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Gefährlichster Tank-Killer der Welt: Javelin – diese US-Rakete fürchten die pro-russischen Separatisten

Sie ist klein, leicht und extrem gefährlich. Einmal abgefeuert sucht die FGM-148 Javelin ihr Ziel selbst. Schwere Panzer greift sie an der verwundbaren Oberseite an. Nun schickt Trump sie in die Ukraine.

Die Rakete beim Abschuss. Im Vordergrund liegt ein weitere Waffe.

Die Rakete beim Abschuss. Im Vordergrund liegt ein weitere Waffe.

Für den unvoreingenommen Beobachter scheint es offensichtlich: Beide Seiten im Konflikt um die abtrünnigen Regionen in der erhalten Hilfe von außen. Die USA unterstützen Kiew bei dem "Anti-Terror-Einsatz" – so die Kiewer-Lesart des Konflikts – und Russland die "Volksmilizen in ihrem Befreiungskampf" – so die Sprachregelung der Separatisten. 

Ende der alten Spielregeln

Allerdings halten beiden Großmächte gewisse Spielregeln ein. Moskau achtet darauf, dass man die Unterstützung nicht allzu direkt nachweisen kann. Daher verfügen die Kämpfer der selbsternannten Republiken meist über Waffen, die schon zur Zeit der UDSSR gebaut worden sind. Die USA bezahlen, trainieren und beraten – senden offiziell aber keine Frontsoldaten und auch keine Waffen, die tödlich sein könnten. Beide Seiten halten einen diplomatischen Sicherheitsabstand. Bei einem stärkeren Engagement wäre es bei einer Eskalation der Kämpfe möglich, dass amerikanische gegen russische Soldaten kämpfen könnten. Das gilt es zu vermeiden.

Anti-Panzer-Rakete: FGM-148 Javelin - der gefährlichste Tank-Killer der Welt
Mit der Javelin - "Wurfspeer" - bleibt das Team beweglich.

Mit der Javelin - "Wurfspeer" - bleibt das Team beweglich.


Die Zurückhaltung der hat Präsident Trump aufgegeben. Er schickt nun tödliche Waffen in die Ukraine. Die gesamte Wunschliste Kiews wird nicht erfüllt, aber die Lieferungen sind eine klare Zäsur in der US-Politik. Exportiert werden sollen Ausrüstungsteile für Scharfschützen und Panzerabwehrraketen – wie US-Medien berichten. Im ewigen Kleinkrieg im Donbass spielen Scharfschützen eine wichtige Rolle, doch militärisch sind die Raketen wichtiger.

Von allen Panzern gefürchtet

Nun könnte eine der am weitesten entwickelten Tank-Killer, die Javelin FGM-148 Javelin, in das Konfliktgebiet geliefert werden. hat die Waffe schon zuvor an Russlands Nachbarn Georgien und die baltischen Staaten gegeben.

Für die Streitkräfte wäre die Javelin eine große Hilfe. In der heißen Phase des Konflikts spielten Panzer eine entscheidende Rolle. Sie haben befestigte Ortschaften quasi sturmreif geschossen. Separatisten und Regierungstruppen verfügten damals zwar auch über Anti-Panzer-Raketen, doch waren sie häufig so alt, dass sie nicht mehr zuverlässig funktionierten.

Die Javelin ist zudem eine Abwehrrakete ganz neuen Typs. Ältere Modelle wie die russische Kornet AT-14 oder die amerikanische TOW werden von einem schweren Launcher mit einem Dreibein aus gestartet. Zwei Soldaten können das System mit Mühe ins Gefecht tragen. Dort müssen sie die Abschussvorrichtung aufbauen und das Ziel während des Anfluges der Raketen anvisieren. Die Javelin ist wesentlich kleiner und leichter. Sie sieht aus, wie der Abschnitt eines Ofenrohres. Ihr Operateur bleibt trotz des Waffengewichts von über 20 Kilogramm beweglich. Er muss nur während des Abschusses anvisieren, danach findet die "Fire and Forget"-Waffe selbst ihr Ziel. Der Schütze geht sofort wieder in Deckung. Ein unschätzbarer Vorteil im Krieg in der Ukraine, der im relativ dicht bebauten Gebiet stattfindet.

Durchschlägt die obere Panzerung

Darüber hinaus fliegt die Javelin nicht direkt auf ihr Ziel zu. Die Waffe sucht eine steilere Flugbahn. Nach dem Start steigt sie 150 Meter in die Höhe und stürzt sich von oben auf den Panzer. Dort ist die Panzerung auch von schwer gepanzerten Main-Battle-Tanks nicht besonders dick. Ein Treffer der Rakete sollte immer durchschlagen. Auf der Oberseite des Tanks fehlen fast immer Elemente einer Reaktiv-Panzerung, die den angreifenden Raketensprengkopf wegsprengen sollen. Überdies sollen selbst die modernsten russischen aktiven Abwehrsysteme wie das Afganit-System des T-14 Armata, Schwierigkeiten haben, einen Gefechtskopf abzuschießen, der sich von oben nähert.

Dazu hat die FGM-148 weitere Vorteile gegenüber vergleichbaren Systemen. So wird die Rakete nicht vom Hauptantrieb aus dem Start-Tubus abgefeuert. Sie wird mit einem sanften Start ausgeworfen und zündet erst in einiger Entfernung. Dadurch lässt sich die Position des Schützen schwerer ausmachen und vor allem kann die Waffe in engen Räumen und Deckungen benutzt werden, ohne dass die eigenen Soldaten vom Feuerstrahl der Rakete verletzt werden.

Die FGM-148 Javelin ist also eine kleine Waffe mit großer Wirkung. Einziges Problem ist der Preis. Mit 80.0000 US-Dollar ist sie teurer als die meisten Ziele, gegen die sie abgefeuert wird.

Was kommt als nächstes?

Die Kiewer-Regierungstruppen hätten im Falle eines neuen heißen Konflikts mit der Javelin eine mächtige Waffe in der Hand. Eine politische Lösung wird mit einer Waffenlieferung allerdings nicht wahrscheinlicher. Vermutlich will Donald Trump mit dieser Geste dem Kreml seine Entschlossenheit demonstrieren. Offen bleibt, wie Putin auf den Raketenexport reagieren wird. Sollte sich Moskau im Gegenzug entschließen, nun auch modernste Waffensysteme in den Donbass zu schicken, dürfte die Javelin weder den Krieg gewinnen können, noch den Frieden wahrscheinlicher machen.