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Rüstung Rheinmetall will den USA 4000 Schützenpanzer Lynx liefern

Der Lynz hat einen vollautomatischen Turm
Der Lynz hat einen vollautomatischen Turm
© Rheinmetall / PR
Der Schützenpanzer Lynx soll zum Exportschlager für Rheinmetall werden. Ungarn hat sich bereits für den Panzer entschieden. In mehreren Ländern ist der Lyn im Auswahlverfahren. Der größte Auftrag könnte aus den USA kommen, dort soll der Bradley ersetzt werden.

Rheinmetall hat nach den Schützenpanzern Marder und Puma den Lynx entwickelt. Das IFV (Infantry Fighting Vehicle) wurde nicht für die Bundeswehr gebaut, es ist ein Panzer für den internationalen Markt. Der Lynx ist vor allem ein "praktischer" Schützenpanzer, der auf Kosten, Verlässlichkeit und erprobte Systeme setzt.

Bestellt wurde das IFV bereits von Ungarn – 200 Stück. Gemeinsam mit dem US-Partner Raytheon bewirbt sich Rheinmetall um die Nachfolge des US-Schützenpanzers Bradley. Der ist zwar deutlich jünger als das deutsche Pendant, aber inzwischen auch hoffnungslos veraltet.

Kommen Rheinmetall und Raytheon in den USA zum Zuge, wäre das ein Riesenauftrag. Es geht um etwa 4000 Schützenpanzer. In diesem Jahr könnte der Auftrag für eine Konzeptstudie ergehen. In zwei Jahren folgt die Prototypenphase. Sollte Rheinmetall sich in dem Wettbewerb durchsetzen können, werden die Schützenpanzer in den USA produziert.

Bewaffnung plus Infanterie

Ein Schützenpanzer dient anders als ein gepanzerter Transporter (APC) nicht nur dazu, Truppen ins Gefecht zu bringen. Er ist selbst mit einem Hauptturm bewaffnet, von Kampfpanzern wie dem Leopard unterscheidet er sich durch schwächere Bewaffnung und Panzerung. Der Lynx vereint konservative wie auch moderne Elemente. Anders als beim Radpanzer Boxer wird der Schützenpanzer von Ketten angetrieben. Radpanzer sind generell mobiler, benötigen weniger Wartung und können auch lange Strecken ohne Transporter zurücklegen. Kettenfahrzeuge haben dagegen eine bessere Geländegängigkeit und werden bei schweren Schützenpanzern vorgezogen. Auch der russische schwere Schützenpanzer T-15 nutzt das Kettenfahrgestell der Armata-Plattform.

Vom Lynx wurden mehrere Varianten vorgestellt – entweder mit mehr Infanteristen als Passagieren (KF41) oder mit wenigern, dafür aber mit stärkerer Bewaffnung (KF31). Die Besatzung besteht nur aus drei Mann, der Waffenturm arbeitet automatisch ohne Bediener. Das ist insgesamt das Konzept der Zukunft. Nur so ist es möglich, den Schutzraum der Besatzung von der Munition zu separieren. Und die Mannschaft vor den Folgen eines Treffers im exponierten Turm zu schützen.

Im vollautomatisierten Lance-Turm von Rheinmetall kann eine stabilisierte Maschinenkanone im Kaliber von 30 bzw. 45 Millimetern eingebaut werden. Für die US-Ausschreibung wird ein Turm mit einer Kanone im Kaliber von 50 Millimetern verlangt.

Ihr Einsatzbereich beträgt etwa 3000 Meter. Es ist eine wirkungsvolle Waffe zur Unterstützung von Infanterie, nur gegen moderne Kampfpanzer wäre sie machtlos. Zusätzlich kann ein Anti-Panzer-System mit zwei Raketen installiert werden. Raytheon wird TOW-Raketen, die Kojote-Drohne, und ein aktives Schutzsystem, das gelenkte Panzerabwehrraketen abschießt, beisteuern.

Verschiedene Türme sind möglich

Um die Besatzung zu schützen, und um das Auf- und Absitzen der Infanteristen im Heck zu ermöglichen ist der Motor vorn untergebracht. Der Schutz der Besatzung vor Artilleriesplittern, Minen und Sprengsätzen wird unter anderem durch einen doppelten Boden verbessert. Der Treffer eines modernen Kampfpanzers würde die Panzerung allerdings durchschlagen. Der Lynx soll Geschwindigkeiten von über 65 km/h erreichen.

Gleichzeitig wurde die Elektronik des Panzers weiter verbessert. Der Lynx ist in der Lage mehrere Ziele gleichzeitig zu bekämpfen, außerdem soll er eine Drohne einsetzen können. Interessant ist auch ein Sensor-Mikrofon-System, das gegnerische Schützen automatisch lokalisieren kann. Vom Puma hat der Lynx die Modulbauweise übernommen. Es wird relativ leicht möglich sein, verschiedenen Türme für den Schützenpanzer zu entwickeln und den Lynx entsprechend zu bewaffnen.

Fast so schwer wie ein russischer Kampfpanzer

Die Varianten des Lynx wiegen zwischen 38 Tonnen und 44 Tonnen. Der Lynx ist also alles andere als ein Leichtgewicht. Zum Vergleich: Der Leopard 2 wiegt über 62 Tonnen. Das ist deutlich mehr, doch die russischen Kampfpanzer T-90 und T-14 Armata bringen nur 46,5 bzw. 48 Tonnen auf die Waage, bei deutlich stärkerer Bewaffnung.

Schützenpanzer gelten weltweit als Wachstumsfeld, weil ihr Betrieb wesentlich leichter ist als der von schweren Kampfpanzern. Die Kampfwagenkanonen der großen Panzer sind vor allem darauf ausgelegt, andere Panzer zu bekämpfen. In den derzeitigen Konflikten kommt diese Situation kaum vor. für die Unterstützung von Infanterie im urbanen Gelände sind die Schützenpanzer mit ihren schnellfeuernden Maschinenkanonen wesentlich besser geeignet.

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