Ein Verkehrsflugzeug selbst steuern? Diesen Traum haben viele Menschen. Die Herausforderung des Fliegens beginnt jedoch schon vor dem Abheben, wenn die Rollkontrolle zum Beispiel sagt: „Taxi to holding point runway two five center via taxiways Lima, Echo, cross runway two five right, then via November. Hold short runway two five center.“ Bitte was?
Wie bewegt man ein Verkehrsflugzeug auf einem Großflughafen überhaupt von der Parkposition zur Startbahn, ohne dabei mit einem Lampenmast zu kollidieren oder anderen Flugzeugen in die Quere zu kommen? Sich zu verfahren, kann kompliziert werden, denn ein Flugzeug hat keinen Rückwärtsgang. Und selbst wenn es einen hätte: Wer möchte schon mit einem 31 Meter langen und 35 Meter breiten Vehikel ohne Rückspiegel rangieren? Das sind in etwa die Abmessungen eines Airbus A321.
Unfälle auf dem Vorfeld oder englisch „Apron“ sind keineswegs selten. So starben auf dem US-Flughafen LaGuardia im März dieses Jahres zwei Menschen, als ein Jet der Air Canada nachts auf dem Vorfeld auf einen Lkw prallte. Ein Jahr zuvor rempelten sich auf dem gleichen Flughafen zwei Verkehrsflugzeuge beim Rollen an. Auch das mit 583 Toten bisher schwerste Unglück in der Verkehrsluftfahrt ereignete sich am Boden: Am 21. März 1977 stießen auf Teneriffa eine Boeing 747 der KLM und ein Jumbojet der Pan Am zusammen. Die KLM-Maschine war im Begriff, ohne Freigabe zu starten und kollidierte im dichten Nebel während des Abhebens mit der noch auf der Startbahn rollenden Pan-Am-Maschine.
Die Katastrophe veränderte die Abläufe auf dem Vorfeld grundlegend, insbesondere den Funk. Um Missverständnisse zu vermeiden, kommunizieren Turm, Bodenkontrolle und Piloten nur noch in klar festgelegten Sprechgruppen miteinander. So wurde das vor dem Teneriffa-Desaster übliche „Ready for take off“ des Piloten durch ein „Ready for departure“ ersetzt. Den Begriff „take off“ darf nur noch der Fluglotse als „Cleared for take off“ verwenden.
Neben dem Funk gibt es zahllose Schilder, Farbcodes und Bodenmarkierungen, die bei der Orientierung auf dem Vorfeld helfen. Wir haben die wichtigsten davon für Laien entschlüsselt. Denn auch als Passagier kann es beim Blick aus dem Fenster ganz spannend sein, an den Schildern abzulesen, wo auf dem Rollfeld man sich gerade befindet – und wie lang etwa die Startstrecke ist.