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Kostenlose Mahlzeit für Bedürftige: Diese amerikanische Coffeeshop-Betreiberin zeigte Herz

Manche Menschen wühlen im Abfall nach Essen aus Protest gegen den Konsumwahn - andere, weil sie Hunger haben. Einer solchen unbekannten Person machte eine US-Gastronomin nun ein Angebot.

Ashley Jiron, die Betreiberin des Coffeeshops P.B. Jams in Oklahoma City, will einer unbekannten bedürftigen Person helfen, die in ihrem Müll nach Essen suchte.

Ashley Jiron, die Betreiberin des Coffeeshops P.B. Jams in Oklahoma City, will einer unbekannten bedürftigen Person helfen, die in ihrem Müll nach Essen suchte.

Sie heißen Mülltaucher oder Dumpster - Menschen, die den Abfall von Supermärkten und Restaurants nach Essbarem durchforsten. Während einige das tun, um gegen den Konsumwahn und die Wegwerfpraxis der Märkte zu protestieren, haben andere schlicht Hunger und kein Geld, um sich etwas zu essen zu kaufen. Für viele Menschen in unserer Gesellschaft ist die zweite Variante schwer nachvollziehbar: Wie verzweifelt muss jemand sein, um diesen Weg zu wählen? Doch das kommt vor, in den USA sicher noch weitaus häufiger als in Deutschland.

Viele Supermarkt- oder Restaurantbetreiber zeigen wenig Verständnis für diese Praxis und sperren ihre Container ab - andere ignorieren es schlicht. Die Betreiberin des Coffee-Shops P.B. Jams in Oklahoma City in den USA wählte einen anderen Weg.

Als sie vor wenigen Tagen den Müll herausbrachte, habe sie bemerkt, dass jemand in ihren Tonnen gewühlt haben muss, vor allem jene mit den Essensresten, erzählt Ashley Jiron dem amerikanischen Nachrichtensender KFOR in Oklahoma. Es habe auch so ausgesehen, als wären Essensreste mitgenommen worden.

Kostenloses Sandwich - ohne Fragen zu stellen

"Es schmerzte mich, dass jemand so etwas tun musste", sagt sie. Dieser Vorfall brachte sie auf eine Idee: Sie hängte eine Nachricht ins Schaufenster und bot der bedürftigen Person eine kostenlose Mahlzeit an.

Auf dem Zettel stand:

An die Person, die in unserem Abfall nach Essen suchte: Sie sind ein menschliches Wesen und mehr wert als eine Mahlzeit aus dem Müllcontainer. Bitte kommen Sie während der Geschäftszeiten zu uns herein. Sie bekommen ein kostenloses Sandwich classic Pb&j, frisches Gemüse und ein Glas Wasser, wir werden Sie nicht mit Fragen bedrängen.

- Ihr Freund, der Besitzer

Warr Acres/Bethany friends: If you happen to see the person, please stop and tell them this for me. I will NOT take...

Posted by P.B. Jams on Montag, 6. April 2015

Jiron hat vor, das Schild so lange hängen zu lassen, bis die betreffende Person ihre Mahlzeit in Anspruch nimmt. Bislang sei das nicht geschehen, und vielleicht bleibt das so - die Scham hervorzutreten könnte zu groß sein, und eine kostenlose Mahlzeit allein ist vielleicht eine nette Geste, aber keine dauerhafte Lösung. Jiron weiß das. Trotzdem hofft sie darauf, dass jemand ihr Angebot annimmt. Es sei das Mindeste, was sie tun könne. "Wir alle waren schon einmal in einer Situation, in der wir Hilfe gebraucht hätten, in der wir uns gewünscht hätten, jemand würde uns die Hand reichen", sagt sie. "Wenn ich diese eine Person sein kann, die einem anderen Menschen eine Hand reicht, um ihr den Tag etwas zu erleichtern, werde ich das sicher tun."

Eine Kundin schlug auf der Facebookseite des Ladens daher vor, es wie ein Pizzaladen in Philadelphia zu machen: Kunden bezahlen eine Mahlzeit für eine bedürftige oder obdachlose Person im Voraus, ein Post-it-Zettel mit einer entsprechenden Notiz wird wie eine Art Gutschein an die Wand geheftet. Eine praktikable Idee, die in Philadelphia auch vielfach genutzt wird: Seit gut einem Jahr läuft die Aktion, die Wand ist immer voll. Die Kunden hätten bisher fast 10.000 Pizzastücke für Bedürftige bezahlt.

spo