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Firmenübernahme Colt Single Action Army – die legendäre Waffe des Wilden Westens ist jetzt im tschechischen Besitz

Die Schießerei am O.K. Corral wird regelmäßig verfilmt.
Die Schießerei am O.K. Corral wird regelmäßig verfilmt.
© PR
Ohne den Colt-Single-Action-Army-Revolver wäre der Wilde Westen nicht so wild gewesen. Der "Peacemaker" prägte den Wilden Westen – doch mit der Eigenständigkeit von Colt ist es vorbei.

Der Colt war die Waffe des sogenannten Wilden Westens, daher stammte auch sein berüchtigter Name "Peacemaker". Die berühmteste Schießerei der USA, das Shoot-Out am O. K. Corral in Tombstone am 26. Oktober 1881,  wurde mit dem Colt Single Action Army ausgetragen. Schon in den ersten drei Sekunden starben drei Mitglieder der Clanton-Bande.

"Der 26. Oktober 1881 wird immer als einer der brutalsten Tage in den Annalen von Tombstone markiert bleiben, als Blut floss wie Wasser und menschliches Leben nicht mehr galt als ein Federball, ein Tag, der Zeuge wurde des blutigsten und tödlichsten Straßenkampfes, der jemals an diesem Ort oder sogar in diesem Territorium stattfand," hieß es in der Zeitung "Daily Nugget". Auch der Untergang der 7. Kavallerie unter General Custer am 25. Juni 1876 Little Big Horn wurde von den Schüssen dieser Waffe begleitet.

General Patton mit seinem Colt und Custer Soldaten nutzten den Colt Single Action
General Patton mit seinem Colt und Custer Soldaten nutzten den Colt Single Action
© Commons

Waffe mit hoher Feuerkraft

Jahrzehnte diente der Revolver der US-Army. Er hatte mehrere hervorstechende Vorzüge: Der Colt konnte mit seinen sechs Kammern sechs Schüsse abgeben. Und das zuverlässig, es war unwahrscheinlich, dass der Mechanismus versagte. Die große Länge des Laufes führte zu einer guten Zielgenauigkeit in den typischen Entfernungen bis zu etwa 25 Meter. Sie reichte allerdings nicht für die Kunststücke aus, die später in Hollywood-Filmen vorgeführt wurden. Dazu kam das schwere Kaliber 45. Es war so dimensioniert, dass der Aufprall einen Mann umwarf, mehr noch, es reichte aus, um ein Pferd im Lauf zu stoppen.

Schon im Jahr 1836 ließ Samuel Colt im Februar 1836 seinen ersten Entwurf patentieren. Daraus entstand der erste Serie-Revolver "The Paterson". Die Waffe war einfacher gebaut als frühere Mehrschüsser, die gern auf mehrere Läufe setzen. Aber sie war sehr kompliziert zu laden, dazu musste der Lauf entfernt werden. Aber sie war jedem Vorderlader überlegen. In den späten 1840er-Jahren verbesserte der Texas Ranger Captain Samuel Walker diese Konstruktion und machte sie robust und zuverlässig genug für den Feldeinsatz.

Damals wurden noch keine Metallpatronen benutzt, die nur in die Kammer eingeschoben werden. Jede Kammer musste kompliziert einzeln beladen werden. Das war aber kein Nachteil gegenüber einschüssigen Waffen. Aber im unmittelbaren Gefecht war der Schütze auf die Patronen verwiesen, die schon in der Kammer waren. Mit ihren Modellen florierte die Firma auch nach Colts Tod während des amerikanischen Bürgerkriegs.

Ära der Metallpatrone

In dieser Zeit kam aber auch die noch heute gebräuchliche Metallpatrone auf, hier werden Zünder, Treibladung und Projektil von einer Metallhülse zusammengehalten. Das machte das Laden sehr viel einfacher. Für diese Patronen wurde Colt Single Action Army entwickelt. Doch er konnte sich erst nach einem harten Wettbewerb durchsetzen. Bei den ersten Modellen bemängelte die Army ein zu schwaches Kaliber und einen zu zerbrechlichen Rahmen.

Aber schließlich konnte sich ein verstärktes Modell durchsetzen. Dieser Colt besaß einen Zylinder mit sechs Kammern. Beladen wurde er nicht durch Ausklappen des Zylinders, so wie man aus Gangsterfilmen kennt, die in den 1930er spielen. Er hatte eine Ladeklappe an der rechten Seite. Hier konnten die leeren Hülsen mithilfe einer Stange einzeln ausgeworfen werden und die neuen Patronen eingeführt werden. Diese Prozedur dauert etwas länger, dafür war die Mechanik einfacher und weniger anfällig. Die Achse des rotierenden Zylinders wurde nicht bewegt, die Kammern blieben also immer korrekt justiert. So konnte es kaum zu Klemmern kommen.

Eine Sicherung besaß der Colt nicht. Außer unmittelbar vor einem Gefecht wurden meist nur fünf Kammern geladen, damit der Revolver bei einem Sturz nicht von allein losging. Die Colts der Armee kosteten jeweils 13 Dollar, hatten Holzgriffe und wogen zweieinhalb Pfund. Später wurden die Läufe von 7,5 auf 5,5 Zoll gekürzt. Dazu gab es zivile Varianten. Sie konnten auch die Patronen der populären Winchester verwenden, ein Schütze musste also nur eine Sorte Munition mit sich führen. Die Serienproduktion des Colt Single Action Army endete im 1941 mit der Nummer 357.859. 1956 wurde sie wieder wiederaufgenommen.

Übernahme durch CZG

Der Vorzug des Colts und späterer Revolver, die sich leichter bedienen ließen, lag in der Zuverlässigkeit des Mechanismus. Solange die Waffe regelmäßig gereinigt wurde, versagte sie auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen nicht. Das ist auch der Grund, warum Revolver bei Sicherheitskräften noch bis in die 1970er benutzt wurden. Mit Modellen wie denen von Glock erreichten die Pistolen eine ebenso hohe Zuverlässigkeit und hatten dabei mehr Patronen im Magazin, als ein Revolver in der Trommel fassen konnte. Seitdem sind Trommelrevolver etwas für Nostalgiker.

Nun wurde Colt von CZG übernommen. Die Česká Zbrojovka Group SE (CZG) hat 100 Prozent der Anteile an Colt Holding Company LLC ('Colt') erworben. Colt schlüpft damit unter das Dach eines großen Waffenherstellers und CZG hat eine weltweite bekannte Marke erworben.

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