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Tablet iPad Air 4 im Test: Auf diese Funktion sind alle iPhone-Nutzer neidisch!

Mit 10,9 Zoll Bildschirmdiagonale eignet sich das iPad Air prima zum Lesen von digitalen Zeitschriften.
Mit 10,9 Zoll Bildschirmdiagonale eignet sich das iPad Air prima zum Lesen von digitalen Zeitschriften.
© Christoph Fröhlich/stern
Zu teuer für Einsteiger, zu wenig elegant für Profis: Das iPad Air saß bislang zwischen den Stühlen. Nun gibt es mit der vierten Generation eine Generalüberholung. Der Test zeigt, ob ein echter Leichtgewichts-Champion dahintersteckt oder doch nur ein Luftikus.

Wer ein iPad kaufen wollte, musste sich in der Regel bislang immer zwischen Extremen entscheiden: Altes Design mit dicken Balken oder moderner Look? Abgespeckte Ausstattung oder state of the art Technik? Und vor allem: Günstig oder teuer? Denn während das "normale" iPad für 360 Euro der Bestseller unter den Tablets ist, richtet sich das iPad Pro (ab 820 Euro) an Profis, die ein Tablet als Arbeitsgerät nutzen. Klar, es gab noch das iPad Air, das aber irgendwie halbgar zwischen den Welten hing. Deutlich teurer als das Einstiegs-Modell, aber optisch zu altbacken für Power-Nutzer.

Umso bemerkenswerter ist daher, dass Apple dem iPad Air neues Leben einhaucht: Ab diesen Freitag ist das Tablet in der vierten Generation ab 630 Euro verfügbar. Es bricht aus der Tablet-Tradition der vergangenen Jahre aus, indem es viele Pro-Features in sich vereint, in einigen Punkten sogar über das Premium-Modell hinausgeht - und das zu einem niedrigen Preis. Ich habe es bereits ausführlich vor dem Verkaufsstart getestet.

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Design: Pro-Feeling in der Mittelklasse

Nimmt man das neue iPad Air aus dem Karton, glaubt man zunächst, es wurde versehentlich ein kleines iPad Pro in die Packung gelegt. Beide Modelle sehen sich mit den klaren Kanten, der flachen Rückseite und dem aus 100 Prozent recycelten Aluminium bestehenden Gehäuse zum Verwechseln ähnlich. Ein Blick aufs Datenblatt zeigt: Das iPad Air ist genau so breit und hoch wie ein iPad Pro (11 Zoll) und nur minimal dicker. Trotzdem ist es 13 Gramm leichter.

Was beim iPad Air dagegen sofort auffällt, ist die große Auswahl an Farboptionen. Es gibt Roségold (Pink), ein helles Minzgrün und Himmelblau neben den klassischen Varianten Silber und Space Grey. Die Pro-Serie bietet dagegen nur Silber und Grau. Weil es ein ernstes Gerät für ernsthafte Menschen ist.

Die Rückseite des iPad Air zeigt die Kamera und den Smart Connector
Die Rückseite des iPad Air zeigt die Kamera und den Smart Connector
© Christoph Fröhlich/stern

Display: Fast gleichauf mit dem Pro

Bis auf einen schwarzen, knapp einen Zentimeter breiten Rand besteht die Vorderseite komplett aus Bildschirm. Dieser misst 10,9 Zoll und ist genauso scharf wie bei den Pro-Modellen. Die Größe ist für die meisten Menschen ideal: Das Tablet ist kompakt genug, dass man es auch länger mit einem Arm halten kann, aber es bietet genug Platz, um auch ein Magazin darauf lesen zu können.

Das Display des iPad Air verfügt wie die teuren Modelle über eine Antireflex-Beschichtung. Im Unterschied zum günstigen iPad (hier unser umfangreicher Test) gibt es beim Air zudem die True-Tone-Technik: Dadurch passt sich die Bildschirmdarstellung automatisch an das Umgebungslicht an. Zusätzlich unterstützt es den erweiterten P3-Farbraum, der auch von neueren iPhone-Kameras unterstützt wird. Im direkten Vergleich ist das Pro zwar etwas heller, im Alltag bemerkt man den Unterschied aber kaum.

Dem Pro vorbehalten bleibt die Promotion-Technologie. Dabei passt das Tablet automatisch die Bildwiederholrate des Bildschirms an den Inhalt an. Bis zu 120 Bilder pro Sekunde sind möglich. Dadurch bleibt beim Scrollen durch den Browser das Schriftbild sauberer. Auch beim Zeichnen mit dem Pencil hat das Vorteile. Ein praktisches Feature, das jedoch nur für die wenigsten die Kaufentscheidung beeinflussen dürfte.

Der An/Aus-Schalter enthält einen Fingerabdruck-Sensor
Der An/Aus-Schalter enthält einen Fingerabdruck-Sensor
© Christoph Fröhlich/stern

Die größte Überraschung ist der Power-Knopf

Im iPad Pro verbirgt sich in dem schwarzen Rahmen um den Bildschirm die komplexe Gesichtsentsperrungs-Kamera Face ID, die man auch von modernen iPhones kennt. Im iPad Air ist in dem schwarzen Rahmen nur … Schwarz.

Zum Entsperren des Geräts nutzt man stattdessen den An/Aus-Schalter, in dem sich der Fingerabdruckscanner Touch ID verbirgt. In der Apple-Welt ist das eine Premiere, bei Sony-Smartphones hat sich das jedoch schon vor Jahren bewährt. Ein Fingerabdruckscanner klingt zunächst nach einem Rückschritt, schließlich betont Apple seit Jahren, wie viel praktischer es sei, das Tablet mit seinem Gesicht zu entsperren. Ist es ja auch. Doch nun tragen wir alle Masken, und der Fingerabdruckscanner erspart uns das PIN-Tippen auch dann, wenn wir stundenlang in einem vollen Zugabteil oder im Großraumbüro sitzen. Wer ein modernes iPhone hat, dürfte aktuell jedenfalls neidisch auf diese Funktion hinüberschielen.

Das iPad Air 4 besitzt einen Fingerabdruck-Scanner im Power-Schalter.
Das iPad Air 4 besitzt einen Fingerabdruck-Scanner im Power-Schalter.
© Christoph Fröhlich/stern

In einem weiteren Punkt hat das iPad Air ebenfalls die Nase vorn: Während im sieben Monate alten iPad Pro der A12Z-Prozessor taktet, steckt im iPad Air der brandneue A14-Chip. Der ist schneller, effizienter und hat genug Power für alle Spiele und Anwendungen, die es derzeit gibt. Selbst Photoshop auf dem iPad und komplexe DJ-Software wie djay läuft ohne Probleme. Zudem wird der Prozessor auch länger mit Updates versorgt. Vier Jahre dürfte das iPad Air 4 ziemlich sicher auf dem neuesten Stand bleiben. 

Hier wurde der Rotstift angesetzt

Der niedrigere Preis macht klar: Irgendwo wurde gegenüber dem Pro-Modell der Rotstift angesetzt. Im Detail zeigen sich einige Unterschiede:

  • Statt drei Linsen gibt es nur eine 12-Megapixel-Weitwinkelkamera. Diese ist jedoch in der Lage, 4K-Videos aufzunehmen. Die Ultraweitwinkel- und Zoomlinsen, der Blitz sowie der Lidar-Sensor für verbesserte Augmented-Reality-Anwendungen fehlen.
  • Die Frontkamera hat die gleiche Auflösung wie im iPad Pro und eignet sich damit auch für Videokonferenzen. Verzichten müssen Air-Nutzer*innen jedoch auf die Animojis und Memojis, obwohl die eigentlich viel besser zum knalligen Look des Air als zum seriösen Pro gepasst hätten. Doch ohne Face-ID-Kamera können Affe und Huhn den eigenen Gesichtsausdruck nun mal nicht nachmachen.
  • Das Basismodell des iPad Air beginnt bei 64 Gigabyte, maximal sind 256 Gigabyte möglich. Beim Pro geht es bei 128 Gigabyte los und die Speicherauswahl reicht bis 1 Terabyte. So viel Platz benötigt nur eine Minderheit, doch diejenigen kommen nicht um das Pro-Modell herum. Ein wichtiges Detail: Die USB-C-Buchse beim neuen iPad Air ist nur etwa halb so schnell wie beim iPad Pro. Wer also ständig große Datenmengen überträgt, bemerkt einen Unterschied.
  • Das iPad Air hat vier Lautsprecher-Öffnungen, aber nur Stereo-Lautsprecher. Im direkten Vergleich gewinnt das Pro, für sich genommen klingt der Lautsprecher dennoch gut.

In puncto Konnektivität gibt es keine Unterschiede.Das iPad Air ist auf Wunsch und gegen Aufpreis als LTE-Version erhältlich und unterstützt aktuelle Wlan-Standards.

Die Akkulaufzeit entspricht den üblichen zehn Stunden im durchschnittlichen Mix, wobei diese sehr stark von der eigenen Nutzung abhängt. So ist die Batterie durch anspruchsvolle Profi-Software wie LumaFusion (Videoschnitt) oder AR-Anwendungen deutlich schneller leer, als wenn man nur eine Folge nach der anderen bei Netflix wegbinged. 

Die USB-C-Buchse macht das iPad Air 4 flexibler. Hier steckt ein Adapter mit weiteren USB-Buchsen und SD-Slot im Tablet
Die USB-C-Buchse macht das iPad Air 4 flexibler. Hier steckt ein Adapter mit weiteren USB-Buchsen und SD-Slot im Tablet
© Christoph Fröhlich/stern

Viel Zubehör erhältlich

Erstmals bietet auch das iPad Air eine USB-C-Schnittstelle, was die Flexibilität erhöht. So kann man etwa einen Monitor oder einen SD-Kartenleser anschließen und Bilder der Spiegelreflexkamera direkt in Lightroom oder Pixelmator bearbeiten.

Das iPad Air besitzt auch einen Smart Connector, sodass es mit einer Apple-Tastaturhülle gekoppelt werden kann. Mit dem sogenannten Magic Keyboard wird das iPad Air dank beleuchteter Tastatur, einer stufenlos verstellbaren Halterung und Trackpad fast zu einem kleinen Macbook. Mit 330 Euro kostet die praktische Profi-Hülle jedoch so viel wie ein Einsteiger-iPad. Ebenfalls wird der Apple Pencil der zweiten Generation unterstützt, der magnetisch an die Seite geklemmt und dort aufgeladen werden kann.

Mit Magic Keyboard und Apple Pencil wird das iPad Air zum Laptop-Ersatz für Kreative. Das Zubehör lässt sich wunderbar einfach koppeln, hat jedoch seinen Preis.
Mit Magic Keyboard und Apple Pencil wird das iPad Air zum Laptop-Ersatz für Kreative. Das Zubehör lässt sich wunderbar einfach koppeln, hat jedoch seinen Preis.
© Christoph Fröhlich/stern

Fazit: Pro-Feeling zum Mittelklassepreis

Als das iPad Pro im 11-Zoll-Format im Frühjahr vorgestellt wurde, war es die einzige ernstzunehmende Alternative für alle, die keine Lust mehr auf das altbackene Design der Einsteiger-iPads hatten. Nach nur einem halben Jahr wurde es nun aus den eigenen Reihen entthront. Denn das iPad Air ist in fast jeder Hinsicht ein besserer Deal: Bildschirm und Formfaktor sind nahezu identisch, USB-C und Smart Connector machen das Air zum flexiblen Arbeitsgerät. Der neue A14-Chip ist sogar schneller und der Fingerscanner im An/Aus-Schalter in manchen Situationen komfortabler als Face ID.

Klar muss man auf einige Funktionen der Pro-Varianten verzichten: Die Lautsprecher sind schwächer, es gibt weniger Kameras, keinen Lidar-Sensor, weniger Speicher und nur eine Bildschirmgröße. Doch den meisten Nutzer*innen dürften diese Features keine 230 Euro Aufpreis wert sein. 

Mit 630 Euro ist das neue iPad Air immer noch kein Schnäppchen. Doch das Gesamtpaket aus hoher Performance und modernem Look macht es zum derzeit attraktivsten iPad in Apples Portfolio. Vermutlich wird das Gerät angesichts des bevorstehenden Black Fridays bald unter die 600-Euro-Marke purzeln.

Alternativen

Wer Android als Betriebssystem bevorzugt, wird am ehesten bei Samsung fündig. Das Galaxy Tab S7 (das Plus-Modell haben wir hier getestet) verfügt über einen 120-Hertz-Bildschirm, vier Lautsprecher und hat bereits einen digitalen Zeichenstift im Lieferumfang. Mit 670 Euro ist es aber sogar etwas teurer. Und mangels passender Apps tut sich Android schwer im (halb)professionellen Bereich.

Wer auf Windows angewiesen ist, für den sind Microsofts Surface-Tablets eine Alternative. Sie werden wie die meisten Notebooks von Intel-Prozessoren angetrieben. Stift und Tastaturhülle sind aber auch hier nicht im Lieferumfang enthalten. Und wirklich günstiger als ein iPad sind sie auch nicht.

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