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TMS-65U : Russischer Lkw desinfiziert mit der Kraft eines MiG-Düsenjägers

Putin hat eine Militäreinheit nach Italien geschickt. Mit dabei sind auch Desinfektions-LKW – sie töten das Virus mit der Kraft von Düsentriebwerken

TMS-65U  geht brachial ans Werk.

Der TMS-65U geht brachial ans Werk.

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Geschmückt mit russischen Flaggen ist ein Hilfskonvoi der Russischen Föderation von einem Flughafen bei Rom in die Krisenregion nach Bergamo gefahren. Präsident Wladimir Putin hat entschieden, Italien zu helfen, schickte aber keine zivilen Ärzte, sondern eine Einheit des Militärs. In dem Konvoi befinden sich Mediziner, ein Labor zur Untersuchung von Viren und einige Exemplare des verrücktesten Fahrzeugs der russischen Armee: Moskau hat Desinfektions-Lkw vom Typ TMS-65U entsandt. .

Basis des TMS-65U ist ein 6x6 Lkw vom Typ Ural 4320 . Erstmals wurde das Fahrzeug 1977 gebaut, vor einigen Jahren lief die Produktion aus. Der Ural gilt allerdings als unverwüstlich. Der Lkw trägt einen Behälter mit einer Tonne Desinfektionsmittel. Die Besonderheit ist aber das Gerät, mit dem das Mittel versprüht wird. Dazu dient nämlich ein ehemaliges Düsentriebwerk. Das Klimov VK-1-Turbojet-Triebwerk, das bereits in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Kampflugzeugen vom Typ MiG-15 seinen Dienst tat  

Robuste Technik 

Die Fahrzeuge können massive Rauchschleier legen und werden zur Reinigung von kontaminierten Fahrzeugen benutzt. Bei laufendem Triebwerk wird das Reinigungsmittel in die ausgestoßene Luft eingebracht und dann mit hohem Druck und extrem kraftvoll ausgestoßen. Der Beifahrer kann die Turbine schwenken. So kann die Reinigung von großen Flächen oder vielen Fahrzeugen sehr schnell geschehen. Der Spritkonsum des Triebwerks dürfte im zivilen Leben, etwa bei der Straßenreinigung, nicht akzeptabel sein, doch bei den wenigen echten Einsätzen dieser Einheiten fällt der Verbrauch weniger ins Gewicht.

Auf die Idee zu diesem Upcycling ist man in der UdSSR gekommen, als die Flugzeuge, in denen das Triebwerk verbaut war, aus dem Dienst ausschieden. Unter anderem wurde es auch zum Antrieb von Eisenbahnwagen eingesetzt. In Ungarn wurde mit dem stärkeren Triebwerk aus der MiG-1 die "Big Wind"-Feuerwehr entwickelt, um brennende Ölquellen auszupusten.

So kurios die russische Maschine auch wirkt, so ist doch zu erwarten, dass sie Nachahmer finden wird. In Spanien wird daran gearbeitet, Schneekanonen auf Lkws zu montieren und sie so umzurüsten, dass sie ebenfalls große Flächen desinfizieren können.

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