VG-Wort Pixel

iPhone-Event Apple hat geliefert – aber reicht das?

Apple CEO Tim Cook stellt das neue iPhone 13 vor
Sehen Sie im Video: Apple präsentiert neues iPhone 13.








Apple Chef Tim Cook hat am Dienstag in Cupertino, im US-Bundesstaat Kalifornien neue Apple-Produkte vorgestellt. Im Fokus stand da vor allem das neue iPhone 13. Nach Angaben der Hersteller soll es einen besseren Bildschirm, bessere Kameras und einen schnelleren Prozessor haben und das Ganze bei einer längeren Batterielaufzeit. Es gibt die Modelle iPhone 13 sowie iPhone 13 Pro, beide jeweils in unterschiedlichen Größen. Die Preise der neuen Geräte beginnen bei rund 800 Euro für das iPhone 13 mini und 900 für das iPhone 13. Das iPhone 13 Pro bekommt man ab 1150 Euro, das Pro Max ab 1250. Neben den iPhones wurden auch neue iPads präsentiert sowie eine weitere Generation der Apple Watch.
Mehr
Bei seiner Keynote unter dem Motto "California Streaming" hat Apple jede Menge neuer Produkte gezeigt. Und obwohl es natürlich die besten iPhones und Apple Watches sind, die der Konzern je gezeigt hat, ist die Begeisterung nicht so groß wie sonst. Das liegt allerdings auch an der sehr hohen Latte, die Apple in den letzten Jahren legte.

Es war - wie immer bei Apple - ein Abend der Superlative. Als Tim Cook und sein Team zur virtuellen Keynote aus der Heimat Kalifornien luden, war klar, dass dort wieder einmal das beste iPhone und die beste Apple Watch aller Zeiten vorgestellt werden wird. Und das wurden sie tatsächlich. Trotzdem dürfte es dem Konzern schwer fallen, den gigantischen Erfolg des letzten Jahres zu übertreffen.

Das liegt erst einmal nicht an den Produkten selbst. Ob das neue Einsteiger-iPad, das überarbeitete iPad Mini, die neue Apple Watch Series 7 oder die vier Modelle des iPhone 13: Alle Neuvorstellungen sind die jeweils beste Version der jeweiligen Geräte. Alle haben gute, sinnvolle Neuerungen bekommen. Doch im Vergleich zu den Sprüngen der Vergangenheit wirken sie etwas blasser.

Hohe Hürden

Da ist etwa die Apple Watch Series 7. Bei der ersten Vorstellung vor sieben Jahren zeigte Apple als erster Hersteller, dass eine Smartwatch mehr als nur Schrittmesser und ein Zweitdisplay für Benachrichtigungen sein kann. Die Apple Watch war ein Schmuckstück. Und ist es auch heute noch. Doch die zaghaften Überarbeitungen der letzten Jahre sorgen dafür, dass die Begeisterung über ein neues Modell einfach nicht mehr so groß ausfällt, als es etwa noch bei der Apple Watch Series 4 der Fall war, als Apple das erste Mal das Display vergrößerte.

Das heißt nicht, dass die Apple Watch Series 7 schlecht ist, im Gegenteil. Mit einem etwas größeren Display, einem leicht runderen Gehäuse und einem verbesserten Schutz vor Staub und Stößen ist sie ohne Zweifel eine Verbesserung gegenüber der Apple Watch Series 6 (eine Übersicht über die neuen Funktionen finden Sie hier). Dass sie trotzdem etwas enttäuscht, liegt an den höheren Erwartungen. Viele Fans hatten sich ein etwas deutlicher sichtbares neues Design gewünscht, Gerüchte sprachen von klareren Kanten, wie man sie vom iPhone 12 oder dem jüngsten iMac kennt. Auch, dass die Watch schon länger keine neuen Fitness-Sensoren mehr bekommen hat, trübt die Freude über das neue Modell. Das heißt nicht, dass sie sich nicht verkaufen wird. Ob sie aber bei Nutzern eines älteren Modells einen solchen Umstiegswillen wie damals die Apple Watch Series 4 auslösen vermag, das steht auf einem anderen Blatt.

Schwere Konkurrenz - vom Vorgänger

Noch schwerer könnten es die neuesten iPhones haben. Auch hier liegt es nicht an den Geräten selbst. Das iPhone 13 und das iPhone 13 Mini sind mit besseren Kameras, einem schnelleren Chip und mehr Akkuleistung ein klarer Fortschritt, bei den Pro-Modellen kommt noch das tolle Promotion-Display dazu, dass die Bildwiederholrate dem Inhalt anpasst (hier erfahren Sie alle Einzelheiten zu den neuen iPhones). Doch das iPhone 12 war mit seinem neuen Design und dem coolen Lade-Magneten Magsafe ein solcher Sprung, dass der Kaufanreiz bei den Kunden ein ganz anderer war. Das spürte auch Apple: Mit der 12er-Generation gelangen dem Konzern lange nicht mehr für möglich gehaltene Verkaufszahlen, selbst im sonst schwachen dritten Quartal - also neun Monate nach Vorstellung - brachen die iPhone-12-Modelle noch Rekorde.

Das größte Manko ist, dass man die stärkste Neuerung nicht sofort auf den ersten Blick versteht. Denn wie so oft, wenn das Design vom Vorgänger-Modell übernommen wurde, setzt Apple auf die Kamera, um die neuen iPhone-Modelle von den Vorjahres-Modellen abzusetzen. Das Ergebnis der Bemühungen kann sich wirklich sehen lassen: Mit größeren Bildsensoren sollen noch präzisere Aufnahmen möglich sein, der tolle Nachtmodus wird nun von allen Kamera-Linsen unterstützt. Noch beeindruckender ist die Fähigkeit, bei Videos den Fokus der Aufnahme zu verändern und so kinoreife Aufnahmen einfangen zu können. Die Berechnung erfolgt bei den Pro-Modellen live in der Kamera-App. Wenn das in Tests wirklich so funktioniert wie angekündigt, würde es die Maßstäbe für Smartphone-Aufnahmen - mal wieder - verschieben.

Selbstgesetzte Maßstäbe

Das Problem ist genau dieses "mal wieder". Denn: Von Apple erwartet man genau diese Verschiebungen des Maßstabes längst. Weil sie dem Konzern immer wieder gelingen. Um echte Begeisterung und Hype auszulösen, könnte es aber vielleicht ein Funken zu wenig sein. So war man fast enttäuscht, als die Keynote nach der Vorstellung des iPhone 13 Pro quasi einfach zu Ende war. Steve Jobs Markenzeichen, das "One more thing", das einen wichtigen Teil von Apples Magie ausmacht, es blieb einfach aus. Da wundert es nicht, dass der Börsenkurs kurz nach der Keynote erstmal leicht nach unten ging.

Am Ende wird Apple natürlich herausragende Verkaufszahlen erreichen. Zumindest im Vergleich zu seiner im Premium-Sektor deutlich schwächeren Konkurrenz. Ob man die eigene, sehr hoch angelegte Hürde reißen kann, ist aber eine andere Frage. Es ist ein bisschen wie beim Fußball: Ein Tor, das bei anderen als unhaltbar gilt, würde man Manuel Neuer dann eben doch vorwerfen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker