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General Todd Semonite : Das Army Corps of Engineers bekämpft die Corona-Krise und rettet so auch Trumps Image

Donald Trump inszeniert sich als Kriegspräsident. Eine seiner stärksten Waffen im Kampf gegen das Virus ist das United States Army Corps of Engineers. Derzeit errichtet die Einheit über 100 Krankenhäuser im Land und es werden noch weit mehr.

General Todd Semonite wird in den USA zum Helden der Krise (Archivfoto).

General Todd Semonite wird in den USA zum Helden der Krise (Archivfoto).

Commons

US-Präsident Trump hat die Corona-Krise lange Zeit verharmlost und nichts getan. Doch inzwischen hat Trump die gewaltige Macht der USA entfesselt. Die beiden Kammern des Parlaments haben ein riesiges Hilfspaket auf den Weg gebracht. Trump hat ein Gesetz aus dem Koreakrieg aktiviert, welches es der Regierung ermöglicht, auf alle Ressourcen der Privatwirtschaft zurückzugreifen - zur Not einfach per Anordnung. Und nicht zuletzt steht dem Präsidenten ein Machtapparat zur Verfügung, zu dem es auf der ganzen Welt kein Gegenstück gibt: das US-Militär.

Die Baufirma des Pentagon

In vorderster Linie steht dabei das Corps of Engineers der Streitkräfte. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland nicht. Das United States Army Corps of Engineers (USACE) ist keine kämpfende Pioniereinheit, so wie sie andere Armeen haben. Es ist eine Art von Bauabteilung des Pentagons und etwa 35.000 Mann stark. Die meisten Mitglieder sind Zivilangestellte. Im Katastrophenfall kann die Zahl schnell erhöht werden. Das USACE ist es gewohnt, mit Reservisten, den Truppen der National-Garde und zivilen Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Schell und effektiv

Eine der Leistungen der Einheit war der Bau eines Krankenhauses in einem Kongresszentrum in NYC. In der vergangenen Woche erläuterte der Chief of Engineers, General Todd Semonite, die Vorgehensweise seiner Leute im TV Sender MSNBC. Semonite ist Trump persönlich bekannt, denn das USACE koordiniert auch die Arbeiten an Trumps Herzensprojekt, dem Grenzwall zu Mexiko.

Das USACE baut keine Krankenhäuser nach individuellen Plänen. Das Kommando setzt geübte und erprobte Standardlösungen rasend schnell um. Das ist ein anderer Weg als der, den China und Russland beschreiten. In Wuhan wurden auch Behelfskrankenhäuser gebaut. Aber die Chinesen errichteten außerdem innerhalb weniger Tage zwei komplett neue Gebäude mit jeweils über tausend Betten. In Russland baut die Armee derzeit sechzehn neue Gebäude, häufig als Anbau von bestehenden Krankenhäusern.

Hemdsärmeliger Pragmatismus

Das USACE arbeitet dagegen im ganzen Land an über hundert Behelfskrankenhäusern. Und das Corps nimmt erst Fahrt auf, die Zahl soll weiter gesteigert werden. Die Lösungen des Corps sind von Pragmatismus geprägt. General Todd Semonite erläutert das in einer TV-Konferenz an einem Beispiel. Bei Atemwegserkrankungen ist es wichtig, dass die Atemluft der Kranken nicht alle Räume durchdringt. Doch wie beschafft man schnell Isolierzimmer? In dem man ein Hotel umbaut, sagt der General. Um die Luftzirkulation zu kontrollieren, manipulieren seine Teams Klimaanlagen und Badezimmerlüfter. So wird in den Räumen ein leichter Unterdruck erzeugt. Die Türen werden dann mit Plastikfolie mit Reißverschlüssen versiegelt. Fertig ist das provisorische Isolierzimmer.

In New York hat das Corps ein Krankenhaus gemeinsam mit den Truppen der National Garde errichtet. Weitere werden in den nächsten Tagen folgen.

In New York hat das Corps ein Krankenhaus gemeinsam mit den Truppen der National Garde errichtet. Weitere werden in den nächsten Tagen folgen.

AFP

Einfache Lösungen für schwierige Fragen 

Das Ingenieurkorps folgt dabei der Devise: In kritischen Situationen helfen keine komplizierten Lösungen. Daher werden in den USA keine Gebäude errichtet, das dauert zu lange. Das Corps wählt bestehende Gebäudekomplexe aus. "Wir müssen die Dinge sehr schnell erledigen" sagte Semonite im TV. Die meisten Bundesstaaten würden den Höhepunkt Mitte April erwarten. "Viele Gouverneure sagen, wir brauchen Krankenhäuser in wenigen Wochen. Man kann kein Krankenhaus in ein paar Wochen bauen. Wir gehen in einen bestehenden Gebäudekomplex. Etwas, was schon dasteht und was wir nur modifizieren müssen." Die lokalen Behörden müssen geeignete Standorte auswählen. Tempo sei der Schlüssel, ist der General überzeugt. "Ich werde immer gefragt: Wie schnell muss das gehen. Dann antworte ich: Ich brauche von Ihnen einen Komplex bis heute Abend und drei weitere bis morgen Abend."

"Das Virus stellt uns vor ein super-kompliziertes Problem. Wir haben keine Chance es mit komplizierten Lösungen zu bekämpfen. Wir brauchen etwas Einfaches."

Optimale Nutzung des Bestehenden 

Das Corps arbeitet daher mit nur vier Standardlösungen. "Wir haben keine Zeit, jedes Krankenhaus neu zu planen. Wir gehen entweder in ein College-Wohnheim oder ein Hotel oder aber in eine Sportarena oder Messehalle." Die einen Gebäude haben einzelne Schlafräume, die anderen nicht.

Der Vorteil bei bestehenden Einrichtungen sei, dass es schon eine Versorgung mit Wasser und Abwasser gibt. Der Strom ist vorhanden - auch die Feuervorschriften wurden eingehalten. Die einfachen Lösungen machen es möglich, den Output extrem zu erhöhen. Das USACE muss nur Blaupausen und ein paar Männer schicken, der Rest kann von Kräften vor Ort erledigt werden. An Freiwilligen und Hilfsangeboten mangelt es nicht, aber zu Not kann die Bundesregierung auch jede Firma zur Mitarbeit zwingen. "Wir haben keine Zeit, lange zu verhandeln. Wir müssen unseren Leuten vor Ort vertrauen und dann extrem aggressiv vorgehen."

Quelle: MSNBC

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