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Elektrische Heizung Flächenspeicherheizung: Der Notfallplan für den Zitterwinter ohne Gas

Flächenspeicherheizung: Geldscheine stecken in einer FHeizung.
Wenig Gas, hohe Kosten: Eine Flächenspeicherheizung könnte helfen, Geld zu sparen.
© diephosi
Die Flächenspeicherheizung ist die Weiterentwicklung der Nachtspeicherheizung. Sie galt lange als verpönt, ist aber alles andere als ein Notnagel, wenn das Gas knapp wird. Welche Kosten die Flächenspeicherheizung mit sich bringt, welche Modelle es gibt und worauf Käufer achten müssen. 

Inhaltsverzeichnis

Die Speicher sind leer, der Gaspreis oben. Grund dafür sind die Sanktionen des Westens gegen Russland wegen dessen rechtswidrigen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Einen bis zu fünffachen Anstieg des Gaspreises fürchten Experten auf die Deutschen im Winter zukommen, dreht der Kreml den Gashahn ganz oder teilweise zu – wie jetzt geschehen. Nur zehn Prozent der möglichen Menge fließt aktuell (Stand 27. Juli 2022) durch Nordstream 1.  Leisten können sich den hohen Gaspreis die wenigsten. Selbst Besserverdiener dürften schief schauen, wenn sie die Heizperiode ihrer Stadtvilla statt 5.000 Euro satte 25 Riesen kostet. Grund genug für die Politik, den Bürgern das Gassparen aufzuerlegen. Alternativen müssen also her.

Auf politischer Ebene gibt es die in Form des Frackings, des Ausstiegs vom Ausstieg aus der Atomkraft, der Wiederinbetriebnahme abgeschalteter Kohlekraftwerke oder gar der Inbetriebnahme von Nordstream 2 und der damit verbundenen Aufhebung der Sanktionen, um den Gaspreis zu drücken. Allen gemein sind zwei Dinge: Erstens sind sie politisch schwer oder überhaupt nicht zu vermitteln, und zweitens haben die Bürger, denen es an die Tasche geht, keinen Einfluss darauf, was die von ihnen gewählten Vertreter nun als sinnigsten Weg erachten, Klimaziele und Wirtschaftskrieg gegen Russland unter einen Hut zu bringen.

Die Alternativen zur Gasheizung

Kein Wunder also, dass sich viele Menschen nach alternativen Heizmethoden umschauen. Viele gibt es nicht. Die Erdöl-Heizung steht vor dem Aus und wird nicht mehr verbaut. Eine elektrische Wärmepumpe kann die Lösung sein, wird staatlich gefördert, arbeitet aber nur effizient mit einer Fußbodenheizung und ist teuer (um die 8.000 Euro) in der Anschaffung und Entsorgung der alten Heizung. Der Anschluss ans Fernwärme-Netz ist eine gute Option, Heizkosten zu sparen, verursacht aber ebenfalls hohe Kosten.

Circa 5.000 Euro für den Anschluss plus die Entsorgung der alten Heizung müssen Interessenten aufwenden und Verbraucher sind der Monopolstellung und Willkür des örtlichen Fernwärmebetreibers ausgesetzt. Der erhöht dann gerne mal die jährlichen Gebühren ums Dreifache, wie der Bayrische Rundfunk berichtet. Außerdem entstehen noch immer rund 40 Prozent der Fernwärme in Deutschland aus Gas. Wer gerade keine 5.000 Euro oder mehr für Anschluss und Entsorgung der alten Heizung übrig hat, kann als Zwischenlösung auf die elektrische Heizung setzen. 

So funktioniert die Flächenspeicherheizung

Es gibt verschiedene Elektroheizungen. Als Direktheizungen gelten klassische Elektroheizungen und Infrarotheizungen. Direkt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sie Strom verbrauchen, wenn Sie heizen. Das Besondere an der Infrarotheizung ist, dass sie Wärmestrahlen aussendet und so eine bestimmte Fläche heizt. Im Vergleich dazu "lädt" sich die Flächenspeicherheizung ähnlich wie die Nachtspeicherheizung auf und kann (einmal aufgeladen) Wärme unabhängig davon abgeben, ob sie gerade Strom zieht oder nicht. Möglich macht das ein mineralischer Speicherkern. Vom Verbrauch nehmen sich die unterschiedlichen Elektroheizungen nichts. 

Kosten pro Quadratmeter

Eine Flächenspeicherheizung kostet je nach Leistung und Größe zwischen 600 und 900 Euro. Als Faustregel gilt, 100 Watt pro Quadratmeter einzurechnen. Ein 20 Quadratmeter großer Raum braucht also eine 2000 Watt starke Heizung. Eine Flächenspeicherheizung, die mit 2000 Watt arbeitet und fünf Stunden braucht, um den Speicher aufzuwärmen, zieht also 10 Kilowattstunden aus der Dose. Bei einem Preis von 33 Cent pro Kilowattstunde verursacht das Kosten pro Tag (und Raum) von 3,30 Euro. Bei 180 Heiztagen wären das 594 Euro pro Heizung/Raum im Jahr.

Plus etwa 800 Euro für die Heizung ergibt das Kosten von 1394 Euro für einen 20 Quadratmeter großen Raum, was bei einer 60 Quadratmeter großen Wohnung inklusive Erstanschaffungskosten 4182 Euro entspricht. Bleibt die Frage, wann sich die Investition gegenüber anderen Heizungstypen rechnet und das hängt sowohl vom Gas- als auch vom Strompreis ab. Um einzelne Räume zu wärmen und ansonsten die Heizung herunterzustellen, kann sich eine Anschaffung je nach Einzelfall aber trotzdem lohnen. 

Flächenspeicherheizung für Räume bis 10 Quadratmeter

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Besonders viel Auswahl bietet sich Käufern einer Flächenspeicherheizung nicht. Wer nicht zu einem NoName-Produkt greifen will, sollte sich die AeroFlow-Modelle der Firma Thermotec anschauen. Das Unternehmen produziert seine Heizungen in Deutschland (Sachsen). Schön: Für die Modelle gibt es Zusatzmaterial wie Rollen, falls Sie die Heizung nicht an der Wand montieren wollen. Das ergibt natürlich nur bei den kleineren Modellen Sinn wie der Mini-AeroFlow mit 650 Watt Leistung. Der Hersteller selbst gibt an, dass sich die Heizung für Räume zwischen 4 und 9 Quadratmeter eignet. 

Für Räume von 10 bis 20 Quadratmeter

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Zur nächstgrößeren Version greifen Sie für alle Räume bis 20 Quadratmeter. Übrigens: Alle Heizungen können Sie per Smartphone-App steuern. Die gibt es natürlich für iOS und Android.

Für Räume von 15 bis 30 Quadratmeter

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Für Räume von 15 bis 30 Quadratmeter empfiehlt der Hersteller seinen mittelgroßen Heizkörper. Wenn Ihnen die Steuerung der einzelnen Heizungen zu umständlich ist, gibt es auch ein Internetmodul, mit dem Sie alle Heizungen in der Wohnung bedienen können. 

Für Räume von 20 bis 40 Quadratmeter

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Und klar, wie soll es anders sein: Besonders große Räume brauchen eine große Heizung. Laut Hersteller eignet sich die AeroFlow Maxi mit 2450 Watt Leistung für Räume bis zu 40 Quadratmeter. Wichtig: Im Lieferumfang aller Heizungen ist lediglich eine Aufhängevorrichtung für die Wandmontage enthalten. Standfüße müssen separat gekauft werden.

Zubehör

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Zu den Heizungen bietet der Hersteller verschiedenes Zubehör an. Wenn Sie eine mobile Heizung brauchen, gibt es Rollen, die Sie unter der Flächenspeicherheizung montieren können. Über ein Internetmodul, das Sie mit Ihrem Router verbinden, lassen sich die Heizungen per Smartphone-App regulieren. Das können die Heizungen zwar auch von Haus aus, aber mit dem Internetmodul lassen sich alle gleichzeitig bequemer steuern. Ist Ihnen die Bedienung mehrerer Heizungen per App zu umständlich, können Sie auch einen Funksender benutzen.

Die Vorteile der Elektroheizung

Elektroheizungen stehen in Verruf, besonders verschwenderisch zu heizen. Im Vergleich zur Gasheizung mit Warmwasser ist das aber nur eine gefühlte Wahrheit, denn die ist bei genauer Betrachtung eine schlimmere Energieschleuder. So geht dort die Überschusswärme des Heizkessels verloren. Klar, der wärmt zwar den Raum, in dem er steht, aber meist ist das der Keller und kein Wohnraum. Außerdem geht Wärme beim Transport des Wassers bis zur Heizung in den Rohren verloren. Die Elektroheizung hingegen erzeugt die Wärme direkt vor Ort.

Bedeutet: Die Kilowattstunde in der Elektroheizung kommt direkt als Wärme heraus. Und das macht die Elektroheizung pro Kilowattstunde effizienter als herkömmliche Gasheizungen mit Warmwasser. Außerdem entfallen bei Elektroheizungen Wartungskosten für Kessel, Schornstein & Co. Daneben profitiert eine Elektroheizung auch direkt von Solarpaneelen und Stromspeichern. Wer die auf seinem Dach verbaut weiß, könnte in der Elektroheizung eine willkommene Alternative entdecken – wenn genug Strom durch die Sonne erzeugt wird. Das ist in den Wintermonaten natürlich nicht immer der Fall.

Einen Vorteil bietet die Elektroheizung aber noch und der interessiert Allergiker besonders: Normale Heizkörper sorgen für Luftverwirbelungen. Dadurch befindet sich mehr Hausstaub in der Luft und es entsteht eine "Wärmewand" im Raum. Bei Elektroheizung passiert das deutlich weniger.

Flächenspeicherheizung: Eine Umweltsünde?

Jein. Wenn Sie einen Stromtarif mit 100 Prozent Ökostrom haben, ist die E-Heizung theoretisch keine schlechte Sache. Nun gibt es aber mehrere Probleme. Im Winter ist es gar nicht so leicht, auf erneuerbare Energie zu setzen, denn Solarpanel bekommen in der Heizperiode häufig nicht genug Licht ab, um daraus ausreichend Energie für die Heizung zu gewinnen. Bleiben Windräder. In der Theorie gut, nur leider nicht so gut für die Netzstabilität. Zur Erinnerung: Das Stromnetz ist ein hochkomplexes System. Es muss dauerhaft und stabil 50-Hertz-Wechselstrom liefern.

Zu große Schwankungen im Stromnetz sorgen dafür, dass unter Umständen Maschinen der Industrie (wie beispielsweise Öfen) den Dienst versagen. Diese Schwankungen entstehen leider durch die dezentrale Stromzufuhr, also durch erneuerbare Energien. Setzen nun besonders viele Menschen auf Flächenspeicherheizungen, weil sie Gas sparen wollen, braucht es ein Stromnetz, das gerade dann viel und stabil Strom liefert, wenn die Menschen ihre Heizung aufladen.

Da der Wind leider nicht pustet, wenn wir das gerne hätten, ist unser Stromnetz der Stabilität halber auf Kraftwerke angewiesen, denn Gas-, Kohle- oder Atomkraftwerke liefern auf Knopfdruck und nach Bedarf mehr oder weniger Strom. So absurd es klingt: Klimafreundlich ist es, wenn Atomkraftwerke diese Stabilität herbeiführen, auch wenn das eine CO2-neutrale Umweltsauerei bleibt. Wer besonders klima- und umweltfreundlich heizen will, sollte auf Fernwärme aus erneuerbaren Energiequellen setzen. Da liegt Deutschland aber weit hinter Ländern wie Dänemark. Alternativ ginge auch Biogas. Das kann leider nicht in so großer Menge produziert werden, dass alle Menschen damit heizen können. Bleibt die Wärmepumpe. Elektrisch betrieben, gilt hier das Gleiche wie bei der Flächenspeicherheizung. Gut, wenn der Strom aus Erneuerbaren kommt.

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Quellen: NDR.de youtube.com/lightaspec youtube.com/br24


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