HOME

Blu-Ray: DVD-Nachfolger enttäuscht

Obwohl die Bild- und Tonqualität der Inhalte viel besser sind als bei DVDs, bleibt das Nachfolgeformat Blu-Ray hinter den Erwartungen zurück. Analysten bezweifeln den schnellen Durchbruch der Speicherscheibe für hochauflösende Videos. Die Prognosen der Experten sind ernüchternd.

Von Björn Maatz

Blu-ray wird kurzfristig kein Verkaufsschlager - selbst die Industrie gibt die Probleme inzwischen offen zu. Sony kann in diesem Jahr trotz deutlicher Preissenkungen sein Ziel nicht erreichen und weniger als die angepeilten fünf Millionen Blu-ray-Spieler weltweit verkaufen, lässt Konzernchef Howard Stringer mitteilen. Analysten rechnen in den kommenden Jahren mit steigenden Verkaufszahlen. Diese werden sich im Vergleich zur herkömmlichen DVD allerdings noch lange auf niedrigem Niveau bewegen. Die weltweite Konjunkturschwäche bremst Blu-ray zusätzlich aus.

Mit Sony dämpft einer einer der überzeugtesten Verfechter des neuen Formats vorm Weihnachtsgeschäft die Hoffnung auf einen kurzfristigen Blu-ray-Erfolg. Erst zum Jahresanfang hatte sich das von dem japanischen Elektronikkonzern angeführte Blu-ray-Konsortium gegen das rivalisierende HD-DVD-Lager um Toshiba durchgesetzt. Zwar kann eine Blu-ray-Scheibe mit maximal 50 Gigabyte bis zu zehnmal mehr Daten speichern als eine DVD und bietet damit die Voraussetzung für die Wiedergabe hochauflösender Filme (HD). Doch die Marktdominanz der DVD ist bislang noch eklatant: In diesem Jahr werden nach Schätzung des britischen Marktforschungsinstituts Screen Digest weltweit mehr als 2,3 Milliarden DVDs verkauft. Die Absätze von Blu-ray-Scheiben beziffern die Experten mit rund 51 Millionen. Erst ab 2010 erwarten die Marktforscher rückläufige Stückzahlen der herkömmlichen DVD.

Blu-ray steht zudem in Konkurrenz zu anderen Speicherformen: Schon heute gibt es USB-Sticks mit 32 Gigabyte, die weniger als 100 Euro kosten. "Blu-ray ist vielleicht das letzte optische Speichermedium", sagte Philips-Chef Gerard Kleisterlee der FTD. Und Analyst Richard Cooper von Screen Digest meinte: "Medien wie Blu-ray werden auf lange Sicht überflüssig."

Vorzüge sind offenbar nicht selbsterklärend

Mit Livepräsentationen etwa in Kinos versucht die Industrie, Verbrauchern den Blu-ray-Standard näher zu bringen. Eine Sony-Sprecherin sagte: "Es ist derzeit die wichtigste Aufgabe der Unterhaltungselektronikindustrie, Konsumenten die Technologie und die enormen Vorteile des Formats zu erklären." Selbsterklärend sind die Vorzüge im Vergleich zur herkömmlichen DVD - besseres Bild, mehr Speicherplatz - offenbar nicht. "Viele Konsumenten verstehen wenig davon, wie sie hochauflösendes Fernsehen empfangen können oder was genau Blu-ray ist", sagte Laurence Meyer von der Marktforschungsfirma Jupiter Research. Zudem geben sich viele Menschen offenbar mit dem bisherigen Fernsehbild zufrieden und scheuen Investitionen in die neue Technologie.

"Viele Verbraucher sind heiß auf Blu-ray", sagte dagegen Thilo Röhrig. Kein Wunder: Röhrig ist Vorsitzender des Interessenverbands Blu-ray Group Deutschland. "Wer Blu-ray einmal erlebt hat, möchte die Qualität nicht mehr missen", sagte Michael Wagner, Produktmanager bei Panasonic. Doch das partielle Interesse reicht nicht, um die Absatzzahlen schnell hochzutreiben. "Wir glauben, dass Blu-ray mittelfristig nicht so erfolgreich sein wird wie die DVD", sagte Jupiter-Research-Analyst Meyer.

Sonys trojanisches Pferd

In diesem Jahr werden nach Prognosen von Screen Digest weltweit 12,6 Prozent der Haushalte ein TV-Gerät besitzen, das hochauflösendes Fernsehen wiedergeben kann. 2010 sollen es 22,6 Prozent sein. In dem Jahr werden aber nach den Angaben der Marktforscher erst 7,5 Prozent der Haushalte über die passende Blu-ray-Hardware verfügen.

Jedoch besitzen auch einige Haushalte Blu-ray-Abspielgeräte, ohne damit vorrangig Filme zu gucken: Sony hat seine Playstation 3 mit einem entsprechenden Laufwerk ausgestattet. "Das war das trojanische Pferd", sagte Analyst Cooper von Screen Digest. So habe der Elektronikkonzern Blu-ray im Unterbewusstsein einiger Käufer verankert. Doch Sonys Spielkonsole allein reicht bei Weitem nicht, um Blu-ray weltweit als Nachfolger der DVD zu etablieren.

Für den großflächigen Erfolg müssen außerdem die Preise sinken. "Blu-ray wird erst zum Massenprodukt, wenn die Einstiegsgeräte für weniger als 100 Euro zu haben sind und Konsumenten damit ihren DVD-Player ersetzen", sagte Analyst Meyer. In niedrigeren Preisen sieht auch Stan Glasgow, Chef von Sonys US-Elektroniksparte, das geeignete Mittel: Günstigere Filme auf der Blu-ray-Disc könnten auch den Absatz der Abspielgeräte beschleunigen.

FTD
Themen in diesem Artikel