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Futuristisch und smart Dysons neue Luftreiniger gehen Formaldehyd an den Kragen

Den Dyson-Luftreiniger mit Formaldehyd-Sensor erkennt man an dem bronzefarbenen Design
Den Dyson-Luftreiniger mit Formaldehyd-Sensor erkennt man an dem bronzefarbenen Design
© PR
Dyson verkauft neben beutellossen Staubsaugern auch futuristisch anmutende Luftreiniger. Die können seit neuestem sogar Formaldehyd aus der Luft filtern. Günstig sind die Premium-Luftreiniger allerdings nicht.

Saubere Raumluft war lange Zeit ein Nischen-Thema. Das änderte sich schlagartig mit der Corona-Pandemie: Weil sich das Virus vornehmlich über sogenannte Aerosole - winzig-kleine Partikel, die in der Luft schweben - verbreitet, gab es einen regelrechten Ansturm auf Luftreiniger. Die einstigen Ladenhüter wurden den Fachhändlern aus den Händen gerissen, Lieferzeiten von mehreren Wochen waren keine Seltenheit.

Davon profitiert auch Dyson. Der britische Technik-Hersteller ist vor allem für seine beutellosen Akku-Staubsauger bekannt, hat sich mit dem Vertrieb stylisher Raumluftreiniger jedoch ein zweites Standbein aufgebaut. Die sollen nicht nur Krankheitserreger eliminieren, sondern möglichst alles aus der Innenluft ziehen, was man weder riechen noch sehen kann, der Gesundheit jedoch schadet. Dazu gehören unter anderem Feinstaub (PM 2.5 und PM 10), Schimmel, Staub, Pollen und andere Allergene, aber auch Stickstoffdioxid und flüchtige organische Verbindungen (VOCs), wie potenziell schädliche Gerüche aus Reinigungsprodukten oder Farben genannt werden. Eine zusätzliche Aktivkohleschicht bindet Gerüche und Gase.

Dyson versus Formaldehyd

Die neueste Generation der Dyson-Luftreiniger ist nun auch in der Lage, Formaldehyd zu filtern und zu zersetzen. Formaldehyd kann als Klebstoffbestandteil in Holzwerkstoffen enthalten sein, etwa in Bauprodukten und Möbeln, und gilt als krebserzeugend. So entwickelten Ratten in Tierversuchen, welche wiederholt hohe Konzentrationen des Stoffes einatmeten, im Laufe ihres Lebens Tumore in der Nasenhöhle.

Bei Menschen ist die krebserzeugende Wirkung nicht zweifelsfrei bewiesen. In einigen wissenschaftlichen Studien zeigte sich allerdings, dass Menschen, die stärker mit dem flüchtigen Gas in Verbindung kamen, statistisch häufiger Fälle von Krebs in der Nasenhöhle und im Nasenrachenraum entwickelten.

Das Design wirkt futuristisch und minimalistisch
Das Design wirkt futuristisch und minimalistisch
© Christoph Fröhlich / stern

Die Erkennung von Formaldehyd ist nicht trivial, das zeigte vor einiger Zeit auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest (bei der die damals getesteten Dyson-Luftreiniger übrigens nur mittelmäßig abschnitten). Das unsichtbare Gas brachte viele Filter an ihre Grenzen und sorgte in dieser Prüfdisziplin sogar für mangelhafte Noten. In seiner neuen Luftreiniger -Generation namens Purifier Cool Formaldehyde (kostet um die 650 Euro) verbaut Dyson einen auf Formaldehyd spezialisierten Sensor, der sekündlich die Gase im Raum analysiert, um Verwechslungen mit anderen flüchtigen Verbindungen zu vermeiden.

Sensoren anderer Hersteller basieren in der Regel auf Gel, welches mit der Zeit jedoch austrocknet und so über kurz oder lang zu schlechteren Messergebnissen führt. Das verhindert Dyson, indem der eigene Formaldehyd-Sensor als feste elektrochemische Zelle vor Austrocknung geschützt ist. Bei Stiftung Warentest wurde das neue Modell jedoch noch nicht getestet.

Der neue Luftreiniger erfüllt die Anforderungen an die HEPA-13-Norm, sodass 99,95 Prozent der Partikel bis zu einer Größe von 0,1 Mikrometer abgefangen werden und vollständig im Gerät verbleiben. Formaldehyd-Partikel können jedoch deutlich kleiner sein, weshalb eine spezielle Beschichtung auf den Filter aufgetragen wird, welche das Gas zersetzt. Erkennt der Dyson-Lüfter Formaldehyd, fängt er das Gas in seinem katalytischen Filter ab, um es dann in winzige Mengen Wasser und CO2 zu zerlegen, welche wiederum an die Luft abgegeben werden. Das Gerät ist in der Lage, 290 Liter Luft pro Sekunde zu filtern und diese im gesamten Raum zu verteilen. 

Das Display auf dem Dyson-Luftreiniger gibt einen kompakten Überblick der Raumluft-Qualität. Weiterführende Informationen sieht man in der App.
Das Display auf dem Dyson-Luftreiniger gibt einen kompakten Überblick der Raumluft-Qualität. Weiterführende Informationen sieht man in der App.
© Christoph Fröhlich / stern

Der Dyson-Lüfter im Praxis-Check

Der Dyson Purifier Cool Formaldehyde hat ein turmartiges Design und einen blattlosen, ovalen Ventilator auf einer zylindrischen Basis, die sich um 350 Grad dreht, um gereinigte Luft in den Raum zu projizieren. Das sieht nicht nur ästhetisch aus, sondern ist auch sicherer als ein Ventilator mit herkömmlichen rotierenden Flügeln, vor allem wenn der Ventilator für Kinder oder Haustiere erreichbar auf dem Boden steht. 

Es ist ein sehr großes Gerät, in der Höhe misst der Luftreiniger beinahe einen Meter. Die Ausmaße sollten bei der Platzierung im Raum bedacht werden. Der Sockel - der graue Part an der Unterseite - sitzt fest, der Rest des Luftfilters schwingt auf ihm. Das integrierte Display zeigt sämtliche Aspekte der Modi und des Status der Geräte an, von der gesamten Luftqualität über die Einzelwerte bis hin zum Lüftermodus. Die dazugehörige Fernbedienung ist schlicht gestaltet und auf den bronzefarbenen Lüfter abgestimmt. Alternativ können die Einstellungen auch über die Dyson Link App vorgenommen werden, welche für iOS- und Android-Geräte verfügbar ist. 

Der Lüfter kann um 45, 90, 180 und 350 Grad oszillieren, auf Wunsch aber auch keine kühlende Brise erzeugen. Dann wird die gereinigte Luft mit geringer Geschwindigkeit nach hinten gepustet. Der Dyson Purifier Cool Formaldehyde kann in zehn Geschwindigkeitsstufen reguliert werden, wobei er mit jeder Stufe lauter wird. Selbstverständlich gibt es Basis-Funktionen wie einen Timer-Modus für Zeiten, in denen das Gerät laufen und sich dann selbstständig abschalten soll. Insgesamt ist der Lüfter recht leise, nachts kann er auf Stufe 1 vor sich hinsäuseln, ohne dass er den Schlaf stört.

Der Aufbau des Dyson ist selbsterklärend, die Einrichtung erfolgt intuitiv via App. Man hält das Smartphone in die Nähe des Lüfters, beide Geräte koppeln sich - das war es auch schon.

Teure Ersatzfilter

Im Automatik-Modus scannt der Lüfter eigenständig die Luftqualität und dreht bei Bedarf auf. Das funktioniert im Test zuverlässig. Um zu testen, wie schnell der Lüfter anspringt, haben wir im Raum etwa 2,5 Meter entfernt einen Windeleimer geöffnet. In weniger als einer Minute zeigt das Display, was die menschliche Nase schon vernommen hat: die Luft wird schlechter. Eine feuerrote Linie verläuft über das Display. Der Lüfter dreht auf. Auch das Auspusten einer Kerze oder das Brutzeln einer Pfanne entgeht dem Luftreiniger nicht. Wer ein Faible für Zahlen und Verlaufskurven hat, findet in der Dyson-App jede Menge zusätzliche Informationen zur eigenen Raumluft.

Wichtig zu wissen und einer der Hauptkritikpunkte bei Stiftung Warentest: Die teuren HEPA-Filter müssen regelmäßig ausgetauscht werden, damit die volle Filterleistung erreicht wird. Laut Dyson liegt die zu erwartende Lebensdauer bei einem Jahr, in der Realität dürfte das Gerät jedoch nach 8 bis 10 Monaten Alarm schlagen. Die Austausch-Filter sind allerdings sehr hochpreisig und kosten bei Dyson um die 70 Euro. Auf eine Laufzeit von zehn Jahren zahlt man so quasi noch einmal den Gerätepreis. Diese Kosten sollte man beim Kauf mitbedenken.

Fazit: Stylisher Luftreiniger zum Premium-Preis

Wie die meisten Dyson-Geräte sind auch die Luftreiniger mit Formaldehyd-Erkennung nicht gerade günstig. Derzeit kostet das Gerät mehr als 600 Euro. Wenn die Luftverschmutzung in Ihrer Wohnung oder im Haus, insbesondere Formaldehyd, ein Problem darstellt, dann ist dieser Luftreiniger, der Formaldehyd zusammen mit anderen Allergenen und Staub abfängt und vernichtet, womöglich eine gute Investition. Es gibt auch ein kompakteres Modell - den Dyson Purifier Hot+Cool Formaldehyd HP09 - welcher zusätzlich mit einem Heiz- und Kühlgebläse ausgestattet ist. Zieht man die Anschaffung eines Luftreinigers und eines Heizlüfters in Erwägung, hat aber nur wenig Platz, könnte dieses Kombigerät ebenfalls interessant sein.

Andere Hersteller bieten teils deutlich günstigere Luftreiniger, setzen aber meist auf ein klobigeres Design. Beim Look and Feel und der smarten Einbindung von Smartphone und Co. spielt Dyson ganz vorne mit, lässt sich das jedoch entsprechend bezahlen.

Formaldehyd in der Wohnung vermeiden

Die meisten Menschen dürften Formaldehyd als den stechenden Geruch kennen, der gelegentlich beim Auspacken neuer Möbel, Baumaterialien, Teppiche oder Haushaltsgeräte verströmt wird. Auch in einigen Leimen oder Spanplatten findet sich Formaldehyd. Das kann vor allem bei modernen Häusern zum Problem werden, die besser abgedichtet und isoliert sind als Altbauwohnungen.

Häufige Begleiterscheinungen beim Kontakt mit Formaldehyd sind tränende Augen, Übelkeit oder Hautausschlag. Empfehlenswert ist es deshalb, neue Produkte auf dem Balkon oder der Terrasse ausdünsten zu lassen. Je länger, desto besser, denn Formaldehyd dünstet mitunter noch Jahre - von den Bewohnerinnen und Bewohnern unbemerkt - aus.

Wer sich keinen teuren Raumlüfter zulegen möchte, kann Formaldehyd auch auf andere Weise reduzieren. Der wichtigste Tipp ist regelmäßiges Lüften und der Verzicht auf Rauchen oder offene Feuer in geschlossenen Räumen. Neue Textilien sollten vor dem Gebrauch unbedingt gewaschen werden, Babykleider am besten zweimal. Holzspielzeug für Kinder sollte ein Gütezeichen wie den "Blauer Engel", "Goldenes M" oder "ÖkoControl" aufweisen. Bei Kosmetik greift man am besten zu Naturkosmetik, Handwerker sollten auf wasserbasierte Anstrichfarben und Klebstoffe sowie Spanplatten mit der Bezeichnung f0 achten.

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