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Paare erzählen über ihre Ehe: Ich liebe Dich! Vom Glück und Schmerz der lebenslangen Liebe

Von wegen Auslaufmodell! Die Deutschen glauben an die lebenslange Liebe: Sie heiraten gern und aufwendig. Aber was kommt nach dem Fest? Paare erzählen, wie sie leben und lieben und wie sie mit Schicksalsschlägen umgehen.

Ehe: Heiraten ist hip. Doch was kommt nach dem Fest?

Jakob und ich waren gerade zwei Monate zusammen, als er die Krebsdiagnose erhielt. Mit 31. Die Art und Weise, wie er auf die Krankheit reagierte, war außergewöhnlich ...

Ja – kaum ein Wort wurde zuletzt stärker verneint. Das Ende der Zweierbeziehung im Allgemeinen und der Ehe im Speziellen stehe kurz bevor, da waren sich viele einig. Der Grund: Die beständigkeitsphobischen Sprosse der "Generation Y" oder der "Millenials", die zwischen 1980 und dem Ende der 90er Jahre geboren sind, hätten an Verbindlichkeit kein Interesse, weil sie zu sehr mit der Selbstoptimierung beschäftigt seien.

Nur stimmt das gar nicht. Die vermeintlichen Bindungsunwilligen sind, im Gegenteil, ganz wild aufs Heiraten. Etwa 65 Prozent der 20- bis 39-Jährigen empfinden die Ehe nicht als überholte Einrichtung. Seit 2015 werden in Deutschland jährlich wieder über 400.000 Ehen geschlossen, so viele waren es zuletzt zur Jahrtausendwende.

Svenja Jeon-Thies, 45, und Miyeon Jeon, 32   "Drei Monate lang habe ich den Text geübt, bin ihn immer wieder durchgegangen, bis ich ihn auswendig konnte. Diese Zeilen, mit denen ich bei Miyeons Mutter um ihre Hand anhalten wollte. So ist es Brauch in Südkorea. Und als ich dann völlig nervös vor Miyeons Mutter stand, hat sie uns beide nur entgeistert angeschaut, nach dem Motto: Was soll das jetzt? Für die war das ein Schock. In Korea ist Homosexualität noch nicht so normal wie hier. Deshalb leben wir in Deutschland. In Korea wird unsere Ehe nicht anerkannt. Und wir hätten dort auch keine Familie gründen können. Eigentlich wollte ich nie Kinder. Zum Glück hat mich Miyeon vom Gegenteil überzeugt."

Svenja Jeon-Thies, 45, und Miyeon Jeon, 32

"Drei Monate lang habe ich den Text geübt, bin ihn immer wieder durchgegangen, bis ich ihn auswendig konnte. Diese Zeilen, mit denen ich bei Miyeons Mutter um ihre Hand anhalten wollte. So ist es Brauch in Südkorea. Und als ich dann völlig nervös vor Miyeons Mutter stand, hat sie uns beide nur entgeistert angeschaut, nach dem Motto: Was soll das jetzt? Für die war das ein Schock. In Korea ist Homosexualität noch nicht so normal wie hier. Deshalb leben wir in Deutschland. In Korea wird unsere Ehe nicht anerkannt. Und wir hätten dort auch keine Familie gründen können. Eigentlich wollte ich nie Kinder. Zum Glück hat mich Miyeon vom Gegenteil überzeugt."


Die Eventisierung der Hochzeit hat dabei ein neues Level erreicht, im TV wie im Privaten. Würde man alle Drohnenvideos von Hochzeitsfeierlichkeiten der vergangenen fünf Jahre aneinanderschneiden, müsste man vermutlich bis an sein Lebensende keine neue Netflix-Serie mehr beginnen.

Wie hat die Ehe das nur gemacht? Woher bezieht sie ihre Kraft?

Aus uns selbst, sagt Paartherapeut und Buchautor Wolfgang Schmidbauer: "Sie liegt uns im Blut. Wir Menschen wollen uns aufeinander beziehen." Der Wunsch, Zeugen für sein Leben zu haben, sei bei den meisten immer noch größer als jede Freiheitsliebe. Denn auch der spannendste Job und die aufregendsten Reisen machen mehr Spaß, wenn man das Erlebte teilen kann.

Giannina Haupt, 25, und Carl Jakob Haupt, †34  Jakob und ich waren gerade zwei Monate zusammen, als er die Krebsdiagnose erhielt. Mit 31. Die Art und Weise, wie er auf die Krankheit reagierte, war außergewöhnlich: Er stellte einfach auf positives Denken um. Obwohl er mir sogar nahegelegt hatte, Abstand zu nehmen, war das keine Option für mich. Stattdessen planten wir, wie unser Leben mit seiner Krankheit aussehen könnte – und machten uns einen Spaß daraus. Für den Fall, dass ihm während der Chemo die Haare ausfallen, wollten wir ständig neue Perücken aussuchen und diese gemeinsam tragen. Unsere Liebe sollte über dem Krebs stehen. Wir reisten nach Venedig, nach Los Angeles, New York und Kuba. Die Ärzte hatten Jakob noch sieben Jahre gegeben, ich wäre trotzdem nie auf die Idee gekommen, dass wir nicht zusammen alt werden würden. Im Januar 2017 war er schließlich krebsfrei – und es wirkte auf uns, als würden wir vielleicht nicht 80, aber zumindest 60 Jahre zusammen alt werden. Im Mai 2018 wurden bei Routineuntersuchungen Metastasen in den Knochen festgestellt. Es war deprimierend, aber wir wussten, was zu tun war: zurück in den Kampfmodus!  Wir hatten immer vor zu heiraten. Jakob aber wollte mir den Antrag erst machen, wenn er gesund sei. Das ging nun nicht mehr. Bei der Hochzeit auf Sizilien im vergangenen September haben wir unsere Liebe dann umso lauter gefeiert. Dieser Moment war so irre wichtig für uns, dass wir Jakobs Trauerfeier diesen Mai absichtlich so gestaltet haben, als würde die Hochzeit einfach weitergehen. Die Grabrede, die Jakob vor seinem Tod selbst geschrieben hatte, war eine Liebeserklärung an mich: 'Du bist das Erste, an das ich denke, wenn ich morgens aufwache – und das Letzte, woran ich denke, wenn ich einschlafe. Und das, seit wir uns kennen. Und so wird es auch jetzt gewesen sein, wenn ich zum letzten Mal eingeschlafen bin.' So haben wir unser Eheversprechen über den Tod hinaus bestärkt. In den letzten Tagen im Hospiz haben Jakob und ich viel darüber nachgedacht, was bleiben wird – von unseren intensiven Momenten. Uns wurde klar, dass es diese gemeinsame Erfahrung sein muss, die wir weitergeben wollen: eine eigentlich furchtbare Zeit, in der man als Paar um das Überleben eines Partners kämpft, schön und fröhlich zu gestalten. Für uns war das finanziell nicht allzu schwer, Jakob als erfolgreicher Blogger, Autor und Veranstalter, ich als Model – wir hatten Möglichkeiten, die andere nicht haben. So kam uns die Idee zur Carl-Jakob-Haupt-Stiftung. Wir wollen Paaren, die in einer ähnlichen Situation sind, Wünsche erfüllen, Alleinstehende etwa während der Chemotherapie unterstützen und ein Netzwerk erfahrener 'Lotsen' aufbauen, die Erkrankten mit Kontakten zu Ärzten und Kliniken helfen."

Giannina Haupt, 25, und Carl Jakob Haupt, †34

Jakob und ich waren gerade zwei Monate zusammen, als er die Krebsdiagnose erhielt. Mit 31. Die Art und Weise, wie er auf die Krankheit reagierte, war außergewöhnlich: Er stellte einfach auf positives Denken um. Obwohl er mir sogar nahegelegt hatte, Abstand zu nehmen, war das keine Option für mich. Stattdessen planten wir, wie unser Leben mit seiner Krankheit aussehen könnte – und machten uns einen Spaß daraus. Für den Fall, dass ihm während der Chemo die Haare ausfallen, wollten wir ständig neue Perücken aussuchen und diese gemeinsam tragen. Unsere Liebe sollte über dem Krebs stehen. Wir reisten nach Venedig, nach Los Angeles, New York und Kuba. Die Ärzte hatten Jakob noch sieben Jahre gegeben, ich wäre trotzdem nie auf die Idee gekommen, dass wir nicht zusammen alt werden würden. Im Januar 2017 war er schließlich krebsfrei – und es wirkte auf uns, als würden wir vielleicht nicht 80, aber zumindest 60 Jahre zusammen alt werden. Im Mai 2018 wurden bei Routineuntersuchungen Metastasen in den Knochen festgestellt. Es war deprimierend, aber wir wussten, was zu tun war: zurück in den Kampfmodus!

Wir hatten immer vor zu heiraten. Jakob aber wollte mir den Antrag erst machen, wenn er gesund sei. Das ging nun nicht mehr. Bei der Hochzeit auf Sizilien im vergangenen September haben wir unsere Liebe dann umso lauter gefeiert. Dieser Moment war so irre wichtig für uns, dass wir Jakobs Trauerfeier diesen Mai absichtlich so gestaltet haben, als würde die Hochzeit einfach weitergehen. Die Grabrede, die Jakob vor seinem Tod selbst geschrieben hatte, war eine Liebeserklärung an mich: 'Du bist das Erste, an das ich denke, wenn ich morgens aufwache – und das Letzte, woran ich denke, wenn ich einschlafe. Und das, seit wir uns kennen. Und so wird es auch jetzt gewesen sein, wenn ich zum letzten Mal eingeschlafen bin.' So haben wir unser Eheversprechen über den Tod hinaus bestärkt. In den letzten Tagen im Hospiz haben Jakob und ich viel darüber nachgedacht, was bleiben wird – von unseren intensiven Momenten. Uns wurde klar, dass es diese gemeinsame Erfahrung sein muss, die wir weitergeben wollen: eine eigentlich furchtbare Zeit, in der man als Paar um das Überleben eines Partners kämpft, schön und fröhlich zu gestalten. Für uns war das finanziell nicht allzu schwer, Jakob als erfolgreicher Blogger, Autor und Veranstalter, ich als Model – wir hatten Möglichkeiten, die andere nicht haben. So kam uns die Idee zur Carl-Jakob-Haupt-Stiftung. Wir wollen Paaren, die in einer ähnlichen Situation sind, Wünsche erfüllen, Alleinstehende etwa während der Chemotherapie unterstützen und ein Netzwerk erfahrener 'Lotsen' aufbauen, die Erkrankten mit Kontakten zu Ärzten und Kliniken helfen."

Aber wie funktioniert eine gute Ehe? Was können die, die heute Ja sagen, von denen lernen, die schon Jahrzehnte verheiratet sind? Und umgekehrt?

Wir haben 29 Gespräche mit Menschen über ihre Ehe geführt. Darüber, wie sie leben und lieben, was sie gerettet hat oder woran sie gescheitert sind. Aus ihren Erzählungen ergeben sich drei Aspekte:

1. Kommunikation in der Ehe ist alles, immer.

Vor der Trauung braucht es Klartext: Nach welchen Werten wollen wir leben? Wie viel Gleichberechtigung soll es geben in Bezug auf Karriere, Erziehung, Haushalt? Welche persönlichen Freiräume sind uns wichtig? In der Ehe dann werden vermeintlich banale Sätze zu den entscheidenden: "Wie war dein Tag?", "Was meinst du dazu?", "Wie fühlst du dich?" Es geht darum, sich immer wieder auseinanderzusetzen. Im besten Fall hört man, egal, wie stürmisch oder öde der Alltag gerade ist, nie damit auf, sich für den anderen zu interessieren.

2. Der Trick beim Zusammenbleiben ist, sich immer wieder aufs Neue nicht zu trennen.

Also die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten alles hinzuwerfen, ein ums andere Mal tapfer auszuschlagen. Nicht ständig in Beleidigungskonkurrenz zueinander zu treten, keine Short- und keine Longlist der gegenseitigen Verfehlungen zu führen, sondern immer wieder auf den Kern zu schauen: Wir sind's. Die funktionierende Langzeitbeziehung schöpft sich fundamental aus den Fähigkeiten Zuversicht, Geduld, Humor und Hartnäckigkeit.

3. Es heißt im Trauversprechen "In guten wie in schlechten Zeiten", nicht "In schlechten wie in noch schlechteren Zeiten".

Wer nur noch in Kriegsmetaphorik über seine Beziehung spricht, sei gewarnt. Kämpfen, durchstehen, überwinden – gehört dazu, sollte aber nicht zur Hauptdisziplin werden. Ehe ist kein Kampfsport, sondern Paartanz. Wenn die Musik nicht mehr spielt und man mehr ringt als swingt, ist es vielleicht Zeit, loszulassen.

Ana Maria Arevalo, 30, und Philipp Quante, 33  Eigentlich hatte Philipp den Kampf schon gewonnen. Einen Kampf, den viele kämpfen müssen, aber die wenigsten mit Anfang 30. Die Ärzte hatten ihm den Tumor herausoperiert. Doch Anfang 2017, nicht einmal ein Jahr später, war der Hodenkrebs zurück. Philipp begann kurz danach eine Chemotherapie. Am Tag vor der ersten Sitzung schnitt Ana ihm die Haare vom Kopf. Als Zeichen der Selbstbestimmung. Und dafür, dass von nun an alles anders und vor allem besser für sie werden sollte. Für sie, die sich vor zehn Jahren in Venezuela kennengelernt hatten an diesem einsamen Strand, den man nur mit dem Boot erreichen konnte. Philipp, der Erasmus-Student aus Hildesheim, und Ana aus Caracas, die von einem besseren Leben in Europa träumte. Heute ist Philipp Ingenieur und Ana Fotografin. In den Monaten nach Philipps Diagnose hielt Ana alles mit der Kamera fest. Die schlechten Stunden und die guten, die vielen traurigen und die wenigen lustigen. Nach vier Monaten Chemotherapie war Philipp wieder gesund. Die Aufnahmen seiner Genesung stellt Ana in Museen aus.

Ana Maria Arevalo, 30, und Philipp Quante, 33

Eigentlich hatte Philipp den Kampf schon gewonnen. Einen Kampf, den viele kämpfen müssen, aber die wenigsten mit Anfang 30. Die Ärzte hatten ihm den Tumor herausoperiert. Doch Anfang 2017, nicht einmal ein Jahr später, war der Hodenkrebs zurück. Philipp begann kurz danach eine Chemotherapie. Am Tag vor der ersten Sitzung schnitt Ana ihm die Haare vom Kopf. Als Zeichen der Selbstbestimmung. Und dafür, dass von nun an alles anders und vor allem besser für sie werden sollte. Für sie, die sich vor zehn Jahren in Venezuela kennengelernt hatten an diesem einsamen Strand, den man nur mit dem Boot erreichen konnte. Philipp, der Erasmus-Student aus Hildesheim, und Ana aus Caracas, die von einem besseren Leben in Europa träumte. Heute ist Philipp Ingenieur und Ana Fotografin. In den Monaten nach Philipps Diagnose hielt Ana alles mit der Kamera fest. Die schlechten Stunden und die guten, die vielen traurigen und die wenigen lustigen. Nach vier Monaten Chemotherapie war Philipp wieder gesund. Die Aufnahmen seiner Genesung stellt Ana in Museen aus.

Die Gründe dafür sind manchmal dramatisch, manchmal vermeintlich nichtig. Aber immer ist es ein Schock, wenn sich die Frage, die man mit der Trauung final beantwortet zu haben glaubte, plötzlich neu stellt: "Gehen oder bleiben?" Besonders dann, wenn Gehen der liebevollere Akt wäre – und sei es sich selbst gegenüber.

Eine gelungene Ehe ist nicht unbedingt die, die erst vom Tod geschieden wird. Eine gelungene Ehe, da hat Balou Temme im Interview auf Seite 30 ganz recht, ist eine, in der die guten Zeiten in der Überzahl sind.

Klingt zu simpel? Na, hoffentlich! Im Detail ist das schließlich eine der schwierigsten Übungen unseres Lebens. Und eine der schönsten.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(