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Kampf um Mossul: Tödlicher Raketentreffer – so verwundbar sind die schweren Panzer

Videos zeigen die Härte des Kampfes um Mossul. Ein US-Panzer vom M1 Abrams wird von einer Rakete getroffen und explodiert in einem Feuerball. Der Millionen teure Panzer hatte keine Chance gegen eine alte Rakete. Wie ist das möglich?

Der Treffer führte zu einer schwere Explosion an Bord des Panzers.

Der Treffer führte zu einer schwere Explosion an Bord des Panzers.

Der Kampf um Mossul ist in vollem Gange. Die Koalition der Befreier beherrscht – dank der USA – unangefochten den Luftraum. Am Boden ist die Lage trotz der Geländegewinne komplizierter. Mehrere Videos, die die Terrororganisation IS verbreitet, zeigen wie gefährlich die Situation für die irakischen Truppen ist. Auf ihnen ist zu sehen, wie ein schwerer Kampfpanzer vom US-Typ M1 Abrams von einer Panzerabwehrrakete des IS getroffen wird und sofort explodiert. Der Treffer dringt offenbar in die Munitionskammer ein, die Besatzung hatte keine Chance.

Moderner Panzer in älterer Version

Der über 60 Tonnen schwere Panzer sollte seine Besatzung vor so etwas eigentlich bewahren. Der M1 Abrams ist nach wie vor der aktuelle Kampfpanzer der US-Streitkräfte. Erstmals eingeführt wurde er 1979, seitdem wurde er mehrmals modernisiert. Die Iraker haben allerdings nur überholte ältere Versionen zur Verfügung. Das Hauptproblem ist dabei, dass die Panzer offenbar überhaupt nicht mit modernen Abwehrfeatures nachgerüstet worden sind. 

Dan Goure vom The Lexington Institute hat die Rakete als russische Kornet identifiziert. Da Russland die syrischen Truppen auch mit Kornets der dritten Generation beliefert, ist es möglich, dass dem IS eine aktuelle Version in die Hände fiel. Gordon Duff, Senior Editor von Veterans Today, ist allerdings der Meinung, dass es sich um einen sehr viel einfacheren, älteren Raketentyp mit Drahtsteuerung handelt. Die russische Konkurs oder die Milan wären solche Modelle – beides sind Designs aus den 60er und 70er Jahren und keineswegs mit leistungsfähigen Anti-Panzer-Raketen wie die Javelin aus den USA. Schon bei den ersten Kämpfen der Iraker gegen den IS im Jahr 2013 gelang es den Islamisten eine überraschende Anzahl von M1 Abrams-Panzern auszuschalten. So verwundbar dürften die schweren Kampfpanzer kaum in der Lage sein, Infanterie bei Gefechten in bebautem Gelände zu unterstützen.

Kampfpanzer: US-Top-General: M1-Abrams-Panzer ist nicht mehr die Nummer Eins
M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.

M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.

Exponierte Position

Das kurze Video zeigt die Probleme der irakischen Truppen, die von den USA ausgerüstet und trainiert werden. Der angegriffene Panzer verfügt offenbar über keine aktiven Verteidigungssysteme oder Störsender gegen Lenkwaffen. Die syrische Armee wurde von Moskau zumindest teilweise damit ausgestattet. Außerdem gibt es keine reaktive Panzerung, die den Gefechtskopf der Rakete absprengen könnte. Störsender und reaktive Panzerung hätte man relativ leicht nachrüsten können. Ein erfahrener, gut ausgebildeter Kommandant hätte den Tank zudem nicht in diese Situation manövriert. Der M1 Abrams ist offenbar ohne begleitende Infanterie so weit voran geeilt, dass die IS-Kämpfer ihn von hinten – der am wenigsten gepanzerten Seite - treffen konnten.

Ähnliches Video mit russischen T-90

Ein Video aus dem Februar zeigte den Treffer einer US-Rakete vom Typ TOW auf einen russischen T-90-Panzer der syrischen Streitkräfte. Der T-90 war mit einem aktiven Abwehrsystem ausgerüstet, das entweder abgeschaltet war, aber auf jeden Fall nicht reagierte. Dennoch steckte der T-90 den Treffer der TOW weit besser weg. Sichtbar waren schwere Schäden an den Anbauten, aber es war auch zu sehen, dass der Fahrer ausborden konnte. Die eigentliche Panzerung wurde nicht durchschlagen. 


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