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Microsoft: Bill Gates erklärt das Scheitern von Windows Mobile - und kann darin auch etwas Gutes sehen

Das Versagen am Smartphone-Markt war für Microsoft ein Scheidepunkt. Nun hat sich Gründer Bill Gates zu den Gründen des Scheiterns geäußert - und erklärt, warum er glaubt, wir würden sonst alle Windows-Smartphones nutzen.

Microsoft-Gründer Bill Gates gibt sich nachdenklich

Microsoft-Gründer Bill Gates gibt sich nachdenklich

AFP

Obwohl Microsoft heute eine der wertvollsten Firmen der Welt ist, hätte es auch ganz anders kommen. Als das iPhone die Spielregeln für die gesamte Computer-Branche änderte, wurden die alten Riesen und vor allem Microsoft überrascht. Die Folgen spürt der Konzern noch heute. Nun hat Bill Gates erklärt, warum der einstige Computer-König bei der Smartphone-Revolution so kläglich gescheitert ist.

"Ich habe das vermasselt", gab der Microsoft-Gründer und langjährige CEO unumwunden zu. Gates saß bei der Dealbook-Konferenz der "New York Times" für ein Interview auf der Bühne. "Ich war zu abgelenkt, deshalb habe ich es vermasselt."

Die Kartellklage als Scheidepunkt

Der Grund für die Ablenkung sei der damalige Kartellrecht-Prozess gegen Microsoft gewesen, erklärt Gates. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir uns ohne den Prozess mehr auf das Betriebssystem hätten konzentrieren können. Und statt Android würden wir nun alle Windows Mobile benutzen."

Schon in der Vergangenheit hatte Gates Microsofts Versagen beim Smartphone als seinen größten Fehler genannt. Nun verriet er aber erstmals, wie knapp das Rennen aus seiner Sicht war. "Wir waren so kurz davor", klagte er im Interview. "Wir waren mit dem System drei Monate zu spät, Motorola veröffentlichte ein Smartphone ohne uns. Und in diesem Spiel geht es eben um alles oder nichts." Bei dem Motorola-Gerät dürfte es sich um das erste Droid-Smartphone gehandelt haben. Es gilt als erster Meilenstein für den gigantischen Erfolg von Android.

Übermacht Microsoft

Auch wenn Gates das so nicht beabsichtigt, bestätigt er mit seiner Aussage ein wichtiges Argument für die damaligen Kartellklagen. Microsoft wurde damals wegen Windows eine zu große Macht zugesprochen, die eigenen Programme und Dienste zu befeuern und so Konkurrenten auszusperren. Hätte der Konzern auch noch das Rennen um den Mobilfunk-Markt gewonnen, wäre diese Macht noch weiter gewachsen. 

Tatsächlich soll die Angst vor Microsofts Mobilstrategie überhaupt erst Googles Bestreben zur Entwicklung von Android ausgelöst haben. Der Suchmaschinen-König befürchtete, auf  Microsofts Mobilsystem ausgesperrt zu werden und so den Zugang zu Millionen von Kunden zu verlieren. Um dem zuvorzukommen, kaufte man das damals noch kleine Projekt Android auf. Und baute so tatsächlich die eigene Dominanz des Mobilfunk-Marktes auf.

Microsoft ist zurück

Trotz des Misserfolgs kann Gates die Episode heute mit Humor sehen. Dabei hilft sicher, dass der heutige Microsoft-Chef Satya Nadella das Unternehmen mit einer neuen Ausrichtung auf Unternehmen und die smarte Cloud so erfolgreich gemacht hat, wie nie zuvor. Statt sich auf die Dominanz des Betriebssystems zu verlassen, funktionieren die heutigen Microsoft-Dienste einfach auf nahezu allen Geräten - und sind so erfolgreicher denn je. Für nächstes Jahr hat Microsoft zudem erstmals wieder ein eigenes Telefon angekündigt. Auf dem wird Android laufen.

"Es sind da nur ein paar Hundert Milliarden", witzelt Gates über das verpasste Mobilgeschäft. Es habe auch etwas Gutes gehabt. Immerhin sei er durch den Misserfolg früher in Rente gegangen und habe sich so seiner Stiftung widmen können. "Sonst hätte ich sicher deutlich länger gearbeitet."

Quelle: Interview, The Verge