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Neue O2-Handytarife Wie teuer kostenlos wirklich ist


Am Freitag startet O2 neue Handytarife: Sie erlauben kostenlose Telefonate und das Verschicken von unbegrenzt vielen SMS, bezahlt wird nur noch das Datenvolumen. Schnäppchen oder Mogelpackung?
Von Christoph Fröhlich

Telefonieren, so lange man will, und Nachrichten verschicken, ohne mitzuzählen - ab Freitag können das auch Neukunden des spanischen Mobilfunkbetreibers Telefónica, hierzulande besser bekannt unter dem Markennamen O2. Nutzer zahlen in den neuen "O2 Blue"-Tarifen, die ab 1. März gelten, künftig nur noch für Daten. Telefonminuten- und SMS-Kontingente wird es nicht mehr geben. "Wir starten die dritte Revolution im deutschen Mobilfunk", verkündete René Schuster, der deutsche Teléfonica-Chef, großspurig auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona.

Als erster Mobilfunkanbieter orientiere man sich ausschließlich an den "Datenbedürfnissen" der Nutzer, erklärt der O2-Chef auf der weltgrößten Technikmesse für Smartphones und Tablets. Der Einstiegstarif bietet 50 Megabyte für rund 20 Euro. Den Spitzentarif mit fünf Gigabyte und LTE-Speed gibt es für 50 Euro. Doch was bedeuten die neuen Handytarife für die Kunden?

Günstig geht anders

Für Bestandskunden ändert sich erst einmal nichts, sie können ihre alten Verträge - sofern nicht anders gewünscht - weiterführen. Neukunden der populären "O2 Blue"-Tarife hingegen haben keine andere Wahl, als eine Telefon- und SMS-Flatrate zu ihrem Datenvolumen zu buchen.

Das ist nicht unbedingt günstig: Für den kleinsten Tarif werden 20 Euro monatlich fällig, dafür erhält der Kunde 50 Megabyte Datenvolumen. Für moderne Smartphones ist das ein Witz, bereits nach wenigen Youtube-Videos oder Bilderstrecken ist das Volumen aufgebraucht. Anschließend wird auf langsame 32 Kbit pro Sekunden gedrosselt. Zudem ist die Geschwindigkeit auf 3,6 MBit pro Sekunde begrenzt, viele Provider bieten doppelt so hohen Surfspeed.

Der Tarif lohnt sich nur für Kunden, die sehr viel telefonieren und simsen, Wert auf das O2-Netz legen und nur wenig Datenvolumen benötigen. Praktisch ist der Tarif auch für Nutzer, deren Partner kostenlos ins O2-Netz telefonieren können.

Brauchbarer ist der Tarif "All-in M", der 500 Megabyte bietet, dafür aber auch mit 30 Euro monatlich zu Buche schlägt. Mit 7,2 Mbit pro Sekunde ist das Internet relativ schnell. Allerdings gibt es den gleichen Tarif bei der Konkurrenz längst billiger: Die Allnet-Flats von Yourfone, Simyo oder Blau (alle E-Plus-Netz) bieten ein vergleichbares Paket für 24,90 Euro monatlich. Wer auf eine SMS-Flatrate verzichten kann, zahlt sogar nur 19,90 Euro pro Monat. Im Zeitalter von Whatsapp, Facebook-Messenger und Co. ist das eine gute Alternative für Kunden mit kleinem Geldbeutel. Auch im O2-Netz gibt es bereits günstigere Alternativen: Ohne SMS-Flat bekommt man bei Maxxim die "Yourflat" für 19,95 Euro im Monat.

LTE-Speed mit Einschränkungen

Mehr Extras bieten die beiden teureren Tarife: Neben mehr Datenvolumen (zwei beziehungsweise fünf Gigabyte) gibt es das ultraschnelle mobile Internet LTE und sieben beziehungsweise 14 Tage kostenloses Roaming. Das dürfte vor allem für Auslandsreisende interessant sein. Die LTE-Unterstützung nützt hierzulande aber nur wenigen etwas: O2 unterstützt in Deutschland nur die 800er- und 2600er-Megahertz-Frequenz. Das iPhone 5 beispielsweise versteht LTE aber nur auf der 1800er-Frequenz, die derzeit ausschließlich die Deutsche Telekom bietet. Zwar unterstützen immer mehr LTE-Smartphones - beispielsweise das Sony Xperia Z - alle hierzulande verwendeten Frequenzen, die Geräte sind aufgrund ihrer hohen Preise aber noch nicht sehr verbreitet.

Hinzu kommt, dass O2 bislang nur in wenigen Großstädten das schnelle LTE-Netz anbietet: Derzeit können O2-Kunden in Dresden, Leipzig, Frankfurt, Köln und Nürnberg auf den schnellen Mobilfunk der vierten Generation zugreifen. Ab Ende März soll das Netz auch in Berlin und München freigeschaltet werden. Außerdem ist das O2-LTE-Netz auf 50 Megabit pro Sekunde begrenzt, die Deutsche Telekom bietet bis zu 100 Megabit in mehr als 100 Städten - ist dafür aber auch teurer.

Evolution statt Revolution

Die versprochene Revolution sind die neuen Tarife nicht. Vielmehr sind sie längst überfällig: Seit Jahren geht der Trend weg vom Telefonieren zu mehr Datenvolumen. Ein Smartphone werde durchschnittlich 83 Minuten täglich genutzt, hieß es auf der O2-Pressekonferenz. Aber nur sieben Minuten davon seien Telefongespräche. Mit normalen Telefonaten verdienen die Anbieter kaum noch Geld, dank Whatsapp und Co. verlieren auch SMS-Pakete immer mehr an Bedeutung.

Eine wirkliche Veränderung des Mobilfunkmarkts ist das neue O2-Portfolio auch deshalb nicht, weil der Konzern zwei der alten Tarife unter neuem Namen fortführt, bei denen Telefonminuten und Kurzmitteilungen nicht im Grundpreis eingerechnet sind. Deshalb entpuppen sich die vermeintlich kostenlosen Dreingaben und die laut eigener Aussage "sehr aggressiven" Preismodelle von O2 in Wahrheit als laues Lüftchen im Mobilfunkmarkt.


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