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Home Office WLAN-Frust? Mit dieser Hardware tunen Sie ihr Netz

Manchmal könnte man ausflippen, wenn das WLAN daheim nicht so will, wie es soll. Schwaches Signal und Verbindungsabbrüche machen Streamingdienste wie Spotify oder Netflix aber auch das Homeoffice zur Tortur. Die Lösung können Mesh-Systeme sein.
Manchmal könnte man ausflippen, wenn das WLAN daheim nicht so will, wie es soll. Schwaches Signal und Verbindungsabbrüche machen Streamingdienste wie Spotify oder Netflix aber auch das Homeoffice zur Tortur. Die Lösung können Mesh-Systeme sein.
© Getty Images
4K-Geruckel, instabiler Videochat und Ladezeiten. Wie gut Home Office und Smart Home funktionieren, hängt von der Güte des Heimnetzes ab.  Nie war ein stabiles WLAN einfacher als heute. Vor allem für Fritzbox-User.

Der Router steht unter dem Dach gleich neben der Telefondose und unten im Wohnzimmer verkündet nur noch einer von drei Balken im Display tapfer die Anwesenheit des heimischen Netzwerks. WLAN ist eine feine Sache, doch in großen Wohnungen und erst recht in Häusern reicht das Funksignal eben nicht mehr in jede Ecke. In Zeiten von Home Office kann das ärgerlich werden, wenn zum Beispiel nur Videokonferenzen nur noch in der Küche möglich sind, weil dort das Signal am besten ankommt. 

Viele achten zwar auf einen brauchbaren Datendurchsatz vom Internetprovider, doch wie gut das Signal letztendlich im Haus oder Wohnung verteilt wird, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Router steht halt bei der Telefondose, fertig. Doch das unscheinbare Gerät neben der DSL-Buchse entscheidet letztendlich darüber, wie viel Freude einem das Internet bereitet. Gewöhnlich sinkt der Spaß im Wortsinn mit jedem Meter.

So wird Signalstärke des WLAN zügig ausgebremst von Stahlbetonwänden, Heizungsrohren, Türzargen und Wasserleitungen. Nach zehn bis fünfzehn Metern zerstreut sich das Signal. Zwar lässt sich die Reichweite mit sogenannten Repeatern strecken, nicht aber die Signalqualität verstärken. Das heißt, ein Repeater bringt ein entferntes WLAN-Gerät zwar ans Netz, doch die Übertragungsrate bleibt gering. Sie halbiert sich sogar mit jedem eingesetzten Repeater.

Repeater: Ein Netz im Netz

Zudem verhalten sich Repeater gegenüber dem Router, also der Funkzentrale, wie ein eigenständiges Netzwerk. Zwar übernehmen sie die Netzwerkkennung des Routers und verbinden die Geräte automatisch mit dem besten Funksignal, doch der Router weiß nichts von dem, was der Repeater so treibt. Und wer nichts weiß, der kann das Funknetz auch nicht optimieren. 

Genau hier setzt die sogenannte Mesh-Technik an. Ein solches System besteht aus dem direkt am Router angeschlossenen Mesh-Master und mindestens einem  im Haus aufgestellten Access Point. Alle Mesh-Zugriffspunkte kennen sich und "reden" miteinander. Sie bilden so ein Netz unter einer gemeinsamen Netzwerkkennung. Dadurch weiß der Mesh-Master auf welchen Frequenzen seine Satelliten mit welchen Geräten im Haus Daten austauschen, auch wenn er nicht direkt mit ihnen verbunden ist.

Mit diesem Wissen optimiert er die gesamte WLAN-Kommunikation. Er stellt automatisch die jeweils besten Frequenzen zur Verfügung, kann zeitgleich zahlreiche Geräte mit Daten versorgen und wechselt je nach Auslastung automatisch auf die am wenigsten genutzten Funkkanäle, damit das eigene Netz nicht mit den WLANs der Nachbarschaft ins Gehege kommt. Im Fachjargon heißt das Crossband-Repeating, Band-Steering, Triband und Multiuser-MiMo. 

Aufgemalt sähen die Kommunikationswege wie die Maschen eines Netzes aus, daher "Mesh". Größer Vorteil: Die WLAN-Geräte im Haus verbinden sich fließend mit dem jeweils stärksten Zugriffspunkt, gleichsam wie Handys, unmerklich die Funkzellen wechseln, wenn man im Auto telefoniert.

Namhafte Mesh-Anbieter geben sich die Ehre

Seit gut einem Jahr haben Hersteller wie Google, Asus, TP oder Netgear Mesh-Systeme im Angebot. Die Produkte unterscheiden sich nicht nur im Preis. So kommunizieren manche Mesh-Geräte ausschließlich via Funk, andere können das Datensignal auch über die Stromleitung schicken oder lassen sich direkt an im Haus verlegte Netzwerkkabel stecken. Der Weg über die Stromleitung ist zum Beispiel  in Gebäuden praktisch, in denen etwa Stahlkonstruktionen die Funkwellen erheblich blocken.

In der Königsklasse kommunizieren die einzelnen der Mesh-Punkte über einen eigenen Funkkanal und belegen so keine kostbare Bandbreite. Diese Triband-Technik ist noch teuer und lohnt nur bei hohem Datenverkehr. Wenn im Wohnzimmer ein 4K-Film auf Netflix geschaut wird, in der Küche auf dem Tablet ein Youtube-Rezeptvideo läuft und bei den Kindern Spotify das Zimmer beschallt, während sie auf der Playstation ein Multiplayerspiel zocken  - dann wird Triband interessant.

Design - das Auge funkt ja auch mit

Erfreulicherweise verpackten die meisten Hersteller die Netzwerktechnik in ein ansprechendes Design. Schließlich werden die Access-Points sichtbar im Wohnraumaufgestellt. Netgear Orbi kommt in Form einer stylischen Blumenvase daher, der Amplifi von Ubiquiti ist ein kleiner Kubus mit Touchdisplay, der sich im Bücherregal als Uhr tarnt, und Google Wifi erinnert an Alexa. Ferner gibt es wetterfeste Meshpoints, die das Heimnetz auch in den Garten tragen.

Die Installation eines Mesh ist bei allen Geräten simpel. Die Basistation wird an den vorhandenen Router mit einem Netzwerkkabel angeschlossen. Das WLAN des Routers wird abgeschaltet. Herr über den Internetzugriff ist fortan der "Meshmaster", also die Mesh-Basisstation. Nachdem die Zugriffspunkte im Haus verteilt sind, wird das Mesh über eine App oder einen Webbrowser eingerichtet, meist erkennen sich die Geräte selbsttätig. Tieferes Netzwerkwissen ist nicht erforderlich. Der Komfort hat indes seinen Preis. Ein einfacher Repeater ist schon für 20 Euro zu haben. Ein Mesh-System mit zwei Access-Points kostet über 150 Euro.

Gute Nachrichten für Fritzbox-Besitzer

Wenn Hersteller mit der Aussage werben, ihr Mesh-System bringe den Router bereits mit, freut das nur Kunden außerhalb Deutschlands. Hierzulande wird das Modem, also jenes Ding, das einen ans Internet bringt und der Router, der Manager aller netzwerkfähigen Devices im Heimnetz als ein einziges Gerät vom Provider gestellt. Anderswo auf der Welt sind Modem und Router oft getrennt.

Der mit Abstand günstigste Weg zu einem Mesh dürfte für viele Deutsche über AVM führen. Der Hersteller der Fritzbox hält hierzulande einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Damit hat die Fritzbox fast den Nimbus eines "Volksrouters".

Ab dem  Fritz OS 7 können Fitzboxbesitzer ihre Router kostenlos zu "Mesh Mastern" aufbohren. Das Update gibt es nicht nur für das Topmodell 7590, sondern ebenfalls für die günstigeren Geräte wie 7580, 7560 und 7490. Für das Mesh braucht man dann  nur noch für rund 20 Euro den günstigsten AVM-Repeater oder für rund 130 Euro einen Powerline-Kit von AVM.  Zusammen mit den ohnehin umfangreichen Möglichkeiten der Fritzbox und den dazugehörigen Apps, ergibt das ein sehr komfortables Mesh-Netzwerk. Mittlerweile bietet AVM das Flaggschiff 7590 zusammen mit einem Repeater als "Mesh Set" an.

Weitere Mesh-Systeme: Asus "Lyra", Google "Nest Wifi", Netgear "Orbi", Linksys "Velop", D-Link "Covr 2202"  und Ubiquiti.


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