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SpaceX: Gwynne Shotwell – diese Frau bringt die Raketen von Elon Musk ins All

Elon Musk ist ein Visionär. Aber damit Weltraumtechnik funktioniert, braucht es eine Macherin. Gwynne Shotwell ist Maschinenbauerin, kommt aus der Raumfahrtindustrie und ist die Frau, die SpaceX zusammenhält.

Gwynne Shotwell ist die wirkliche Raketenfrau von SpaceX.

Gwynne Shotwell ist die wirkliche Raketenfrau von SpaceX.

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Elon Musk steht im Rampenlicht. Ob bei Tesla oder SpaceX. Breitbeinig und mitreißend führt er das weltweite Publikum durch seine Firmen und seine Visionen. Der größte Popstar der Hightech-Industrie. Und sich auch nicht zu fein, einen obskuren Party-Flammenwerfer für 3000 Dollar anzupreisen.

Space-X ist die Vision von Eon Musk, aber nicht sein Baby, denn die Firma wird von einer Frau zusammengehalten. Ganz anders als der extrovertierte Musk ist die Nummer zwei, Gwynne Shotwell, eine Macherin. In einem ihrer seltenen privaten Bekenntnisse sagte sie von sich: "Ich habe keinen einzigen kreativen Knochen in meinem Körper. Ich bin eine Analytikerin und ich liebe das.“

Nach ein paar Minuten eingestellt

2002 führte sie ein Ex-Kollege durch die neugegründete Firma SpaceX, dort begegnete sie Musk. Nur ein paar Minuten sprachen sie miteinander. Noch am selben Tag erhielt sie einen Anruf, sie solle sich für die Stelle des Vizepräsidenten für Geschäftsentwicklung bewerben. Shotwell war ein Glücksfall für Musk, zusammen gelten sie als Traumduo. Er der leicht verrückte Visionär und sie die hemdsärmelige Pragmatikerin. Als Shotwell zu SpaceX kam, wussten laut Musk alle anderen zu der Zeit nicht wirklich, wie man Raketen baut – er inklusive. Musk wurde nur selbst Chefingenieur, weil "kein Guter zu uns kommen wollte."

Shotwell hatte damals mehr als zwölf Jahre Berufserfahrung in der Raumindustrie, und zwar im Bereich Technik, nicht im Bereich Businesspräsentationen. Ihr erstes Projekt: "Ich baute ein thermisches Mathematikmodell eines Satelliten, eine Karte, die zeigt, wie verschiedene Heiz- und Kühlkomponenten zusammenwirken, also war das wirklich intensiv technisch und analytisch."

Perfektes Outfit

Gwynne Shotwell nennt sich selbst gern "nerdy" – dabei würde sie optisch durchaus in eine Investmentbank passen. In der Nerd-Company Space-X mit all den T-Shirt- und Sneaker-Trägern fällt sie mit ihrem Business Look auf. Shotwell besitzt einen Abschluss in Maschinenbau und einen Master in angewandter Mathematik – das ist übrigens der Nicht-Nerd-Abteilung der Mathematik – und kleidet sich wie eine erfolgreiche Geschäftsfrau – attraktiv und tough. Lange blonde Haare, weiße Bluse, Blazer, dazu hautenge Röhrenjeans und hohe Schuhe.

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Gutes Aussehen ist ein Muss, erklärte sie einst der "Marie Claire". Als Kind wollte ihre Mutter sie unbedingt für einen Technikberuf begeistern. Also schleppte sie den Teenager am Wochenende zu einer Konferenz der Society of Women Engineers. "Sie sagte mir nicht im Voraus, wohin wir gehen würden, weil ich dann nicht mitgefahren wäre". Gwynne saß widerwillig im Publikum, solange bis ihr eine Rednerin auffiel. "Ihre Schuhe waren wunderbar, ihre Tasche passte." Als Gwynne nach Hause fuhr, beschloss sie; Maschinenbauingenieurin zu werden, wegen der coolen Rednerin.

Alte Kaffeebecher weggeräumt

Bald kümmerte sich Shotwell bei SpaceX nicht mehr die Details des Raketenbaus, sondern um das Management der Firma. Die Legende sagt, dass sie vor wichtigen Meetings in dem Start-up eigenhändig den Konferenzraum aufräumen und aussaugen musste. 2008 wurde sie Präsidentin und leitende Geschäftsführerin von SpaceX. Und ihr gelang mit der Mini-Firma schnell etwas, woran der schillernde Musk wohl allein gescheitert wäre. Sie baute Kontakte zur Regierung und zur Nasa auf.

Im Vergleich zu Space X arbeitet die Nasa wie eine Behörde, doch die vertraute Gwynne Shotwell. 2008 bekam die Mini-Firma einen Auftrag zum Bau einer unbemannten Versorgungskapsel, zwölf Flüge für 1,6 Milliarden Dollar.

Shotwell erinnert sich so an den Moment des großen Durchbruchs. Sie hatte gemeinsam mit Musk die Gespräche mit der Nasa geführt. Plötzlich rief Musk alle damals 150 Mitarbeiter zusammen, um eine Ankündigung zu machen. Shotwell wusste nicht, worum es ging. "Ich dachte nur: 'Was will der kleine Dummschwätzer.' Aber dann sagte er: 'Wir haben verdammt noch mal gewonnen!'

Auf dieser Kapsel basiert auch das jetzige Modell. Die Dragon 2 kann Personen ins All transportieren und soll so die quälende Anhängigkeit der USA vom russischen Weltraumprogramm beenden. SpaceX konnte in dem Rennen der Privatfirmen ins Weltall große Konkurrenten wie Lockheed abhängen. Die Firma hat den Spirit des Newcomers bewahren können, schaffte es wegen der strukturierten Vorgehensweise von Shotwell aber auch, alle nötigen Zertifizierungen schneller als die Konkurrenten zu erhalten.

Traumpaar der Firma

2018 erschütterten Musks Eskapaden wie der Pädo-Tweet das Unternehmen. Mit dem Tweet beleidigte der unbeherrschte Musk den Rettungstaucher Vern Unsworth, der in Thailand in einer Unterwasserhöhle gefangene Kinder geborgen hatte. Gwynne Shotwell stand auch damals immer unverrückbar an seiner Seite. 2018 sagte sie auf einer Weltraumkonferenz in Paris: "Elon ist ein brillanter Mann. Ich wünschte, die Leute würden sich nicht auf solche Trivialitäten konzentrieren." Ihr gelang es damals, SpaceX von den Tumulten und der Vertrauenskrise um Musk abzuschotten. "Ich habe in meinen Jahren der Zusammenarbeit mit ihm gelernt, nicht gegen ihn zu wetten und nicht infrage zu stellen, ob etwas möglich sein kann", so Shotwell. Und Musk über sie: "SpaceX hat das Glück, Gwynne zu haben, und ich fühle mich geehrt, mit ihr zu arbeiten. Ohne ihren herausragenden Beitrag wäre unser Unternehmen nicht dort, wo es heute ist".

Gwynne Shotwell ganz anderer Typ als Elon Musk

Tatsächlich führt Gwynne Shotwell das Unternehmen ganz anders als Musk. In der Coronakrise wütete der auf Twitter gegen die Restriktionen. Shotwell richtete sich ein und arbeitete unter den neuen Bedingungen weiter. Angesichts der Probleme beim Anlauf der Model 3, dem ersten Mittelklasse-Modell von Tesla, zog Elon Musk in die Tesla-Fabrik, schlief kaum, und übte ungeheuren Druck auf sich und andere aus. Daher kamen die Aussetzer des Jahres 2018, wie er später der "New York Times" gestand. Der "Marie Claire" erklärte Shotwell ihre Philosophie so: "Wir wollen nicht, dass die Leute die ganze Zeit 70 bis 80 Stunden pro Woche arbeiten. Das geht nicht. Wir brauchen Leute, die ihr Arbeitspensum selbst kontrollieren. Und sie müssen sich darauf konzentrieren, ihre Arbeit zu vereinfachen und die Aufgabe leichter zu machen, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, um ein Held zu sein. Das kann man nur ein paar Mal durchhalten."

Gwynne Shotwell hat offenbar auch einen Plan-B für die Zeit nach dem Mars. Zur Entspannung würde sie gern Bücher lesen und Serien schauen, verriet sie dem Magazin. Und sie scherzte: "Ich trinke sehr viel Wein." Ihre Farm in Texas wurde bereits so vorbereitet, dass sie eines Tages in ein Weingut verwandelt werden kann.