HOME

Zukauf von "Dark Sky": Auf die Standard-Wetterapps war nie Verlass – das will Apple nun endlich ändern

Wie ist das Wetter? Auf diese sehr einfach Frage geben die vorinstallierten Wetterapps auf Smartphones sehr unterschiedliche Antworten. Nun scheint Apple das Problem angehen zu wollen – und kauft eine der besten Apps auf.

Auf die Wettervorhersage der Standard-Wetterapps ist oft wenig verlass (Symbolbild)

Auf die Wettervorhersage der Standard-Wetterapps ist oft wenig verlass (Symbolbild)


Getty Images

Eigentlich scheint die Frage so einfach: Welches Wetter herrscht gerade und wie wird es in den nächsten Stunden? Die Antwort der vorinstallierten Wetterapps für iPhones und Android-Smartphones fällt dennoch auffallend häufig unterschiedlich - und oft sogar falsch - aus. Mit dem Kauf einer der besten Wetterapps könnte Apple das endlich ändern. 

Der Kauf kam überraschend. Die in den USA vor allem wegen der genauen Vorhersagen und dem schicken Interface beliebte App "Dark Sky" meldete gestern Abend in ihrem Blog, bald zu Apple zu gehören. Über einen Kaufpreis wird nichts verraten. "Wir können uns keinen besseren Ort vorstellen, um unsere Ziele umzusetzen", heißt es im Blogpost enthusiastisch. Auch was diese Ziele sind, wird verraten: "[...] der Welt die bestmögliche Wettervorhersage liefern, um so viele Menschen wie möglich trocken und sicher zu halten." Das ist bei den Standardapps bisher keine Selbstverständlichkeit.

Darum ist die Vorhersage iso unterschiedlich

Dass die Wetterdaten der Standardapps so unzuverlässig sind, hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Berechnung des Wetters immer noch unheimlich komplex, es fließen Unmengen von Daten ein, die miteinander nach verschiedenen Modellen verrechnet werden. Dabei gab es in den letzten Jahren aber enorme Fortschritte. So ließe sich der Luftdruck auf vier Tage heute genauso zuverlässig vorhersagen, wie früher noch für einen Tag, berichtete der "Guardian" schon vor zwei Jahren.

Die größte Hürde der Wetterapps sind aber die genutzten Wettermodelle. Die Standard-Apps setzen auf das kostenlos nutzbare Modell der US-Wetterbehörde, das Global Forecast System (GFS). Das Problem: Die Daten sind für die deutlich größeren Wetterzonen in den USA optimiert, wo es oft Hunderte Kilometer weit die gleichen Bedingungen gibt. Entsprechend groß ist das Raster: Zwischen neun und 27 Kilometern messen die Raster je nach Vorhersage. Doch was in den Weiten der US-Landschaft gut funktioniert, sei für die kleinteiligen deutschen Regionen viel zu grob, erklärte "c't"-Experte André Kramer der "Welt".

Mediziner erklärt: Coronavirus: Warum mildes Wetter gegen die Viren hilft

Deutsche Apps wie "WeatherPro" setzen dagegen auf die Modelle des Deutschen Wetterdienstes namens ICON oder das europäische Modell ECMWF, deren Raster deutlich enger ansetzt sind. Und tatsächlich: Die Drittanbieter-Apps sind in der Regel präziser, zeigte ein Test von "Computer Bild" im letzten Jahr. Mehr zu den Unterschieden der Modelle erfahren Sie in diesem Text.

Mit "Dark Sky" in eine neue Richtung

Dass auch Apples Übernahme mit diesen Unterschieden zusammenhängen dürfte, liegt auf der Hand. Zwar spielt für den Konzern sicher auch die hübsche und intuitive Oberfläche eine Rolle. Der Kern des in Deutschland nicht erhältlichen "Dark Sky" sind aber die hochpräzisen, "hyperlokalen" Vorhersagen. Um die zu generieren, setzt der Dienst gegenüber den Standard-Apps auf deutlich mehr Datenquellen. Neben den Daten von GFS, ICON und anderen Wetterdiensten sind es vor allem die Daten der Wetterradar-Systeme NEXRAD (USA) und NIMROD (Großbritannien), die in diesen Ländern hochpräzise Vorhersagen ermöglichen. Sollte Apple tatsächlich den Ansatz von "Dark Sky" auf die eigene Wetterapp übertragen, wäre das also ein gewaltiger Schritt nach vorne, der Wetterapps von Drittanbietern das Leben deutlich schwerer machen würde.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Apple die App nicht einfach als Zusatzgeschäft betreiben wird. "Dark Sky" ist in den entsprechenden Ländern normal weiter herunterladbar - aber nur für iOS. Die Android-Version wurde mit sofortiger Wirkung aus dem Play Store entfernt, bestehende Nutzer können die App bis Juli nutzen, kündigte das Unternehmen an. Wer länger gebucht hat, bekommt sein Geld zurück. Eine längere Frist gibt es immerhin für andere Apps, die ihre Wetterdaten von "Dark Sky" beziehen: Sie sollen bis nächstes Jahr Zeit haben, sich eine Alternative zu suchen.

Prominente Apps aufzukaufen, um sie dann in das eigene System zu integrieren, ist für Apple keine neue Entwicklung. Aus der einst eigenständigen App "Workflow" entstand später die Systemfunktion "Kurzbefehle", die beliebte Musikerkennung Shazam ist seit der Übernahme Teil der Sprachassistentin Siri.

Quellen: Dark Sky BlogWeltGuardian, Computer Bild