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Kalter Krieg Lockheed A-12 – nach diesem Spionageflugzeug benannten Elon Musk und Grimes ihr Baby

Frontansicht eines Ausstellungsstücks
Frontansicht eines Ausstellungsstücks
© Commons
Die A-12 erreichte dreifache Schallgeschwindigkeit und flog unglaublich hoch. Geflogen wurde sie von CIA-Piloten, erprobt wurde sie in der Area 51. Die A-12 sollte die UdSSR ausspionieren. Doch die sowjetischen Abwehrraketen setzten den Super-Jet schachmatt.

Das Baby von Elon Musk und der Sängerin Grimes trägt den kryptischen Namen X Æ A-12. Der zweite Namensteil "A-12" wurde vom Vater ausgewählt. Es ist eine Referenz an das coolste Flugzeug, so das Paar, die A-12 von Lockheed. Interessanterweise heißt das Kind nicht SR-71, das ist der Name des weitaus bekannteren Nachfolgers der A-12. Beide Maschinen sind Spionageflugzeuge.

1955 stellte die CIA das Vorgängermodell U-2 "Dragon Lady" in Dienst. Es war noch die Ära vor den Spionagesatelliten, die heute eine Torte auf einem Tisch ausmachen können. Damals musste man die UdSSR überfliegen, wenn man Informationen über geheime Projekte bekommen wollte.

Die U-2 flog so hoch, dass sie als unerreichbar für die sowjetische Luftabwehr galt. Mit ihr konnte die CIA in jeden Hinterhof der UdSSR schauen. Beflügelt von dem Erfolg wurde 1959 die A-12 in Auftrag gegeben. Sie trägt zwei Beinamen. "Archangel" ist der imposantere und "Oxcart" der weniger strahlende. Anders als die U-2 sollte die A-12 sehr schnell fliegen. Eine hohe Geschwindigkeit des Ziels mindert die Chancen der Flugabwehr. Und außerdem sollte die A-12 einen besonders kleinen Radarquerschnitt bekommen – von der Größe eines Ochsenkarrens, daher der zweite Spitzname.

Konstruktives Neuland 

Die Konstruktion des Jets stieß auf große technische Schwierigkeiten. Die Spitzengeschwindigkeit von dreifacher Schallgeschwindigkeit erhitzte die Oberfläche auf 480 Grad Celsius, darum wurde die Hülle aus Titan gebaut. Das war damals absolutes Neuland, die Verarbeitung des starren Metalls musste für das Flugzeug mitentwickelt werden. Das Gleiche gilt für Fensteroberflächen und die Abdeckung der Kameras. Konstruktiv war die A-12 ein voller Erfolg. Die Testflüge fanden auf der "Area 51" statt. 1963 erreichte sie mit zwei Pratt & Whitney J58-Turbojet-Triebwerken mit je 32.500 Pfund Geschwindigkeiten von Mach 3,2. Dennoch wurde die gebauten zwölf Maschinen Maschine nie über der UdSSR eingesetzt.

Denn 1960 wurde eine U-2 südlich von Jekaterinburg trotz ihrer Flughöhe von einer Flugabwehrrakete vom Typ S-75 abgeschossen. Der anschließende Prozess gegen den Piloten, der den Abschuss überlebte, wurde zum PR-Desaster für die USA. Denn er machte das völkerrechtswidrige, streng geheime Programm der Spionageflüge bekannt und wurde zu einem Tribunal gegen die USA. 1962 wurden dann noch zwei weitere U-2 über fremden Territorium abgeschossen, eine über Kuba, eine über China. Trotz der besseren Flugeigenschaften und des geringeren Radarquerschnitts erschien es zu riskant, die A-12 auf solche Missionen zu schicken.

Kaum Einsätze

Trotz der technischen Meisterleistung war die A-12 gemessen am ursprünglichen Einsatzzweck ein Misserfolg. Insgesamt flog die Maschine nur 29 Einsätze, die meisten über Vietnam. Und auch dort wurde 1967 eine A-12 von Raketen sowjetischer Bauart attackiert und beschädigt. Es war offensichtlich, dass dreifache Schallgeschwindigkeit nicht vor Raketen schützt. Von sechs abgefeuerten Systemen kamen drei in unmittelbare Nähe der A-12. Trotz aller Genialität, die in der A-12 steckte, wurde das Superflugzeug von den Entwicklungen der sowjetischen Luftabwehr überholt. Der Wettkampf zwischen Abwehrraketen und Jets ist heute so aktuell wie damals. Die USA nehmen an, mit ihren teuren Stealth-Jets jede Luftabwehr der Welt überwinden zu können. Putin hingegen behauptet, dass die russischen Systeme wie die S-400 die "unsichtbaren" Jets aufspüren und vom Himmel holen können.

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Im Schatten der SR-71

1968 wurde die A-12 von ihrem Nachfolger, der SR-71 abgelöst, und außer Dienst gestellt. Es war zu teuer, beide Programme für den gleichen Einsatzzweck parallel laufen zu lassen. In einigen Flugeigenschaften war die A-12 der SR-71 zwar überlegen, aber insgesamt war die Weiterentwicklung das bessere Flugzeug. Der Unterhalt und die Logistik für Einsätze waren einfacher. Die Reichweite der SR-71 war größer, sie konnte mehr Spionageausrüstung mitführen und bot Platz für zwei Mann Besatzung.

Auch die SR-71 war ein Geheimprojekt, noch heute sind viele Daten unter Verschluss. Doch die SR-71 war bei Weitem nicht so geheim wie die A-12, die ausschließlich von Piloten der CIA geflogen wurde. Bei der SR-71 entschied sich die US-Regierung, die Öffentlichkeit über das Super-Flugzeug zu informieren. In der Zeit nach dem Sputnik-Schock und vor der ersten Mondlandung wurden im technologischen Wettkampf mit der UdSSR vorzeigbare Erfolge gebraucht. Die Entwicklung und Einsätze der A-12 blieben der Öffentlichkeit komplett verborgen – und so blieb die A-12 auch stets im Schatten des Nachfolgers.

Überraschendes Detail: A-12 und SR-71 sind schon lange außer Dienst gestellt, doch ihr Vorgänger - die Drachenlady U-2 - fliegt noch immer.

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