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Stealth-Jet gegen Warzenschwein Stealth-Jet gegen Warzenschwein – F35 tritt gegen Oldie an

Der US-Kongress verlangt den Nachweis, dass der Stealth-Jet F-35 zumindest ebenso gut ist wie sein 40 Jahre alter Vorgänger, die A-10. Eine Wettbewerb, bei dem der superteure Jet nur scheitern und das alte A-10 Warzenschwein nur gewinnen kann.

Die Einführung des neuesten Jets der USA, der F-35, wird von gewaltigen Kostensteigerungen, Verzögerungen und einer unglaublichen Pannenserie begleitet. Die Computerprogramme des High-Tech-Jets sind so fehlerhaft, dass er derzeit nicht unter realistischen Bedingungen fliegen und kämpfen könnte. Aber selbst wenn die Probleme behoben werden, blieben die Flugeigenschaften für ein Kampflugzeug bescheiden. Was die Manövrierbarkeit angeht, wird die F-35 nie mit der älteren F-22 oder den aktuellen russischen Jets mithalten können. 

Viele der Probleme der F-35 resultieren aus dem Wunsch, dass nur ein Flugzeugtyp mit leichten Modifikationen fast alle anderen Kampflugzeuge der USA ersetzen sollte. So wollte man enorme Kosten sparen. Das Problem scheint aber zu sein, dass die F-35 zwar viele Rollen einnehmen soll, aber in keinem Bereich durch besondere Leistungen überzeugen kann.

Eines der Aufgaben der F-35 ist die direkte Unterstützung der Truppe im Kampf auf dem Boden. Ein Job, den seit 40 Jahren die A-10 Warthog übernimmt. Der Ruf der A-10 ist legendär. Nach der Iljuschin IL-2 Sturmovik gilt die A-10 als bestes Bodenkampflugzeug der Geschichte. Hier ist die Wachablösung besonders problematisch, denn die A-10 ist kein normaler Kampfjet wie die F-35 sondern eine aufsehenerregend hässliche Sonderkonstruktion, daher auch der Spitzname Warthog - Warzenschwein. Der Ruf des fliegenden Panzers ist so groß, dass selbst der US-Kongress inzwischen bezweifelt, dass die nagelneue F-35 den vierzig Jahre alten Oldtimer ersetzen kann. Im Kongress wurde ein Gesetz eingebracht, um den Ende 2016 geplanten Ruhestand des Boden-Fighters zu verhindern. Demnach sollen etwa 170 Flugzeuge weiterhin einsatzbereit gehalten werden.

Anforderungskatalog des US-Kongresses

Verlangt wird nun der Nachweis, dass der super-moderne Stealth-Jet die Kampfeinsätze übernehmen kann, die die A-10 derzeit in Syrien und im Irak gegen den IS fliegt. Und das ist in der Tat schwer vorstellbar. Die A-10 setzt nämlich nicht nur teure Lenkwaffen aus großer Höhe ab, sondern kann mit der ganzen Palette ihrer Bewaffnung direkt in die Kämpfe eingreifen. Dazu greift sie im extremen Tiefflug an. Möglich ist das, weil der relativ langsame Vogel sehr wendig und extrem gut gegen gegnerisches Feuer geschützt ist. Unter anderem ist die A-10 mit einer siebenläufigen 30-mm-Gatling-Maschinenkanone bewaffnet. Der Rückstoß dieser Waffe ist so groß, dass sie nicht in einem normalen Kampfflugzeug eingesetzt werden kann.

A-10 als fliegender Panzer

Für den Vergleich wurde ein komplexer Anforderungskatalog entwickelt. Ein Punkt fordert beispielsweise: "Die Fähigkeit von Piloten und Flugzeug muss gewährleistet sein folgende Angriffe zu überstehen: Feuer von Infanteriewaffen, Maschinengewehren, tragbaren Luftabwehrraketen und kleinkalibriger Flugabwehrkanonen." Nur wie will die F-35 dem Piloten den gleichen Schutz bieten wie die A-10? Denn in der A-10 sitzt der Pilot in einer gepanzerten Badewanne aus 400 Kilogramm Titan. Eine Idee, die die US-Konstrukteure von der IL-2 Sturmovik übernommen haben. Auch in Punkto Widerstand gegen feindliches Feuer wird die F-35 kaum mit der A-10 mithalten können. Das alte Schlachtross wurde in jedem Detail so konstruiert, dass sie auch nach Treffern weiter fliegen kann. Alle wichtigen Systeme wurden mehrfach ausgelegt, die Triebwerke wurde zum Schutz vor Bodenfeuer oberhalb der Tragflächen angebracht.

Politische Rettung der F-35

Die Stealth-Eigenschaften der F-35 sind der Hauptvorteil des neuen Jets. Sie helfen bei Bodenangriffen in geringer Höhe allerdings nicht, da der Jet dann ohnehin gesehen werden kann. Auch ist kaum vorstellbar, dass die F-35 so langsam fliegen kann, dass sie längere Zeit in Sichtweite über eigenen Truppen kreisen könnte, wie es der Kongress fordert. Der sensible Stealth-Jet soll weiterhin den Nachweis erbringen, dass man ihn wie die A-10 auch auf improvisierten Flugplätzen mit kurzer Landebahn und nu eingeschränkter Wartung einsetzen kann. 

Sollte nicht ein Wunder geschehen, wird die F-35 diese Anforderungen nicht erfüllen können. Nur mit politischen Interventionen wäre es möglich, dass die A-10 doch in den Ruhestand geschickt wird. Nur dann wird aber ab 2017 kein Flugzeug mehr so direkt gegen den IS kämpfen können.

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