VG-Wort Pixel

Ukraine-Krieg Mega-Jacht "Madame Gu" sucht Schutz in Dubai: Kritik an Oligarchen-Kumpanei wächst

Jacht "Madame Gu" von Andrei Wladimirowitsch Skotsch
Erfolgreich geflohen: Die "Madame Gu" (IMO: 1011331) von Andrei Wladimirowitsch Skotsch befindet sich in sicheren Gewässern vor Dubai.
Die Welt für Mega-Jachten russischer Oligarchen ist klein – aber es gibt sie noch, die sicheren Häfen. Vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate zeigen sich offen, was die Beherbergung von Schiffen und Geldern betrifft. Allmählich wird das zum Problem für einige Staaten.

Wer die schwimmenden Paläste russischer Milliardäre in freier Wildbahn sehen will, muss nicht lange suchen. Denn Gewässer, in denen den Jachten keine Beschlagnahmung droht, sind rar. So kommt es, dass Oligarchen wie Andrei Melnitschenko oder Andrei Skotsch die Vereinigten Arabischen Emirate als Zufluchtsort ausgemacht haben, andere in der Türkei verharren. 

Im persischen Golf liegen momentan Schiffe wie die "Motoryacht A" und die "Madame Gu". Letztere wurde erst vor wenigen Tagen von Journalisten im Hafen von Dubai ausgemacht, gleich neben dem Schiff "Dubai" (IMO 1006324, mit einem Klick erhalten Sie Details zur Jacht) von Machthaber Muhammad bin Raschid Al Maktum.

Die 150-Millionen-Dollar-Jacht des sanktionierten Oligarchen Skotsch sehen viele als weiteren Beweis dafür, dass sich einige Länder den Sanktionen der westlichen Welt gegen Russlands Elite partout nicht anschließen wollen. Diese Willkommenskultur, die sich auch durch uneingeschränkte Reisefreiheit für Russen in die Emirate äußert, wird inzwischen von immer mehr Staaten offen kritisiert.

USA fordern mehr Zusammenarbeit

Die Nachrichtenagentur AP zitiert die stellvertretende US-Außenministerin für Angelegenheiten des Nahen Ostens, Barbara Leaf: "Ich bin mit der derzeitigen Bilanz überhaupt nicht zufrieden und beabsichtige, dies zu einer Priorität zu machen, um eine bessere Abstimmung der Bemühungen zu erreichen." Gemeint ist die Übernahme der Sanktionen, die in den USA, der Europäischen Union, Großbritannien und zahlreichen anderen Ländern beinahe identisch sind, im nahen Osten aber nicht gelten.

+++ Lesen Sie auch: Mega-Yachten und Protz-Villen sind zu teuer: Oligarchen belasten die Staatskassen schwer +++

Diesen Bestrebungen geht auch der stellvertretende Finanzminister Wally Adeyemo nach, einer der wichtigsten US-Koordinatoren für die Russland-Sanktionsstrategie. Er traf sich mit emiratischen Finanzbeamten und warb für bessere Kooperation. In seiner Rede sagte Adeyemo: "Die Finanzinstitute müssen bei der Abwicklung von Geschäften mit Russland-Bezug äußerst vorsichtig sein."

Helfen Sie den Menschen in der Ukraine
Stiftung stern: Hier spenden

Der Erfolg dieser Appelle bleibt bislang aus. Noch immer machen Oligarchen ihre Schiffe unbehelligt in arabischen Gewässern fest, Berichte über sanktionsbedingte Kontrollen fehlen gänzlich. Und Dubai ist damit nicht allein: Auch rund um die Malediven können sich die Jachten nach wie vor frei bewegen, ebenso gelten die Küsten der Türkei als unbedenkliche Zuflucht.

Türkei, Malediven und Dubai sind beliebt

Denn auch, wenn viele Schiffe seit März ihre Position unerlaubterweise verbergen, zeigt ein Blick auf die zuletzt gemeldeten Standorte oder Berichte über Sichtungen, dass es in den genannten Regionen allmählich voller wird. In den Malediven tummeln sich zum Beispiel Schiffe wie die "Ocean Victory" (IMO: 1011850) von Wiktor Raschnikow, in der Türkei gleicht die Küste einem Exil-Treff der Eliten.

Die Ägäis beherbergt derzeit Ozean-Giganten wie die "Solaris" (IMO: 9819820) und die "Eclipse" (IMO: 1009613) von Roman Abramowitsch, die "Pacific" (IMO: 9569293) von Leonid Michelson, die "Titan" (IMO 1010478) von Alexander Abramow, die "Clio" (IMO 9312535) von Oleg Deripaska und die "Anna" (IMO: 1012983) von Dmitri Rybolowlew. Anders als die Schiffe rund um Dubai und den Gewässern der Malediven, senden viele dieser Jachten sogar regelmäßig, wo sie sind. Einzige Auffälligkeit: Leonid Michelson scheint den Namen des Schiffes in den offiziellen Datenbanken auf "319011300" geändert zu haben – oder es liegt ein Fehler vor.

Ukraine-Krieg: Mega-Jacht "Madame Gu" sucht Schutz in Dubai: Kritik an Oligarchen-Kumpanei wächst

Sind die Jachten erst einmal dort angekommen, gibt es derzeit keine Möglichkeit, die Vermögenswerte zu sichern, einzufrieren oder zu beschlagnahmen. Einzig der Weg in diese Regionen stellt sich immer wieder als Gefahr für die Schiffe heraus. So versuchte auch die "Axioma" (IMO 9571143) von Dimitri Pumpianski, die Türkei zu erreichen, wie der Insider "Esysman Superyachts" auf seinem Youtube-Kanal verrät. Bei einem Zwischenhalt in Gibraltar schnappte die Falle aber zu, Behörden beschlagnahmten das Schiff und bieten es sogar – als erste Oligarchen-Jacht seit Beginn des Krieges – zum Kauf an.

Quelle: AP News, US Finanzministerium, Esysman Superyachts


Mehr zum Thema



Newsticker