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Boxensysteme: Raumklang aus dem Balken

Clevere Boxensysteme gaukeln dem Hörer Mehrkanalsound vor, obwohl der Ton nur aus einem schmalen, schicken Modul von vorn kommt. Alternativen für alle, die hinteren Boxen hassen.

Von Wolfgang Tunze

Lange schien das Problem unlösbar: Einerseits quälen sich aus den winzigen Lautsprechergittern flacher Großbildfernseher meist nur dünne Klänge, andererseits muss für prächtigen Heimkino-Raumklang ein halbes Dutzend Lautsprecher samt Anschlusskabeln im Wohnzimmer verteilt werden - ein in vielen Familien kaum durchsetzbares Vorhaben. Die Branche hat sogar einen passenden Fachbegriff dafür: Der "Wife Acceptance Factor" (WAF), also der Ehefrauen-Akzeptanz-Faktor, sei für so etwas zu gering. Jetzt gibt es einen Ausweg mit höchstem WAF: den "Soundbar" (etwa: Klangbalken). So nennen etliche Hersteller ihre schmalen Lautsprecher-Zeilen, die unter dem Flachbildschirm kaum auffallen und dennoch ebenso plastische, volle Klänge zu liefern versprechen wie klassische Surround-Anlagen.

Zwar lassen die "Soundbars" satte Bässe meist nur in Verbindung mit einem externen Subwoofer ertönen, aber den kann man ohne Klangverlust in einem Regal verstecken. Das Grundprinzip der neuen Lautsprecher ist dasselbe wie bei normalen Surround-Anlagen: Aus dem TV-Signal, von der DVD oder der Spielkonsole erhält die Elektronik fünf Raumklangkanäle (je einen vorne in der Mitte, vorne links und rechts und zwei hinter dem Zuschauer) und ein Bass-Signal - deshalb der Name "5.1".

Ausgefeilte Signalprozessoren erwecken dann mit digitalen Tricks und raffinierter Lautsprecheranordnung in den "Soundbars" den Eindruck, der Klang käme aus allen Richtungen - obwohl dort gar keine Lautsprecher stehen.

Der Schall wird so gebündelt, dass ein perfekter Raumklang entsteht

Die Hersteller gehen dabei ganz unterschiedliche Wege. Yamaha zum Beispiel setzt mit seinem YSP-4000 (um 1300 Euro, einfachere "YSP"-Varianten ab 600 Euro) auf die Soundprojektion. Die Idee: 40 kleine Lautsprecher im "Soundbar" können den Schall bündeln wie den Lichtkegel einer Taschenlampe. Unter Ausnutzung der Schallreflexion an den Wohnzimmerwänden projiziert das Gerät die einzelnen Raumklangkanäle so von allen Seiten und sogar von hinten an die Ohren des Hörers. Ein mitgeliefertes Messmikrofon stellt die Anlage einmalig automatisch auf die räumlichen Gegebenheiten des Besitzers ein - und schon entsteht beeindruckender Surround Sound, wenn das Wohnzimmer einigermaßen rechteckig ist.

Loewe übernimmt die Yamaha-Technik mit seinem Individual Sound Projector (um 1400 Euro) fast baugleich, stimmt aber Design und Bedienung auf die großen Bildschirme aus eigenem Hause ab. Auch Grundig baut ab 2008 einen Soundprojektor, allerdings mit nur 16 Lautsprechern, eingebaut in die neuen Fernseher. Die übrigen Anbieter verlassen sich nicht auf die Reflexion des Schalls an Wänden, sie erzeugen den Raumklangeffekt, indem sie den Schall so verändern, als käme er von einem hinten stehenden Lautsprecher - das Ohr wird getäuscht. Auch dieses Prinzip funktioniert immer noch recht gut.

Von der Musikwiedergabe bis zum Heimkino

Canton etwa bietet mit seinem Modell DM1 (um 1100 Euro) ein Tandem aus flacher Schallzeile und Subwoofer an. Es beeindruckt vor allem durch die hervorragende Qualität bei der Musikwiedergabe.

Der "Soundbar" von Philips namens HTS 8100 (um 900 Euro) wird ebenfalls mit Subwoofer geliefert. Er enthält neben einem Radioteil sogar noch einen DVD-Player, der das Ensemble zum vollständigen Heimkino erweitert. Es positioniert die Klangeffekte von Kino-Soundtracks zwar nicht ganz so genau im Raum wie die Projektionsgeräte, sorgt aber dennoch für echte Heimkino-Atmosphäre.

Das gilt auch für die derzeit kleinste Schallzeile, die DHT-FS3 von Denon (um 1000 Euro). Selbst der Subwoofer steckt in einem ungewöhnlich kompakten, schmalen Gehäuse, das sich leicht in einem Regal verstauen lässt. Selbst wenn Heimkino-Puristen nach wie vor gute Gründe haben, sechs richtige Lautsprecher im Wohnzimmer zu installieren - die smarten Soundriegel sind alles andere als bloße Design-Kompromisse: Sie überzeugen mit echten Surround-Qualitäten und einem Klangvolumen, das die Szenen auf dem Großbildschirm erst so richtig zum Leben erweckt.

Yamaha YSP-4000

Zwei Tieftöner spielen die Bässe ab, 40 kleine Lautsprecher (im Bild ohne Blende) projizieren beim Yamaha YSP-4000 (ca. 1300 Euro) trickreich Raumklang in den Kopf des Zuhörers. Fast baugleich gibt es eine Variante von Loewe

Philips HTS 8100

Beim "Soundbar" Philips HTS 8100 (ca. 900 Euro) wird der Raumklang markentypisch "Ambisound" genannt. Das Gerät enthält auch einen DVD-Player und ein Radioteil - also alles, was man fürs Heimkino braucht

Denon DHT-FS3

Die kleinste klangtechnische Gemeinschaft heißt Denon DHT-FS3 (ca. 1000 Euro). Selbst der sonst klobige Subwoofer steckt hier in einem schmalen Gehäuse - ohne Abstriche beim Raumklanggefühl

Canton DM1

Das Canton DM1 (ca. 1100 Euro) gaukelt den Ohren des Hörers auf pfiffige Weise vor, dass Geräusche von hinten kommen - obwohl sie nur aus der flachen Leiste und dem Subwoofer tönen

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