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Handy-Verträge: Neue Masche bei O2: Wer kündigt, muss draufzahlen

Wenn Kunden zu schnell kündigen, ist das den Handy-Providern ein Dorn im Auge. Bei O2 hat man sich nun eine Gegenmaßnahme ausgedacht. Sie ist an Kundenunfreundlichkeit kaum zu überbieten.

O2 hat derzeit offenbar große Probleme beim Kundenservice

O2 hat in letzter Zeit vermehrt Probleme beim Kundenservice

Update 9. Januar 2018: O2 hat mittlerweile auf eine Anfrage des stern zu der Streichung reagiert. Hier erfahren Sie mehr.

Geht es darum, Handy-Tarife zu verkaufen, locken die Provider gerne mit Rabatten, senken etwa die Grundgebühr für die ersten 24 Monate. Das führt dazu, dass viele Verträge nach den ersten beiden Jahren teurer werden. Bleibt man seinem Provider treu, lassen sich die Rabatte nur durch eine Kündigung neu verhandeln. Viele Kunden schicken ihre deshalb schon gleich zu Vertragsabschluss los - was die Anbieter natürlich gar nicht schätzen. Bei O2 will man dem wohl einen Riegel vorschieben, mit einer durchaus fragwürdigen Methode.

Der Angriffspunkt sind ausgerechnet die von der Telefónica-Tochter gewährten Rabatte. Während sie bisher wie bei anderen Anbietern einfach zeitlich befristet sind, etwa bis zum Ende der ersten Vertragsperiode nach zwei Jahren oder nur für die ersten sechs Monate gelten, findet sich nun in manchen Verträgen eine deutliche Einschränkung: Sobald der Kunde kündigt, sind die Rabatte sofort futsch.

Vertrag gekündigt, Rabatt weg

Das berichtet die Tech-Seite "Caschys Blog" unter Berufung auf Kunden und O2-Mitarbeiter. In einem Screenshot aus einem Kundenkonto ist dort die neue Formulierung zu finden: "Dieser Rabatt entfällt, sobald uns eine Kündigung ihres Vertrages zugeht, spätestens jedoch nach Ablauf von 24 Monaten." Kündigt man sehr früh, kann das richtig ins Geld gehen. O2 schafft also einen Anreiz, bis zum letzten Moment zu warten, um die Rabatte so lange es geht zu behalten.

Bisher sind nach dem Bericht nur Treuerabatte betroffen, also solche, die bei der Rückgewinnung oder der Vertragsverlängerung ausgehandelt wurden. Ob in Zukunft auch Neuverträge mit der neuen Klausel zu erwarten sind, ist unklar. O2 hat sich auf unsere Anfrage bis zum Veröffentlichungs-Zeitpunkt nicht geäußert. 


O2 kämpft um seinen Ruf

Was sich der Konzern von der Maßnahme genau erhofft, kann nur spekuliert werden. Kunden, die regelmäßig kündigen, um bessere Bedingungen zu bekommen, werden sich auch von solchen Bestrafungen kaum abhalten lassen und einfach später kündigen - vorausgesetzt, dass ihnen die Klausel bewusst ist. Einige dürften sich die Rabatte zwar mit einer schnellen Kündigung zerschießen, ein gigantisches Sparpotenzial dürfte aber selbst das für den Konzern nicht darstellen. Merkbare Ergebnisse würde es wohl erst dann geben, wenn alle neuen Verträge auf diese Weise die Rabatte kürzen würden. Ob das die Wut der Kunden wert ist, steht auf einem anderen Blatt.

In den letzten Monaten war O2s Kundenservice vor allem mit Negativschlagzeilen aufgefallen. Nach dem Zusammenschluss mit E-Plus klagten viele Kunden über Empfangsprobleme, die Hotlines waren teilweise gnadenlos überlastet. Der Konzern versuchte, mit einem weniger starkem Drosseln nach Erreichen des Inklusivvolumens sowie größeren Datenpaketen neue Kunden zu gewinnen. Ob solch kundenunfreundliche Klauseln bei der Rettung des Rufes hilfreich sind, darf bezweifelt werden.

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