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Zukunfts-Projekt Meeres-Energie: Wie Wellen unseren Strom herbeischaukeln sollen

OE Boje 35 beim Bau in Portland. 
OE Boje 35 beim Bau in Portland. 
© PR
Klimaneutrale Energie muss nicht von Windrädern erzeugt werden. Riesige Bojen können die Kraft der Wellen anzapfen. Das Problem: Die Anlagen müssen der zerstörerischen Kraft des Meeres standhalten und stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung.

Wind- und Sonnenenergie sind in aller Munde, die Wasserkraft führt ein Schattendasein. Die klassische Methode, Flüsse aufzustauen, ist in Europa weitgehend ausgereizt. Heutzutage wäre es auch nicht möglich, ganz Täler zu überfluten und die Bewohner zu vertreiben.

Bleibt die Kraft des Meeres. Seit Jahrzehnten wird an Gezeitenkraftwerken gearbeitet, die die unterschiedlichen Wasserstände von Ebbe und Flut ausnutzen. Wirklichen Erfolg hatten diese Bemühungen nicht: Auch wenn diese Art der Energieerzeugung im Prinzip funktioniert, stellte sich heraus, dass das Meer ein besonders feindliches Terrain für technische Installationen ist, und dazu neigt, fest mit dem Boden verbundene Installationen zu zerstören.

In mehr als 150 Ländern wird am 22. April der "Earth Day" oder "Tag der Erde" begangen, der zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Umwelt anregen soll. Die Medien der Bertelsmann Content Alliance, zu denen auch der stern gehört, nehmen den Aktionstag zum Anlass, um unter dem Motto "Packen wir’s an" über Umweltthemen und Klimawandel zu berichten.
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Energie-Ernte auf dem Meer

Bis 2050 könnte 10 Prozent des in Europa benötigten Stroms auf den Meeren erzeugt werden. Ähnlich wie bei Windkraft nehmen europäische Unternehmen hier weltweit eine Spitzenstellung ein. Doch im Vergleich zu Windkraftwerken liegen die Installationen auf dem Meer mehr als 20 Jahre zurück. Während die neuen Windkraftwerke auf die über 20 Jahre langen Erfahrungen im Betrieb großer Windparks zurückgreifen, befinden sich viele Wellen- oder Gezeitenkraftwerke im Stadium erster Prototypen.

Ein Beispiel von mehreren sind die Energie-Bojen der irischen Firma Ocean Energy. Ihre Kraftwerke "zapfen" nicht die Gezeiten, sondern die Wellen an. Vorteil: Das System schwimmt auf den Wellen und reitet die zerstörerische Energie des Meers einfach ab. Die OE-Boje 35 ist eine riesige Schwimmboje mit einem Gewicht von 826 Tonnen.

In einer waagerechten Kammer strömt das Meerwasser ein, darauf baut sich ein senkrechter Turm auf, in dem sich das Wasser je nach Wellenschlag hebt und senkt. Dadurch wird eine Turbine angetrieben und Strom erzeugt.

Mini-Windkraftwerk

Die Probleme der Stromboje liegen in der technischen Umsetzung. Etwa darin, dass die Turbine einen rhythmischen Wechsel der Bewegungsrichtung mitmachen muss. Auch müssen Form der Boje und Größe der Welle aufeinander abgestimmt sein, denn die bewegliche Boje darf die Bewegung der einzelnen Wellen nicht eins-zu-eins nachvollziehen. Wenn sie wie ein Korken auf den Wellen tanzen würde, könnte sie keinen Strom erzeugen. Das derzeit größte Modell, die OE-Boje 35, erzeugt 1,25 Megawatt Strom, der Nachfolger Modell 50 soll bereits die doppelte Menge leisten. Damit erreichen die Boje in etwa die Werte, die auch von großen Windrädern erzeugt werden.

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Ergänzung im regenerativen Energiemix

Das System hat mehrere Vorteile. Da es nicht mit einem Sockel auf dem Boden sitzt, kann das Wasser beliebig tief sein. Die Anlagen müssen sich nicht am Ufer oder in Sichtnähe desselben befinden. Der größte Teil der Boje befindet sich unter Wasser. Eine Bojenfarm fällt also kaum auf. Und natürlich gibt es auf dem Meer keine Nachbarn, die sich beeinträchtigt fühlen. Die natürliche Wellenergie lässt sich, wenn auch mit Schwankungen, Tag und Nacht und über das ganze Jahr ernten. Noch müssen die ersten Versuche von staatlichen Organisationen gefördert werden, doch perspektivisch bietet Meer-Energie das gleiche Potenzial wie Wind- und Sonnenenergie.

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