebaute Uhr. Neu ist der Echo Studio, eine wuchtige Box, deren Klang sich an die räumlichen Gegebenheiten anpassen soll. Damit fordert Amazon nicht nur Apples HomePod und Googles Home Max heraus, sondern auch die Wlan-Lautsprecher von Sonos. Der Preis ist mit 200 Euro durchaus eine Kampfansage, wie gut der Lautsprecher im Vergleich klingt, werden jedoch Tests zeigen müssen.

Die Blicke aber zogen drei andere Geräte auf sich.

Die Brille, die zuhört

Das erste ist eine smarte Brille namens Echo Frames. Der Rahmen ist dicker als bei herkömmlichen Brillen, aber nicht ansatzweise so aufdringlich wie die seinerzeit gefloppte Google Glass. Die Brille nimmt via Bluetooth Verbindung zu einem Smartphone auf - zunächst werden ausschließlich Android-Geräte unterstützt, um darüber dann an Alexa angebunden zu werden.

In den Bügeln stecken kleine Lautsprecher, mit denen man die Ansagen von Alexa hören kann. Auch hier werden Tests zeigen, wie gut man die Sprachassistentin in lauter Umgebung verstehen kann. Die Brille kann auch für das Führen von Telefonaten verwendet werden, unklar ist jedoch noch, ob nur die Alexa-interne Anruffunktion unterstützt wird.

Ring mit ein Tag Akkulaufzeit

Ein Produkt, mit dem wohl niemand gerechnet hat, ist Echo Loop – ein smarter Ring mit Alexa-Anbindung. In ihm sind ebenfalls Mikrofon und Lautsprecher eingebaut. Wie bei der Brille ist dafür ein via Bluetooth verbundenes Smartphone erforderlich. Anders als bei den anderen Echo-Geräten hört der Ring jedoch nicht ständig zu, stattdessen muss Alexa mit einem Knopfdruck aktiviert werden. Wer will, kann den Echo Loop auch zur Nutzung des Google Assistant oder Apples Siri verwenden. Der Ring hat einen Vibrationsalarm, der bei eingehenden Alexa-Anrufen vibriert.

Optisch ist der schwarze Titan-Ring ziemlich aufdringlich, immerhin soll er aber gegen Wasser geschützt sein und muss deshalb beim Händewaschen nicht abgelegt werden. An der Steckdose wird es neben Uhr, Smartphone, Brille und Kopfhörer jedoch bald noch voller, denn die Akkulaufzeit soll bei einem Tag liegen.

Sowohl bei der Brille als auch beim Ring ist noch unklar, ob sie nach Deutschland kommen.

Konkurrenz für die AirPods

Die dritte große Neuerung sind die Echo Buds: Hierbei handelt es sich um kabellose Kopfhörer, die Apples AirPods Konkurrenz machen sollen. Optisch orientieren sie sich jedoch eher an den Galaxy Buds. Amazon verspricht eine Batterielaufzeit von fünf Stunden Musikstreaming. Das Case, das deutlich größer ist als die Ladebox von Apple, fungiert als Ladegerät und soll Strom für weitere 15 Stunden bereitstellen.

Im Gegensatz zu Apples AirPods bieten die Echo Buds eine Geräuschunterdrückung, die Technik dafür stammt von Bose. Angesichts des kompakten Formats dürfte die Geräuschunterdrückung nicht das Niveau der großen, bei Pendlern beliebten Bose-Kopfhörer erreichen. In lauten Umgebungen wie der U-Bahn dürfte man den Unterschied dennoch hören. Preislich sind sie mit 129 Dollar etwas günstiger als Apples AirPods (159 Dollar).

Amazons neue Strategie

Mit den neuen Alexa-Gadgets verfolgt Amazon eine klare Strategie: raus aus den Wohnzimmern. Denn so beliebt smarte Lautsprecher auch sein mögen, Amazon gewinnt mit ihnen nur einen kleinen Einblick in den Alltag der Menschen. Schließlich halten sich die Menschen nur wenige Stunden am Tag im Wohnzimmer oder in der Küche auf. Den Großteil des Tages verbringen sie unterwegs, bei der Arbeit oder schlafend im Bett. 

Der Konzern ist jedoch darauf angewiesen, so viel wie möglich über seine Kunden und – noch wichtiger - deren Bedürfnisse zu erfahren. Mit Brille, Ring oder Kopfhörern begleitet (mancher würden sagen: verfolgt) Alexa die Nutzer auf Schritt und Tritt. Das mag ungewohnt klingen, doch das war auch beim ersten Echo nicht anders. Ob smarte Brillen und Ringe ähnlich erfolgreich werden, wird sich zeigen.

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