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Mit Atom-Antrieb zum Mars: Warum die Nasa bald Nuklear-Raketen ins All schicken will

Die Reise zum Mars wird eine immer realistischere Vision. Doch mit herkömmlichen Raketen ist der lange Weg kaum zu schaffen. Die Nasa bastelt deshalb seit Jahren an einer Alternative: Schon in wenigen Jahren soll die erste Atom-Rakete ins All starten.

Auch bei nuklearbetriebenen Shuttles wären klassische Raketen für den Start ins All nötig

Auch bei nuklearbetriebenen Shuttles wären klassische Raketen für den Start ins All nötig

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Donald Trump will ins All - das hat der US-Präsident schon mehrfach sehr deutlich klar gemacht. Neben allerlei Unsinn wie der "Space Force", die die Vereinigten Staaten im All verteidigen soll, brachten die Weltraum-Träume Trumps auch einen Schub für deutlich sinnvollere Ziele. Seit letztem Jahr forscht die Nasa verstärkt an einer vielversprechenden Methode zum Mars zu gelangen. Und setzt dazu auf Atomkraft.

"Man kann mit einem chemischen Antrieb zum Mars kommen. Aber es ist wirklich schwer", erklärte Bill Emrich, der das Nuklear-Programm der Nasa leitet, gegenüber "Wired". "Sobald man weiter als der Mond reisen will, ist ein Kernkraftantrieb viel besser geeignet." Er forscht seit den neunziger Jahren an der Technologie, mit Trumps Drängen hat seine Arbeit klar an Bedeutung gewonnen.

Nuklearer Schub

Die Theorie zu den Antrieben ist schnell erklärt: Mit Hilfe eines Reaktors wird Wasserstoff so stark erhitzt, dass er als Strahl durch einen Kanal geleitet und dann als Antrieb genutzt werden kann. Zum Start von der Erde ist das allerdings ungeeignet. Weil Raketen auf dem Weg heraus aus der Atmosphäre extremsten Bedingungen ausgesetzt sind, ist die Gefahr einer Explosion - und damit einer weltweiten Nuklear-Katastrophe - schlicht viel zu hoch. Stattdessen würde eine herkömmliche Treibstoffrakete ein Nuklear-Shuttle ins All bringen. Erst außerhalb der Atmosphäre würde das dann seinen Atomantrieb anwerfen.

Am Ziel angekommen, hätte die Technologie gleich einen weiteren Vorteil: Sie kann als Energiequelle für eine Raumstation genutzt werden. "Viele Probleme beim Erschließen des Weltraums erfordern eine hochintensive, aber trotzdem kompakte Energiequelle", erklärte Rex Geveden im August dem für die Raumfahrt verantwortlichen US-Gremium. "Für manche dieser Probleme ist Nuklearenergie die beste oder auch die einzige Lösung." Geveden arbeitete früher für die Nasa, nun leitet er die Firma BWX Technologies, die Ende 2017 von der US-Behörde beauftragt wurde, einen funktionierenden Nuklearantrieb für Raumfahrzeuge zu entwickeln.

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Ein “Balls Three” überfliegt eine X-15 im Jahr 1961. Mit drei X-15 wurden 199 Testflüge durchgeführt, um an die Grenze der Atmosphäre vorzustoßen.

Ein “Balls Three” überfliegt eine X-15 im Jahr 1961. Mit drei X-15 wurden 199 Testflüge durchgeführt, um an die Grenze der Atmosphäre vorzustoßen.

Heiße Technologie

Seitdem basteln Gevedens Leute, zu denen auch Emrich gehört, am wichtigsten Problem der Technologie. Die größte Herausforderung ist dabei die Hitzeentwicklung. Bis zu 3000 Grad Celsius erreicht der Wasserstoff. Die wenigsten Materialen halten das aus. Um das richtige zu finden, nutzen Emirch und sein Team starke Elektrizität. "Es ist ein bisschen wie eine gigantische Mikrowelle", erklärt er "Wired". 

Nukleare Antriebe für Raketen wurden bereits Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals erwogen und in mehreren Forschungs-Projekten bis in die Neunziger Jahre vorangetrieben. Auch eine Variante mit Atombomben wurde erwägt. Dabei wird im Vakuum des Alls eine Atombombe in der Nähe des Raumschiffs gezündet, deren starker Impuls das Schiff dann bewegen würde. Der nukleare Pulsantrieb gilt als eine der wenigen bekannten Möglichkeiten, sogar Distanzen bis zu anderen Sternen zurücklegen zu können.

Mit den Forschungsbemühungen der Nasa könnte die Nukleartechnik nun das erste Mal tatsächlich zum Einsatz kommen. Der erste Start könnte nach den Plänen der Nasa bereits 2024 erfolgen. Zuerst soll es testweise zum Mond gehen.

Quellen: Wired, Nasa

mma
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