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Langeweile statt Vorfreude: Warum die aktuellen iPhone-Gerüchte für Apple nichts Gutes bedeuten

Seit Jahren fiebern die iPhone-Fans dem neuesten Modell entgegen. Doch dieses Jahr ist das große Thema nicht das kommende iPhone 11 - sondern bereits der Nachfolger. Muss Apple sich Sorgen machen?

Für das iPhone standen die Kunden früher Schlange. Jetzt orientiert Apple sich neu.

Für das iPhone standen die Kunden früher Schlange. Jetzt orientiert Apple sich neu.

Picture Alliance

Es ist eine jährliche Tradition: Im September stellt Apple das neue iPhone vor - und in den Monaten davor fiebern die Fans dem Gerät entgegen. Jedes Detail der Gerüchteküche wird fleißig diskutiert, jedes Foto eines Bauteils macht Schlagzeilen. Doch dieses Jahr ist das anders. Die heißesten Gerüchte drehen sich nicht um das kommende iPhone-Modell. Sondern um das von 2020. 

Das könnte auch daran liegen, dass die Gerüchte zum kommenden iPhone relativ langweilig ausfallen. Während Apple früher alle zwei Jahre das Design erneuerte, soll nun zum dritten Mal der Look des iPhone X herhalten. Nur die viereckige Dreifach-Kamera auf der Rückseite soll es optisch absetzen. Die dritte Knipse soll Weitwinkel-Aufnahmen ermöglichen. Natürlich wird das iPhone schneller. Dafür streicht Apple aber wohl 3D Touch.

Insgesamt ein überschaubares Update. Kein Wunder, dass die am heißesten diskutierte Frage aktuell ist, wie Apple die Geräte nennen wird. Neben iPhone 11 sind auch iPhone Pro, iPhone XI oder einfach nur iPhone (2019) im Gespräch.

Vor der Vorstellung veraltet

Die Gerüchte zum Nachfolger im nächsten Jahr sind da ungleich aufregender. Mehreren glaubwürdigen Quellen zufolge soll Apple den Balken ("Notch") am oberen Rand ausmerzen, indem man eine kleinere Frontkamera verbaut, die außerdem die Sensoren für Face ID mit unterbringt. Zudem soll der Fingerabdruck-Sensor zurückkommen - unter dem gesamten Display verbaut.

Die Unterstützung für 5G-Netzwerke, ein Wechsel auf USB-C und eine vollkommen überarbeitete Kamera mit Laser-Unterstützung und 3D-Aufnahmen runden die Sache ab. Da wirkt das 2019er-iPhone schon veraltet, bevor es vorgestellt wurde.

Wer wird warten?

Apple dürfte diese Entwicklung eher nicht gefallen. Bisher hatte noch kein Konzern so sehr davon profitiert, durch die konstanten Drehungen der Gerüchteküche einen Hype für seine Produkte zu erzeugen, ohne auch nur einen Cent dafür zu bezahlen. Viele andere Unternehmen versuchen längst, das zu kopieren. "Versehentliche" Enthüllungen von Smartphone-Teilen gehören mittlerweile zum Branchen-ABC - inklusive absurder Possen. Im letzten Jahr erschienen etwa komplette Reviews zu einem Google-Smartphone, mehr als drei Monate bevor es überhaupt offiziell vorgestellt wurde

Der Effekt der Hype-Maschine könnte aber schnell kippen, wenn sie nicht mehr das Interesse am nächsten Modell erhöht - sondern für den Nachfolger. Warum sollte man schließlich aufgeregt das iPhone 11 erwarten, wenn das nächste Modell so viel besser wird?

Der Markt ist satt

Für Apple kommt dieser Effekt zu einem schlechten Zeitpunkt. Der Smartphone-Markt ist langsam aber sicher gesättigt, vor allem der Luxus-Bereich krieselt. Da Apple sich weiterhin weitgehend auf diesen Sektor beschränkt, sinken die Verkäufe. Das macht sich bemerkbar: Im europäischen Markt sank Apples Marktanteil im letzten Quartal von 17 auf nur noch 14 Prozent, so die Analysten von Canalys. Samsung dagegen konnte mit günstigen Geräten erstmals seit Jahren wieder die 40-Prozent-Marke knacken. 

Ein wichtiger Grund für die Kaufzurückhaltung: Weil die technischen Sprünge zwischen den Generationen im Vergleich zur Smartphone-Anfangszeit merklich kleiner geworden sind, bleiben die Geräte länger im Einsatz. Statt sich jedes oder alle zwei Jahre ein neues Gerät zu gönnen, schlagen die Kunden nur noch seltener zu. Der Hype eines neuen Modells wird als Kaufanreiz damit immer weniger relevant.

Wie sich diese Entwicklung auf Apples Verkaufszahlen auswirkt, wird sich zeigen müssen. Der Konzern hat schon vor einer Weile begonnen, seine Strategie weniger vom iPhone abhängig zu machen. Die Zahl der Kunden, die immer das neueste Modell haben wollen, dürfte in den nächsten Jahren nur noch weiter sinken. Wer von einem älteren Modell kommt, interessiert sich aber womöglich gar nicht so sehr dafür, was das iPhone aus dem nächsten Jahr so kann. Im Vergleich zu einem zwei bis drei Jahre alten Gerät sind die Neuerungen des iPhone 11 dann doch noch ziemlich groß.

Quellen: Apple, Canalys (via 9to5mac)

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