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Haushaltsgeräte: Warum smarte Kühlschränke und Waschmaschinen meist ihr Geld nicht wert sind

Smarte Haushaltsgeräte sollen den Alltag erleichtern, und dafür verlangen viele Hersteller einen satten Aufpreis. Doch das Geld kann man sich bei den meisten Marken sparen, wie ein britisches Verbrauchermagazin nun herausfand.

Wäsche wird in einer Waschmaschine gewaschen

Den Aufpreis für smarte Waschmaschinen kann man sich meistens sparen

Saugen, backen, spülen: Hausarbeit kann ziemlich lästig sein. Wie gut, dass aktuelle Haushaltsgeräte über clevere Funktionen verfügen, die den Alltag erleichtern sollen. Das Stichwort lautet Smart Home. Gemeint sind damit Waschmaschinen, die sich per Smartphone steuern lassen oder Wasserhähne, die per Alexa auf Zuruf gehorchen. Klingt cool und praktisch. Doch meist sind die smarten Geräte nicht empfehlenswert, urteilt nun das britische Verbrauchermagazin "Which?"

Das Problem sind nicht die cleveren Zusatzfunktionen selbst, sondern vielmehr der Umgang der Hersteller damit. Denn damit Waschmaschine und Smartphone zuverlässig miteinander kommunizieren, müssen die Schnittstellen sowie etwaige Apps ständig auf dem neuesten Stand gehalten werden. Aktualisieren etwa Apple und Google - beide bilden nahezu die Gesamtheit aller Smartphone- und Tablet-Nutzer ab - ihre Betriebssysteme, sollten die Hersteller der Weißen Ware zeitnah reagieren.

Dies sei jedoch nicht immer der Fall, so die Experten von "Which?". In einigen Fällen seien die Geräte bereits nach zwei Jahren veraltet. Bei langlebigen Produkten wie Kühlschränken, Backöfen und Waschmaschinen ist das besonders ärgerlich.

Wie lange gibt es neue Updates?

Die Verbraucherzeitschrift befragte namhafte Hersteller zu ihren Plänen, Software-Updates herauszugeben, die erforderlich sind, um die Produkte funktionsfähig zu halten. Dabei stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Hersteller angab, sie würden Updates für "die Lebensdauer des Produkts" anbieten - jedoch nicht ins Detail gingen, wie lange das sein soll.

Die Vorstellung der Lebensdauer eines Produktes sind offenbar sehr unterschiedlich. Samsung sagte, das Minimum liege bei zwei Jahren, während Beko ein Maximum von zehn Jahren angab. Andere große Firmen wollten sich auf Anfrage auf keinen bestimmten Zeitraum festlegen. Die BSH-Gruppe - die etwa Geräte von Bosch, Neff und Siemens herstellt - erklärte, man wolle während der gesamten Lebensdauer des Produkts Aktualisierungen bereitstellen. Aber auch hier bleibt unklar, wie lange die Support-Phase am Ende sein werde.

Das löblichste Beispiel sei Miele, so die Verbraucherschützer: Der deutsche Hersteller erklärte, man werde definitiv zehn Jahre lang Aktualisierungen bereitstellen. Ein passender Zeitraum, denn der Untersuchung zufolge halten Geschirrspüler und Waschmaschinen zehn Jahre, bevor sie aufgrund von Fehlern oder schlechter Leistung ersetzt werden. Kühl- und Gefrierschränke und Wäschetrockner schaffen demnach in der Regel elf Jahre.

Natalie Hitchins, Leiterin des Bereichs "Home Products and Services" bei "Which?" erklärt gegenüber dem "Guardian": "Solange die Hersteller sich nicht im Klaren darüber sind, wie lange sie solche Produkte unterstützen werden, wäre es für die Verbraucher vermutlich besser, darauf zu verzichten, intelligente Geräte zu kaufen, die nach nur wenigen Jahren 'dumm' werden könnten. Und sich stattdessen an zuverlässigere und wesentlich billigere nicht-intelligente Alternativen zu halten." Das lohnt sich auch finanziell: Der Aufpreis von smarten zu gleichwertigen, jedoch nicht-smarten Geräten übersteigt schnell die 100-Euro-Marke.

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Hersteller

Kühlschränke als Waffe

Wenn die Hersteller schon nach wenigen Jahren den technischen Support für smarte Funktionen einstellen, ist das nicht nur ärgerlich, sondern womöglich sogar gefährlich. Denn ein mit dem Internet verbundener Kühlschrank kann nicht nur eigenständig neue Milch ordern, sondern bei fehlenden Aktualisierungen auch zur Waffe umfunktioniert werden.

In den vergangenen Jahren attackierten einige Cyberkriminelle immer wieder Webseiten und Dienste, indem sie die Server in sehr kurzer Zeit mit einer Flut von Anfragen überlasteten. Die Angreifer benötigen dafür die Kontrolle über Millionen Computer oder Netzwerkgeräte, die gebündelt unter ihrem Kommando endlos viele Anfragen an das Ziel schicken. Das gelingt ihnen, indem sie einzelne Rechner heimlich mit Schadsoftware infizieren (etwa mit manipulierten E-Mail-Anhängen) und diese zusammenschließen, um die Feuerpower zu erhöhen. Bei einigen Attacken nutzen die Hacker mehr als 20 Millionen Internetanschlüsse.

Um solch stattliche Zahlen zu erreichen, greifen die Kriminellen nicht nur auf infizierte Rechner zurück, sondern auch auf eine Armee aus vernetzten Geräten: Internet-Kameras, Router, Babyphone, Drucker, Festplatten-Rekorder - und eben auch Haushaltsgeräte. Vor allem bei vielen günstigen Geräten werden immer wieder eklatante Sicherheitsmängel festgestellt. So können häufig die Standardpasswörter nicht oder nur mit viel Aufwand geändert werden - ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle.

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