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CEO "Nur noch eine neue Produkt-Kategorie": Tim Cook bereitet sich auf seinen Abtritt bei Apple vor

Tim Cook dürfte kommende Woche viele neue Produkte vorstellen
Kurz nach seinem zehnjährigen Jahrestag als Apple-Chef gibt es Gerüchte zum Tim Cooks Rückzugsplänen
© Brooks Kraft/ / Picture Alliance
Seit zehn Jahren leitet Tim Cook Apple, mit gigantischem Erfolg. Jetzt bereitet der Top-Manager langsam seinen Abgang vor, will ein Bericht wissen. Doch eine große Sache will er noch auf den Weg bringen.

Es war ein Schock für die Apple-Gemeinde. Als sich der Gesundheitszustand von Unternehmensgründer Steve Jobs durch eine Krebserkrankung immer weiter verschlechterte und er schließlich am 5. Oktober 2011 verstarb, fragten sich viele: Kann der Konzern unter dem neuen CEO Tim Cook seinen Glanz behalten? Doch der im Vergleich zu Jobs immer etwas blassere Cook belehrte schnell alle Skeptiker eines besseren. Nun soll er selbst seinen Abgang in einigen Jahren vorbereiten.

Das berichtet der gewöhnlich hervorragend informierte "Bloomberg"-Journalist Marc Gurman in seinem jüngsten Newsletter. Cook, so sollen es ihm mehrere Mitarbeiter erzählt haben, bereite sich langsam auf den Ausstieg aus dem von ihm zum wertvollsten Unternehmen der Welt geformten Konzern vor. Kontext sind Spekulationen zu Apples erstem eigenen Auto. Doch das wird Cook nach Informationen von Gurman wohl nicht mehr als Chef auf die Straße schicken.

Noch die Brille und das wars

"Innerhalb von Apple glaubt man, dass Cook noch eine größere neue Produkt-Kategorie bleiben will", erklärt Gurman. Und verrät auch gleich, um welche es gehen wird: "Das werden vermutlich Augmented-Reality-Brillen und nicht ein Auto sein. Das dauert noch." Beide Produkte geistern schon seit längerem durch die Gerüchte-Küche. Doch während das Apple-Auto schon länger in Entwicklung ist, dürften es nach Informationen Gurmans die Brillen sein, die deutlich vorher erscheinen sollen.

Ein erstes Modell könnte schon nächstes Jahr vorgestellt werden, glaubt er. Dabei handelt es sich aber noch nicht um eine echte AR-Brille, die in einem alltagstauglichen Gestell Zusatzinformationen einblenden soll. Stattdessen soll es sich um eine sogenannte Mixed-reality-Brille handeln, die noch etwas klobiger ausfällt. Ein Beispiel ist etwa Microsofts Brille HoloLens. Eine echte AR-Version, die von manchen Beobachtern als möglicher Nachfolger des Smartphones gesehen wird, soll dann in einigen Jahren folgen. Und könnte dann auch mit dem Abtreten Cooks zusammenfallen.

Nachfolge in Vorbereitung

So schnell wird der Apple-Chef also nicht das Ruder abgeben, Gurman rechnet mit einem Rückzug zwischen 2025 und 2028. Reine Spekulation ist das auch bei Apples Mitarbeitern nicht. Cook hatte im April in einem Interview erstmals betont, dass er in zehn Jahren den Konzern "vermutlich" nicht mehr leiten werde, im Jahr 2025 läuft ein Vertrag über Bonuszahlungen aus. Zudem sehe er die Leitung eines Silicon-Valley-Konzerns eher in den Händen einer jüngeren Person, glaubt Gurman. "Er wird nicht lange nach Überschreiten seines Zenits bleiben", ist er sicher.

Dass sich Apple langsam aber sicher auf einen Führungswechsel vorbereitet, ist auch am Verhalten des Konzerns zu sehen. War Cook wie sein Vorgänger Jobs zu Anfang noch die klare Hauptfigur der so wichtigen Produktvorstellungen, überließ er in den letzten Jahren zunehmend anderen Führungspersönlichkeiten des Konzerns die Bühne und beschränkte sich auf Einleitungen. Als wichtige Gesichter des Konzerns traten etwa vermehrt Software-Chef Craig Federighi oder Service-Chef Eddy Cue auf. Auch der Chief Operating Manager Jeff Williams wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Auch Cook hatte diesen Posten inne, bevor er während Jobs' Krankheit erstmals die Leitung übernahm.

Steil nach oben

Cooks Nachfolger hat definitiv große Fußstapfen zu füllen. Als Cook den CEO-Posten übernahm, befand sich der Konzern durch das iPhone auf einem Höhenflug, war damals ungeahnte 350 Millionen Dollar wert. Unter Cooks Führung erreichte der Konzern einen Höchststand nach dem nächsten, schwang sich zum wertvollsten Aktienunternehmen der Welt hoch. 2018 knackte er als erstes börsennotiertes Unternehmen die Marke von 1 Billionen Dollar, letztes Jahr folgte die zweite Billion. Aktuell liegt der Marktwert bei fast 2,5 Billionen Dollar - siebenmal so hoch wie bei Cooks Amtsantritt. 

Dabei war es vermutlich hilfreich, dass Cook im Gegensatz zum Visionär Jobs eher als kühler Pragmatiker gilt. Mit vorsichtigen Neuerungen traf Apple immer wieder ins Schwarze, setzte Trends. So führte der Konzern unter Cook die Wearable-Sparte ein, die mit Apple Watch und den AirPods nicht nur zwei der erfolgreichsten Produkte des Konzerns hervorbrachte, sondern auch die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu den jeweiligen Produktkategorien prägte. Zudem gelang es Cook, mit einem Fokus auf den Service-Bereich ein weiteres Standbein aufzubauen, um den langsam abklingenden Smartphone-Hype aufzufangen. Dass Apple mit der jüngsten iPhone-Generation trotzdem Rekordverkäufe schaffte, dürfte ihn natürlich gefreut haben. Genauso wie der Rekord-Bonus, den er zum zehnten Jahrestag vor einer Woche erhielt: Die fünf Millionen Aktien, die seinem Portfolio gutgeschrieben wurden, haben einen aktuellen Wert von 750 Millionen Dollar.

Quellen: Marc Gurman, New York Times


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