VG-Wort Pixel

Ukraine-Krieg Entdeckt, getankt, geflüchtet: Roman Abramowitsch lässt zwei seiner Schiffe um die halbe Welt fahren

Jacht "Garcon" von Roman Abramowitsch
Die "Garcon" (IMO 9587051) ist ein sogenanntes Unterstützungsschiff. Das 20-Millionen-Dollar-Schiff ist quasi eine schwimmende Spielzeugschublade und trägt den größeren Schiffen von Roman Abramowitsch allerlei Zeugs hinterher, beispielsweise Helikopter, Jet-Skis oder kleinere Ausflugsbötchen.
© imagebroker / Imago Images
Bereits Anfang April identifizierte die Regierung von Antigua zwei Schiffe als Eigentum von Oligarch Roman Abramowitsch – doch mangels entsprechender Gesetze blieb eine Beschlagnahmung aus. Jetzt befinden sich beide Jachten auf der Flucht.

Der Fall der "Amadea" wird den schwerreichen Oligarchen Roman Abramowitsch aufgerüttelt haben. Obwohl das millionenschwere Schiff von Suleiman Kerimow im Hafen von Fidschi lag, schnappte der lange Arm der Vereinigten Staaten zu und holte das Schiff in Rekordzeit aus dem Urlaubsparadies in den Hafen von San Diego. Kerimow verlor sein Schiff und offenbar sogar ein Fabergé-Ei, das sich an Bord befand.

Ein Schicksal, dem der ehemalige FC-Chelsea-Eigner wohl entgehen will. Schon im April meldete die Regierung von Antigua, dass sich zwei seiner Schiffe, die "Garcon" (IMO 9587051) und die "Halo" (IMO 9794537) im Hafen von St. John's befinden. Das kam heraus, als man sich auf die Suche nach dem Hauptbegünstigten hinter der Briefkastenfirma Wenham Overseas Ltd. gemacht hatte, die beide Schiffe offiziell besitzt.

Erst Marokko, dann wohl Türkei

Dem Branchenportal "Insurance Marine News" zufolge suchte die dortige Regierung daraufhin das Gespräch mit britischen Behörden, um Wege zu finden, die Schiffe einzufrieren oder zu beschlagnahmen. Denn: Antigua hat keine eigenen Sanktionsgesetze, die es ermöglicht hätten, dem Oligarchen den Zugriff auf seine Schiffe zu entziehen. Das meldet der Jachten-Experte "Esysman" in einem Video auf seinem Youtube-Kanal.

Es muss nun wohl doch eng geworden sein – oder der Oligarch braucht seine Schiffe dort, wo seine anderen liegen. Denn wie aus dem Nichts setzten sich die "Garcon" und die "Halo" am Freitag innerhalb einer Stunde mit ungefähr gleichem Kurs in Bewegung. Die "Garcon" steuert Casablanca an, für die "Halo" geht es nach Agadir – beides in Marokko. Derzeit befinden sich beide Schiffe "außer Reichweite", senden also ihre Position nicht mehr. 

Experten vermuten, dass es für beide Schiffe zum Rest der Abramowitsch-Flotte geht. Seine Mega-Jachten "Solaris" (IMO: 9819820) und "Eclipse" (IMO: 1009613) liegen seit Wochen mit eingeschalteten Positionsgebern in türkischen Gewässern – ganz offenbar völlig unbeschwert und ohne Angst vor der Durchsetzung von Sanktionen.

Spielzeugkiste und Mini-Jacht

Sowohl die "Halo" als auch insbesondere die "Garcon" sind aber keine Mega-Jachten wie die großen Schwestern, sondern deutlich kleiner und für bestimmte Zwecke gedacht. Die "Halo" ist eine vergleichsweise kleine Freizeit-Jacht von nur 55 Metern Länge, perfekt geeignet für Aufenthalte in kleinen Buchten, ohne dabei großartig aufzufallen. Wie beim Magazin "Luxurylaunches" allerdings zu sehen ist, mangelt es dem Schiff keinesfalls an Annehmlichkeiten.

Jacht "Halo" von Roman Abramowitsch
55 Meter, relativ unauffällig, perfekt für kleine Buchten: Die Jacht "Halo" (IMO 9794537) von Roman Abramowitsch fällt in seiner Sammlung kaum auf. Ihr Wert wird auf rund 40 Millionen US-Dollar geschätzt.
© Peter Seyfferth / Imago Images

Auf dem Sonnendeck der "Garcon" hingegen macht wohl niemand Urlaub. Das Schiff dient als Beiboot für die großen Pötte, transportiert allerhand Milliardärs-Spielzeug, damit es auf See nicht langweilig wird. Die "Garcon" bietet Platz für einen Helikopter, mehrere kleine Boote, Jet-Skis und vieles mehr. Ein Kran an Deck sorgt dafür, dass alles sicher zu Wasser gelassen werden kann.

Abramowitsch kämpft um seinen Besitz

Obwohl Roman Abramowitsch der russischen Regierung sehr nahesteht, kennt der Oligarch keinen Spaß, wenn es darum geht, dass man ihm seine Reichtümer streitig machen will. Zwar hat der Milliardär seine Schiffe noch unter seiner Kontrolle, Privatflugzeuge und eine riesige Villa befinden sich aber schon in den Händen der Behörden.

Wie "Bloomberg" berichtet, engagierte Abramowitsch Anfang Juli Anwälte der New Yorker Kanzlei "Kobre & Kim", denen er bis zu 1900 US-Dollar pro Stunde bezahlt, damit sie seine Privatflugzeuge, eine Boeing 787-8 Dreamliner und einen Gulfstream G650ER aus der Beschlagnahmung holen.

Quellen: Bloomberg, Esysman, Luxurylaunches, Insurance Marine News


Mehr zum Thema



Newsticker